Acht Jahre RB Salzburg: Eine durchwachsene Bilanz

Analyse28. Mai 2013, 16:16
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Datenanalyse: Transferbilanz, Österreicheranteil, Punkte, Zuschauer, Erfolge - ein Vergleich unter den Liga-Dauerbrennern

Seit der Saison 2005/06 ist Red Bull in Österreich im Fußball aktiv, damals übernahm der Salzburger Getränkehersteller die Lizenz der maroden Salzburger Austria und stellte den Verein auf komplett neue Beine. In diesen acht Jahren gab es mit der Austria, Rapid, Sturm, Ried und Mattersburg fünf weitere Fußballvereine, die stets in der obersten Spielklasse vertreten waren. Ein Vergleich in Zahlen.

Entwicklung:

Die Transferbilanz der Bundesligavereine zeigt die Ausnahmestellung von Red Bull Salzburg unmissverständlich auf. Während eine positive Bilanz bei den restlichen heimischen Vereinen Teil des Geschäftsmodells ist, steht Red Bull Salzburg bei einem Minus von rund 49 Millionen Euro. Sturm, Ried und Mattersburg setzen komplett auf ablösefreie Spieler, und selbst die Ausgaben von Rapid Wien belaufen sich lediglich auf ein Zehntel derer Salzburgs. Die Einnahmen sind in Favoriten und Hütteldorf wiederum höher.

Ausblick:

Auch in Zukunft wird eine ausgeglichene Bilanz bei Red Bull Salzburg kein Kriterium darstellen. Unter der Führung von Ralf Rangnick wird jedoch vermehrt auf junge Spieler wie Kevin Kampl, Sadio Mane oder Valon Berisha gesetzt. Für diese Spieler soll Salzburg ein Sprungbrett für größere Aufgaben darstellen, sie sollten ihren Marktwert in Österreich erhöhen können und der Transferbilanz gut tun.

 

Entwicklung:

Der Österreicher-Anteil der in Salzburg eingesetzten Spieler ist nach dem Einstieg von Red Bull ins Bodenlose gesunken. Seither ist ein stetiger Aufschwung bemerkbar, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Bullen durften noch nie am mit insgesamt fünf Millionen Euro gefüllten Österreicher-Topf partizipieren. Auf diese Einnahmen ist man in Salzburg aber auch nicht angewiesen.

Ausblick:

Auch wenn der Trend in Salzburg nach oben zeigt, unter Ralf Rangnick spielt die Nationalität der Spieler keine Rolle. Für den Sportdirektor ist einzig die Qualität der Spieler ausschlaggebend. Das Reifen und der Export österreichischer Spieler im Sinne des ÖFB-Teams wird wie bisher vor allem bei den anderen Vereinen stattfinden.

 

Entwicklung:

Es fing sehr gut an. In der Saison 2006/07 wies Red Bull Salzburg den höchsten Schnitt aller Bundesligaklubs auf, über 15.000 Zuschauer kamen zu den Spielen in der Bullen-Arena. Seither geht es stetig bergab, in der aktuellen Saison sahen den Salzburgern nur noch etwas mehr als 8.000 Zuseher zu - trotz ansehnlichen Spielstils. Damit ist man auf Rang vier abgestürzt.

Ausblick:

Die Erwartungshaltung im Salzburger Publikum war von Anfang an hoch. Man hat sich die Champions League versprochen, aber sie kam nicht. Trotz perfekter Infrastruktur, ausgezeichnetem Catering und einem Stadion auf internationalem Niveau blieben Fanmassen in Folge aus. Ein Aufschwung kann nur über internationale Erfolge und eine kontinuierliche Kaderplanung (Identifikation!) erfolgen.

 

Entwicklung:

Düdelingen war keine schöne Geschichte. Darüber hinaus sollte man aber nicht vergessen, dass Red Bull Salzburg in den Saisonen 2009/10 und 2011/2012 zwei herausragende internationale Auftritte absolviert hat, mit Siegen gegen Lazio Rom, Villarreal und Paris St. Germain. Die Rechnung ist einfach: ohne Red Bull Salzburg gäbe es nicht zwei Champions-League-Qualifikations-Plätze für die heimische Bundesliga.

Ausblick:

Red Bull geht als Vizemeister nicht über den Champions- sondern über den Platzierungsweg-Weg in die Qualifikation zur Champions League. Als ungesetzter Verein drohen dort vor der Gruppenphase Kaliber wie Arsenal London, AC Milan oder Schalke 04. Ein schneller Wechsel in die Europa League ist also nicht unwahrscheinlich. Mit den zuletzt gezeigten Leistungen sollten dort einige Punkte möglich sein.

 

Entwicklung:

In acht Jahren hat Red Bull Salzburg vier Mal die Meisterschaft gewonnen. Zwei Titel gingen an die Austria, je einer an Sturm und Rapid. Angesichts der budgetären Rahmenbedingungen ist diese Statistik ausbaufähig. Zumal in dieser Zeit nur ein einziger Cup-Titel gewonnen wurde. Gewinnt die Austria das Cup-Finale gegen Pasching hat sie gar mehr nationale Pokale gesammelt als der Konkurrent aus Salzburg.

Ausblick:

Salzburg geht auch kommende Saison als Favorit in die Meisterschaft. Der Austria wird eine Wiederholung ihrer Traumsaison schwer fallen, zumal die internationale Belastung sich bei einem relativ schmalen Kader wohl bemerkbar machen wird. Dass man den Cup nicht im Vorbeigehen gewinnen kann (B-Mannschaft!), sollte man in Salzburg nach acht Jahren bemerkt haben.

 

Entwicklung:

In Summe machen sich die Rahmenbedingungen national bemerkbar. Im Schnitt holt Red Bull Salzburg in einer Saison um sieben Punkte mehr als die Austria und um neun Punkte mehr als Rapid Wien. Sturm Graz fällt gar um 17 Punkte ab. In der aktuellen Saison hat Salzburg mit 77 Punkten einen neuen Klubrekord erzielt.

Ausblick:

Das Kräfteverhältnis wird sich langfristig betrachtet nicht verändern.

 

Entwicklung:

Am Anfang stand Kurt Jara. Der einzige österreichische Trainer von Red Bull Salzburg blieb titellos. Sein Punkteschnitt von 1,75 sollte nicht mehr unterboten werden. Die am Punkteschnitt gemessen erfolgreichsten Trainer waren bisher Co Adriaanse (2,05) und Roger Schmidt (2,13).

Ausblick:

Roger Schmidt wird als Coach in die kommende Saison gehen, ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt wäre unsinnig. Die junge Mannschaft hat sich unter seiner Führung im Frühjahr stabilisiert und verbessert. Eine Handschrift ist deutlich erkennbar. Wird seine Spielphilosophie weiter verfolgt, kann in Kombination mit der unter Rangnick geführten Einkaufspolitik vielleicht jenes "Große" enstehen, von dem seit acht Jahren vor allem gesprochen wird. (Philip Bauer, derStandard.at, 28.5.2013)

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