Neun von zehn Lungenkrebs-Todesfällen durch Rauchen

28. Mai 2013, 10:44
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In Österreich starben im Jahr 2010 mehr als 3.600 Personen an Lungenkrebs

Das Lungenkarzinom ist von allen Krebsarten die tödlichste. Europaweit sterben jedes Jahr mehr Menschen daran als an Darm-, Brust- und Prostatakrebs zusammen.

In Österreich verstarben im Jahr 2010 laut Statistik Austria 3.607 Personen - 2.386 Männer und 1.221 Frauen - an Lungenkrebs. 90 Prozent der Lungenkrebs-Todesfälle werden durch Rauchen verursacht. In der Statistik nicht berücksichtigt sind Todesfälle durch Passivrauchen.

Früherkennung

Weltweit arbeiten Pneumologen und Röntgenologen an der Einwicklung einer gezielten Früherkennung, die die Diagnose von Lungenkrebs bereits in einem so frühen Stadium ermöglicht, dass die Erkrankung noch heilbar ist.

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken und daran zu sterben, mit dem Rauchen zusammenhängt. Neun von zehn Lungenkrebstoten werden durch Tabakrauchen verursacht", sagte Georg Christian Funk, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), anlässlich des Weltnichtrauchertages der WHO am Freitag. "Rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko um das 10- bis 30-Fache. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten", so Funk.

Passivrauchen: Jährlich 1.000 Tote in Österreich

Dass auch Passivrauchen die Entstehung von Lungekrebs erhöht, wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen. Das Erkrankungsrisiko steht dabei in Relation zur Anzahl der Zigaretten sowie der Expositionsdauer. Experten schätzen, dass in Österreich jährlich 1.000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens sterben.

"Lungenkrebs entwickelt sich meist sehr langsam und ohne merkbare Symptome, so dass er oft jahrelang unentdeckt bleibt", begründet Funk den von der ÖGP mit der Österreichischen Radiologischen Gesellschaft (ÖRG) erarbeiteten Konsensusbericht über Lungenkrebs-Screenig, der am 15. Mai online in der "Wiener Klinischen Wochenschrift" veröffentlicht wurde.

"Die Diagnose der Erkrankung erfolgt häufig erst in einem Stadium, in dem sie nicht mehr heilbar ist. Daher setzen wir große Hoffnung in eine gezielte Früherkennungsmethode, die das rechtzeitige Auffinden von Lungenkrebs in einem früheren, noch gut behandelbaren Stadium ermöglicht", so Funk. Das Ziel ist die Verringerung der Lungenkrebs-Mortalität.

Erstmals Nachweis für Senkung der Mortalität

Die 2010 veröffentlichten Ergebnisse des National Lung Screening Trial (NLST) - eine vom National Cancer Institute mit 75.136 Niedrigdosis-CTs durchgeführte prospektiven klinische Langzeitstudie an 33 Studienzentren der USA - zeigte erstmals auf, dass durch ein Screening mit einer Niedrigdosis-CT die Mortalität des Lungenkarzinoms gesenkt werden kann.

"Diese CT-Technik weist mit rund 1,5 mSv Effektivdosis nur rund 25 Prozent der Strahlendosis einer Standard-Lungen-CT auf", erläutert Helmut Prosch, Facharzt für Radiologie an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik am Wiener AKH.

Hochrisikogruppe: Starke Raucher zwischen 55 und 74 Jahren

Die in die randomisierte klinische NLST-Studie einbezogenen Probanden kamen aus der Hochrisikogruppe. Prosch: "55 bis 74 Jahre alt, aktuelle oder frühere starke Raucher mit einem Tabakrauchkonsum von täglich zumindest einer Zigarettenpackung über 30 Jahre hindurch oder täglich zwei Zigarettenpackungen während 15 Jahren."

In der Probandengruppe, die mit Niedrigdosis-CT untersucht wurde, lag die Lungenkrebs-Sterblichkeit um 20 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe mit konventionellem Lungenröntgen. "Damit wurde erstmals in einer Langzeitstudie die Bedeutung der Früherkennung bei Lungenkrebs für die Sterblichkeit klar nachgewiesen", so Prosch.

Trotz der viel versprechenden Daten der NLST-Studie weisen Österreichs Pneumologen und Radiologen in dem gemeinsamen Konsensusbericht darauf hin, "dass vor der Umsetzung in den klinischen Alltag noch eine Reihe wichtiger Fragen zu klären sind". (red, derStandard.at, 28.5.2013)

Empfehlungen für Österreich

Ein Lungenkarzinom-Screening mit Niedrigdosis-CT sollte, resümieren ÖGP und ÖRG, nur gemäß ihren Empfehlungen durchgeführt werde:

  • Es sollen nur Personen mit einem deutlich erhöhten Lungenkarzinomrisiko untersucht werden (aktuelle oder frühere starke Raucher mit einem Tabakrauchkonsum von täglich zumindest einer Zigarettenpackung über 30 Jahre hindurch oder täglich 2 Zigarettenpackungen während 15 Jahre, die älter als 55 Jahre sind)
  • Die zu screenenden Personen sollten von einem klinisch tätigen Arzt betreut und beraten werden, der über ausreichende Erfahrung in der Abklärung von pulmonalen Rundherden verfügt.
  • Die zu screenenden Personen müssen über die hohe Wahrscheinlichkeit von falsch-positiven Screening-Ergebnissen und die zur weiteren Abklärung notwendigen Folgeuntersuchungen und möglichen invasiven Eingriffe informiert werden.
  •  Die Patienten müssen darüber informiert werden, dass ein Niedrigdosis-CT Screening sie nicht sicher vor dem Auftreten eines inoperablen Lungenkarzinoms schützt.
  •  Die CT-Untersuchungen sollen über mindestens drei Jahre in jährlichen Intervallen durchgeführt werden.
  • Die CT-Untersuchungen sollen als Low-Dose-CT durchgeführt werden
  • Die CT-Einheit, die die Screening-Niedrigdosis-CT-Untersuchungen durchführt, verfügt über die Möglichkeit der automatischen Vermessung des Volumens der gefundenen Rundherde. Dazu kommen noch detailliert Angaben zur CT-Technik.

Literatur:

Helmut Prosch, Michael Studnicka et al: Lungenkarzinom Screening mit Niedrigdosis-CT: Stellungnahme der Österreichischen Röntgengesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, WkW online 15.5.2013

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    foto: epa/ers/handout
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