Aufregung über Test an britischer Eliteschule

28. Mai 2013, 16:06
382 Postings

Angehende Stipendiaten des Knabeninternats Eton wurden gefragt, wie sie Schüsse auf Demonstranten rechtfertigen würden

Ein kürzlich an die Öffentlichkeit gelangter Prüfungstext der Eliteschule Eton hat in Großbritannien hitzige Debatten ausgelöst. Bei dem Test aus dem Jahr 2011 konnten 13-jährige Bewerber ein Stipendium in Höhe eines Zehntels der Studiengebühr von 32.000 Pfund (37.400 Euro) erhalten.

Zuerst mussten die Schüler zwei Absätze aus Niccolò Machiavellis "Der Fürst" zusammenfassen, in denen erläutert wird, es sei für Staatsmänner wichtiger, gefürchtet zu werden als geliebt. Dann wurde ihnen folgende Aufgabe gestellt:

"Sie sind Premierminister"

"Wir schreiben das Jahr 2040. In Großbritannien gibt es wegen einer Ölkrise im Nahen Osten keinen Treibstoff mehr. Demonstranten haben öffentliche Gebäude angegriffen, mehrere Polizisten kamen dabei ums Leben. Die Regierung hat darauf den Einsatz der Armee angeordnet, um die Proteste niederzuschlagen. Nach zwei Tagen gelang es, die Unruhen zu beenden, aber 25 Demonstranten wurden von der Armee getötet. Sie sind Premierminister. Schreiben Sie ein Manuskript für eine Rede, die landesweit ausgestrahlt wird. In dieser Ansprache erklären Sie, warum der Armeeeinsatz gegen Protestierende Ihre einzige Möglichkeit war und dass diese Option sowohl notwendig als auch moralisch gerechtfertigt war."

Cameron drohte mit Soldaten

Die Prüfung wurde im April 2011 abgehalten. Kurz zuvor war bei Protesten gegen die Verdreifachung der Studiengebühren die Zentrale der Konservativen Partei angegriffen worden, wenige Monate danach drohte Premierminister David Cameron damit, die Armee wegen der Sommerunruhen in London einzusetzen.

Eton-Rektor Tony Little verteidigte gegenüber der "Huffington Post" die Prüfungsfragen: "Wir bevorzugen keine bestimmte politische Einstellung, sondern suchen Kandidaten, die in der Lage sind, sich in gegensätzliche Standpunkte hineinzuversetzen."

Umstrittener Armeeeinsatz im Inland

Der Einsatz der Armee im Inland ist in Großbritannien äußerst umstritten: Als britische Fallschirmjäger am 30. Jänner 1972 im nordirischen Londonderry auf Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Internierungspolitik der Regierung schossen und dabei 13 Menschen töteten, behaupteten Politiker, die Protestierenden hätten zuerst geschossen.

Erst im Jahr 2010, 38 Jahre nach dem "Blutsonntag von Derry", wurde ein Untersuchungsbericht vorgelegt: Das 5.000 Seiten starke Dokument kam zu dem Schluss, dass die Verantwortung bei der Einsatzleitung lag und die Soldaten das Feuer auf die unbewaffnete Menge eröffnet hatten. Im Juli 2012 verkündete die Polizei, man habe wegen des Massakers Ermittlungen eingeleitet. (bed, derStandard.at, 28.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eton-Schüler warten vor dem Schultor auf den Besuch der Queen. Zu den Absolventen der 1440 von König Henry VI. gegründeten Knabenschule gehören Premierminister David Cameron und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson.

Share if you care.