Achteinhalb Jahre Haft für 27-fach vorbestraften Heiratsschwindler in Wien

28. Mai 2013, 13:23
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60-Jähriger nahm seit Jahrzehnten mit erfundenen Geschichten Frauen aus - Im Gefängnis über Online-Agentur neue Opfer gefunden

Wien - Ein notorischer Heiratsschwindler ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seit Jahrzehnten war der Manndarauf spezialisiert, wohlhabende Frauen mit erfundenen Geschichten zu beeindrucken. Er präsentierte sich als Pilot, Airline-Besitzer oder Chef eines deutschen Unternehmens mit 400 Mitarbeitern. Nichts davon ist wahr.

Für Beteiligungen an seinen vorgeblichen Geschäften nahm der Mann seinen Opfern allerdings beträchtliche Bargeld-Beträge ab, nachdem er mit ihnen Liebschaften begonnen und ihnen teilweise die Ehe versprochen hatte. "Seit 1971 sind Sie 27 Mal verurteilt worden. Insgesamt sind Sie seither 27 Jahre und zehn Monate im Gefängnis gesessen", belehrte Richter Gerhard Wagner den mittlerweile 60-Jährigen im Grauen Haus. Und fügte am Ende hinzu: "Offensichtlich hat's nichts genützt."

Nachtruhe in Karlau

Nachdem der Angeklagte 2008 in Salzburg zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, bereitete er bereits in der Justizanstalt Graz-Karlau seine nächsten Betrügereien vor. Er registrierte sich bei einer Online-Partner-Agentur und hielt nach vermögenden, gut situierten Frauen Ausschau. Dass er in seiner Zelle verbotenerweise über ein Mobiltelefon verfügen konnte, erleichterte es ihm, mit ihnen per SMS oder telefonisch Kontakt aufzunehmen.

Auf Freigängen lernte er die Damen dann persönlich kennen. Zumindest vier Frauen fanden an ihm Gefallen, darunter eine Ärztin und eine erfolgreiche Managerin. Er erzählte ihnen, im Auftrag eines Rolex-Erben ein Flugzeug ankaufen zu müssen oder eine private Fluglinie in Dubai zu besitzen. An die Treffen anschließende Telefongespräche unterbrach er mitunter vorzeitig - weil er noch eine Video-Konferenzschaltung mit Brasilien abwickeln müsse, wie er einmal beispielsweise behauptete. In Wahrheit begann in Karlau, wo er zu diesem Zeitpunkt wieder einsaß, die Nachtruhe.

Eine der Frauen betrog er im Zeitraum von März bis Juli 2011 um insgesamt 178.500 Euro. Er machte ihr vor, für einen Investor eine Cessna zu erwerben. Sie könne bei einer Rendite von zwölf Prozent pro Jahr in dieses Geschäft einsteigen. Der Ärztin erklärte er, die 3,85 Millionen Euro teure Maschine werde eine Privatstiftung weiterverkauft. Sie überließ ihm 60.000 Euro und bekam zugesichert, binnen weniger Tage die Summe samt einem Gewinn von 35.000 Euro zurückzuerhalten.

Provokation für Geschädigte

Als er im November 2011 vorzeitig bedingt entlassen wurde, fand der 60-Jährige noch zwei weitere Opfer, wobei allerdings eine Frau kein Geld herausgab, als ihr neuer Bekannter eine schriftliche Bestätigung verweigerte. Insgesamt habe sich der Mann bis zu seiner neuerlichen Festnahme um 260.000 Euro bereichert, sagte Staatsanwältin Kristina Jahn.

Der Mann gab vor Gericht bis zuletzt den seriösen Unternehmensberater, wie er sich derzeit bezeichnet: "Tut mir leid, dass bei diesen Geschäften einiges schief gelaufen ist. Ich werde mich bemühen, dass die Geschädigten die Gelder zurückbekommen." Er habe auf diversen Konten Beträge "geparkt", aber noch keinen vertrauenswürdigen Anwalt gefunden, über den er die Rückzahlung abwickeln könne. "Das könnte man als Geschädigter fast als Provokation auffassen", kommentierte der Richter diese Verantwortung.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. der 60-Jährige erbat Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. (APA/red, 28.5.2013)

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