Auf den Hund gekommen

Blog29. Mai 2013, 17:06
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Fische spielen beim Laufen keine große Rolle, Hunde dagegen schon - im Guten wie im Schlechten

Ein kleiner Nachtrag zur Vorwoche: Der Fisch war nicht wichtig - sondern eigentlich ein Fehler. Schließlich ist es eine Binse, dass Bild und Text zusammenpassen sollten. Nur: Was hat ein ebenso großer wie toter Karpfen neben einem städtischen Mistkübel in einem Laufblog zu suchen? Genau: nix. Der Fisch lag halt einfach da. Am Weg. Bei der Alten Donau. An dem Tag, als der Track für den Blog aufgezeichnet wurde. Und so landete das Bild im Blog. Obwohl Fische beim Laufen keine große Rolle spielen.

Andere Tiere sind laufrelevanter. Hunde etwa. Obwohl ihre Beliebtheit bei Läufern nicht einhellig ist: Freilaufende fremde Hunde gelten als Gottseibeiuns. Andere (eigene) sind der beste Laufbuddy der Welt. Der größte Motivator. Sie lehren uns, dass es wirklich kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Ausrüstung gibt. Außerdem sind sie eine hervorragende Ausrede für Pausen: Nicht ich hatte einen Leistungseinbruch - der Kelef traf einen Artgenossen. Beschnupperte einen Baum. Verbellte ein Eichhörnchen. Was auch immer ...

Ich selbst vertrete beide Meinungen: Ich liebe es, mit Hunden zu rennen. Aber ich verstehe jeden Läufer (eigentlich jeden Menschen), der Hundebesitzer, die ihrer munter auf Jogger, Kinder oder wen auch immer losgaloppierenden Töle ein fröhliches "Der tut nix, der will nur spielen" nachrufen, am liebsten auf den Mond schießen möchte. Im besten Fall. Ich würde manche Hundehalter da oft gern teeren und federn.

Für jeden anderen gilt "fremd" auch für meinen Köter

Denn: Mein Hund würde keiner Menschenseele etwas zuleide tun. Das sieht man ihm auf 1.000 Meter an. Ich. Meinem. Nur: Davon, dass der fremde Hund, der da auf mich (oder, Gott behüte, irgendein kleines Kind) zudüst, auch so harmlos ist, kann ich halt nicht ausgehen. Und für jeden anderen gilt "fremd" auch für meinen Köter. Außerdem: Dass meiner vor lauter Will-nur-spielen-Gehopse samt fröhlichem Gekläffe einen Wildfremden so erschreckt, dass der hinfällt oder wegen des für ihn ganz eindeutig bösartigen Angriffsgebells vor Angst in die Hose macht, kann ich halt auch nie ausschließen.

Darum: Das Tier läuft am Strick. Und aus. (Außer ich bin zu 170 Prozent sicher, dass wir wirklich nichts und niemandem unerwartet in die Quere geraten können. Und auch dann muss ich sicher sein, ihn jederzeit zurückpfeifen oder zum Stehen bringen zu können. Und jederzeit heißt jederzeit. Also sofort. Auf Pfiff, Ruf oder Geste. "Hierher." "Steh." "Platz." Hunde können das lernen. Das Problem sind Menschen, die es ihnen nicht richtig beibringen.)

Ganz abgesehen von der Sicherheit: An der Leine hält der Wuff länger durch. Weil er dann nicht auf meinen ersten fünf Kilometern 15 rennt - und dann müde und unwillig (und nur noch mit Leckerlis motivierbar) gnadenhalber und schleppend weiterläuft. Oder selbsternannte Tierschutzexperten auf den Plan ruft.

"Tierquälerei"

Unvergessen wird mir jener Augenblick bleiben, als die Töle einmal brav Fuß lief - und an einer Stelle, an der sie immer bockt, stehen blieb. Mit netten Worte geht da gar nix - also fluchte ich. Ein Ritual. Hund und Herrl kennen es. Aber die beiden Dame am Weg eben nicht. "Hören Sie auf das Tier zu beschimpfen", war die Eröffnung. "Noch ein Fluch und wir zeigen Sie an." Ich staunte. "Das ist Tierquälerei. Der Hund kann nicht mehr. Das sieht ein Blinder." Ich widersprach. "Dieser Hund ist ganz offensichtlich sehr alt. Er hat das Recht, seine letzten Monate in Ruhe zu leben. Wir rufen jetzt die Polizei!" (Das Tier war damals keine zwei Jahre alt. Wir waren 30 Minuten unterwegs - und fünf Minuten vor seiner Lieblingslacke im Wald: Dass er sich das Recht, da reinzuhüpfen ertrotzen müsse, bekam ich lange nicht mehr aus ihm raus, seit ich einmal versehentlich an dem kleinen Teich vorbeigelaufen war ...)

Neben selbst ernannten Experten gibt es auch solche, die tatsächlich Ahnung haben. Sabine Grabner etwa. Die Wienerin hat eine mehrjährige Ausbildung an der Vet Med absolviert und schult nicht bloß Hunde und ihre Halter im artgerechten Umgang miteinander (artgerecht.co.at) - sondern ist auch anerkannte Aus- und Weiterbildnerin von und für andere Hundetrainer (event4dogs.at). Dass ich mit meinem Hund hin und wieder Halbmarathondistanzen absolviere, findet sie "nicht so toll" - obwohl sie meinen Hund kennt, seit er ein Welpe war. Denn, betont Grabner, auch für trainierte Hunde gelte die Faustregel, das Laufpensum bei normalem Tempo nur in Ausnahmefällen auf mehr als eine Stunde auszudehnen.

Abgesehen von diesem Rüffel hat Grabner noch eine Menge zum Thema "Laufen mit dem Hund" zu sagen. Die Essenz davon kann, soll und darf sie daher hier ungekürzt und unkommentiert verkünden. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 29.5.2013)

Tipps zum Laufen mit Hund von Sabine Grabner

Check 1: Ist die Hunderasse überhaupt fürs Joggen geeignet? Hunderassen mit kurzen Schnauzen wie Mops, Pekinesen usw. bekommen generell weniger Luft und sollten daher für lange Strecken nicht mitgenommen werden. Genauso alte Hunde. Hunde ab 10 Jahren können große Distanzen nicht mehr so leicht überwinden. Das gilt auch für Welpen bis zu einem Jahr: Ihre Gelenke sind noch nicht so belastbar. Daher gilt: Beim Tierarzt generell einen Gesundheitscheck machen lassen um zu überprüfen ob auch kein Herzfehler oder ähnliches vorliegt. 80% aller Hunde sind aber fit und gerne bei solchen Sportaktivitäten dabei!

Check 2: Ausrüstung! Freilauf neben den Menschen wäre ideal ist aber meist von der Gesetzeslage nicht durchführbar. Daher am besten einen Bauchgurt für den Menschen besorgen. So hat der Sportler auch die Hände frei. Der Hund hat am besten ein Brustgeschirr um und an diesem eine zwei Meter lange Leine, die am Ende zum Geschirr aber auch zum Bauchgurt eine Art Stoßdämpfer im Form eines Gummibandes hat.

Let's go!

Ideal ist es wenn beide Mensch und Hund gemeinsam zu Joggen beginnen und so das gleiche Niveau haben. Wenn der Sportler selbst schon lange läuft und große Distanzen, bzw. schnelle Geschwindigkeiten kennt, ist das für den Hund eindeutig zu viel. Er muss ja seine Kondition erst aufbauen - auch wenn oft fälschlich angenommen wird, dass der Hund von Haus aus viel sportlicher ist, kennt er trotzdem diese gleichförmige Art der Bewegung so nicht.

Weiche Laufuntergründe wie Wald- und Wiesenwege sind vorteilhafter als der Asphaltboden. Im Allgemeinen kann das Einreiben der Pfoten mit Hirschtalg oder Vaseline die empfindlichen Pfoten vor allem im Winter schützen. Im Sommer sollten Asphaltstrecken komplett gemieden werden. Der Asphalt heizt sich stark auf, der Hund muss so quasi auf Herdplatten laufen.

Hunde – vor allem große Rassen – sollten niemals mit vollem Bauch laufen! Andernfalls droht eine riskante Magendrehung und somit Lebensgefahr für den Vierbeiner!

Das Laufpensum darf nur langsam gesteigert werden.

Wichtig! Hunde überhitzen sehr schnell, da sie nicht schwitzen wie Menschen, sondern die Körpertemperatur über die Zunge regulieren. Auf langen Laufstrecken muss daher Wasser mitgeführt werden oder aber die Laufstrecke so gewählt werden, dass Bäche und Pfützen auf dem Weg liegen.

Wie erkenne ich, dass mein Hund nicht mehr kann? Wenn der Hund extrem hechelt, zunehmend mehr als normal, die Schleimhäute (Zahnfleisch, Lefzen) sich weiß färben und auch durch Berührung nicht gut durchblutet werden, dann droht ein Kollaps. Machen Sie oft Pausen und gewöhnen Sie Ihren Hund langsam ans Training. Steigern sie von Woche zu Woche.

Risiken!

Mit Hunden zu laufen hat aber nicht nur Vorteile, sondern fordert von den Läufern auch Rücksichtnahme. Hinzu kommen potentiell gefährliche Situationen während des Laufs, wie zum Beispiel die Begegnung mit unverträglichen Artgenossen, selbst wenn der eigene Hund gut sozialisiert und erzogen ist. Oft ist es da ratsam, einfach stehen zu bleiben und nach der Begegnung weiter zu laufen.

Hunde haben einen Spieltrieb, dem auch der Läufer Rechnung  tragen muss. Wer seinem Hund daher außerhalb des Laufens nicht genügend Raum für das Herumtollen mit Artgenossen und auch geistige Beschäftigung lässt, muss in Kauf nehmen, dass das Tier sich während des Laufens den nötigen Freiraum sucht.

Problematisch beim Laufen mit Hunden ist auch der Jagdtrieb mancher Rassen. Wer Waldläufe absolviert, wird es bei einigen Rassen schwer haben, seinen Hund von der Jagd nach einem Kaninchen abzuhalten.

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