Alles oder nichts heißt das Prinzip

28. Mai 2013, 17:47
1 Posting

Der BC Vienna könnte einen bereits sicher geglaubten Meistertitel gegen heroische Oberwart Gunners noch verjuxen. Die Entscheidung fällt am Mittwoch in Schwechat

Wien - Es ist Feuer drin im österreichischen Basketball. In der Bundesliga-Finalserie der ABL haben die Oberwart Gunners und der BC Vienna den Strauss um den Meisteritel noch immer nicht ausgefochten. Am Mittwoch (19.30 Uhr, live auf Sky Sport Austria) geht die Serie im fünften Spiel sicherlich zu Ende, weil sie zu Ende gehen muss. Oberwart könnte das beschwerliche Kunststück zusammenbringen und einen 0:2-Rückstand in einer Best-of-5-Serie in das Ultimative verwandeln. Wenn die Sonne schon nicht auf das ballesterische Mattersburg herunter lacht, dann vielleicht zumindest weiter südlich auf die pannonischen Tiefebene. Es ist die zumindest die Überzeugung Oberwarts, dass die psychologische Wende gelungen ist.

Einfach war es freilich auch für den BC Vienna nicht, das letzte Spiel noch zu verlieren. 37 Minuten spielten man den Gegner in Spiel 4 an die Wand um im Schlussspurt eine 14-Punkteführung zu verjuxen. Die Wiener könnten innerlich gebrochen sein, dazu kommt noch der finale Heimvorteil, der keiner ist. 

Hickhack ohne Ende

Weil in der Stadthalle B diese Woche die EM der Rhythmischen Sportgymnastik über die Bühne geht, müssen die Basketballer ins Multiversum nach Schwechat ausweichen. Den BC Vienna könnte in der Flughafen-Peripherie ein Auswärtsmatch erwarten, Oberwart reist mit neun Fanbussen und ungefähr 500 schreigewaltigen Fans an, eine Mobilisierung der Zuschauer wie es sie im heimischen Basketball noch nicht gegeben hat. Dabei wäre doch alles so einfach. Vom Vogelweidplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus sind es nur 18 Kilometer bis nach Schwechat, von Oberwart ist es schon ein Eckhaus weiter (137 Km).

Mitleid hat in der Liga kaum jemand mit dem BC Vienna, ganz im Gegenteil: Den Hauptstädtern bläst sogar noch ordentlich Gegenwind aus der Provinz entgegen. Oberwarts Manager Andreas Leitner bezeichnete die Wiener Organisation der Finalspiele in der Stadthalle als "Farce" weil die Zeit nicht exakt gestoppt und das digitale Display der Wurf-Uhr mangelhaft montiert worden sein soll. Der Österreichische Basketballverband (ÖBV) hat dem BC Vienna derweil eine Pönale aufgebrummt, weil dieser seine bereits ausgegliederten Nachwuchsverpflichtungen nicht erfüllt. Da bleibt mehr Geld über, dass sich in die Herrenmannschaft stecken ließe. Auch ein Sekretariat hat Vienna nicht, was auch eine Voraussetzung für eine Liga-Lizenz ist. Für Viennas Manager Petar Stazic-Strbac wird "beinhartes Lobbying gegen Basketball in Wien betrieben", der Erfolg soll viele Neider haben.

Der Feind in den eigenen Reihen

Am Parkett ist und bleibt die Crux für den BC Vienna mit einem Namen verbunden: Stjepan Stazic. Kann der Kapitän in entscheidenden Spiel sein Ego kontrollieren oder dreht er bereits seinen eigenen Hollywood-Film im Kopf? Die wilden Würfe des 1,96-Meter großen Flügelspielers kosteten seine Mannschaft in der Schlussphase das letzte Spiel. Erschwerend kommt für die Wiener hinzu, dass kein Teamkollege sich traut, ihn zu kritisieren. Stazic und sein Bruder sitzen an den großen Schalthebeln des Vereins und ja, es gibt wohl angenehmere Aufgaben als die Kritik am Firmenchef. Der Gegner darf sich in einem solchen Finish entspannt zurücklehnen.

"Möge der Bessere gewinnen", sagt Stjepan Stazic und sieht der Entscheidung sportlich fair entgegen. Obwohl am Samstag die Chance vergeben wurde, den Sack zuzumachen, freue es ihn, "dass wir eine sehr gute Finalserie erleben". "Mein Team ist mental im Vorteil", sagt Oberwarts Coach Tom Johnson. "Die Regenerationsphase bis Mittwoch hilft uns auch." (Florian Vetter, derStandard.at, 28.5.2013)

  • Richard Chaney (r.) und seine Oberwarter haben Oberwasser, der BC Vienna die Pflicht.
    foto: redwell gunners/steflitsch

    Richard Chaney (r.) und seine Oberwarter haben Oberwasser, der BC Vienna die Pflicht.

Share if you care.