Vorarlberg: Alleinerziehend und alt als größtes Risiko

28. Mai 2013, 10:15
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Von Armut sind im Ländle vor allem Frauen betroffen, sagt der erste regionale Armutsbericht - Grüne sehen tradierte Rollenbilder am Werk

Lange hat die Opposition ihn gefordert, nun ist er endlich da: der erste vorarlbergspezifische Armutsbericht wurde am Montag in Bregenz von der zuständigen Landesrätin Greti Schmid präsentiert. Laut dem Bericht ist die Armutsgefährdung in Vorarlberg nicht größer ist als in anderen Bundesländern. Er zeigt allerdings auch, dass Frauen ab 65 und Alleinerzieherinnen besonders oft von Armut betroffen sind.

Alleinerzieherinnen am öftesten von Armut betroffen

Die Gefahr in Vorarlberg unter die Armutsgrenze zu fallen, liegt bei 9,5 bis 14,7 Prozent, in Österreich sind es im gleichen Zeitraum zwischen 11,8 und 14,4 Prozent. Gleich wie im Rest Österreichs besteht im Ländle für Arbeitslose, AlleinerzieherInnen, allein lebende Frauen, Familien mit mindestens drei Kindern sowie Frauen ab 65 Jahren eine deutlich erhöhte Armutsgefährdung. Mit 63 Prozent sind Alleinerzieherinnen in Vorarlberg am häufigsten armutsgefährdet. Allein lebende Pensionistinnen haben in Vorarlberg mit 36 Prozent ein höheres Armutsrisiko als in Österreich (24 Prozent). Für MigrantInnen sieht die Sache anders aus. Sie haben laut dem Bericht mit 18 Prozent ein geringeres Armutsrisiko als in Gesamt-Österreich (33 Prozent). Überdurchschnittlich hoch sind in Vorarlberg die Zahl an Haushalten mit Kreditschulden sowie die Mieten.

Maßnahmen gegen Armut

Landeshauptmann Markus Wallner von der ÖVP will nun vor allem in die Bildung investieren, denn eine gute Ausbildung schütze besonders gut vor dem Abrutschen in die Armut. Für ältere Frauen wäre es ein wichtiger Schritt, die Kindererziehungszeiten bei den Pensionen besser anzurechnen. Derzeit können sich nur Frauen nach dem Geburtsjahr 1955 Kinderbetreuung für die Pension anrechnen lassen. Als wichtig erachtet die Landesregierung auch den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen.

"Armut in Vorarlberg ist weiblich", erklärte AK-Vizepräsidentin Manuela Auer. Gründe dafür seien unter anderem die tradierten Rollenbilder und die noch immer unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es gelte, rasch Maßnahmen zu ergreifen. Von einem "erschreckenden Zustandsbericht" sprach Grünen-Sozialsprecherin Katharina Wiesflecker. In absoluten Zahlen seien 57.000 Personen im Ländle armutsgefährdet, knapp 10.000 Alleinerzieherinnen-Familien seien betroffen. Sie erwarte ein umfassendes Maßnahmenbündel von der Landesregierung.

SPÖ und Grüne hatten jahrelang eine vorarlbergspezifische Armutserhebung gefordert. Am Montag wurde den Klubobleuten und SozialsprecherInnen der Landtagsparteien nun erste Ergebnisse aus dem Bericht vorgestellt. Für den Regionalreport wurden von der Statistik Austria erhobene Daten ausgewertet und durch eine Studien der FH Vorarlberg mit Interviews mit Menschen in prekären Lebenslagen sowie eine Fachleutebefragung ergänzt. (APA/red, dieStandard.at, 28.5.2013)

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