Wiesenbier: Bayern verklagt Wirt in Österreich

28. Mai 2013, 06:24
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Für den Ausschank von 500 Liter seines eigengebrauten Biers muss der Gastronom nun rund 2.500 Euro zahlen

Wien - Ein Wirt aus Niederösterreich darf künftig in seinem Gasthaus samt eigener Brauerei sein "Wiesenbier" nicht mehr ausschenken. Noch dazu muss er 2.440,69 Euro nach Bayern überweisen. Die Rechtsanwälte des Vereins Münchner Brauereien, der weiß-blaue Großbrauereien wie Löwenbräu vertritt, waren aktiv geworden, weil sie das österreichische "Wiesenbier" auf der Homepage des Gasthauses aufgespürt hatten.

"Ursprünglich sollten wir 10.000 Euro zahlen und das Bier nicht mehr anbieten", ärgert sich der "Fiakerwirt" aus Langenlois. De jure handelt es sich um ein außergerichtliches Abmahnverfahren, im Zuge dessen nun die knapp 2.500 Euro zu zahlen sind. Dabei wurden insgesamt über Jahre nur rund 500 Liter des österreichischen "Wiesenbiers" gebraut. "Das Bier gibt es heuer im Herbst unter einem neuen Namen, den wir uns noch einfallen lassen; die Summe müssen wir zahlen", so der Wirt.

Markenrechtlich geschützt

2008 habe man das niederösterreichische "Wiesenbier", Namensvetter des seit 2009/2010 zweifach markenrechtlich geschützen "Wiesnbieres" am Oktoberfest in München, erstmals gebraut. "Wir haben extra recherchiert, den Namen gab es damals noch nicht", so der Wirt. "2009/2010 patentierten die Bayern aber, und heuer im Frühjahr wurden wir kontaktiert."

Am 15. Juli 2009 wurde die Marke eingetragen und am 19. Jänner 2010 noch extra eine Gemeinschaftsmarke "Wiesnbier". Der Niederösterreicher beging laut den deutschen Advokaten "eine eindeutige Kennzeichenverletzung der Marke unseres Mandaten", wie es in einem Schreiben, das der APA vorliegt, heißt. "Die Bezeichnung 'Wiesenbier' ist identisch mit der Marke 'Wiesnbier'", stellen sie fest.

1.000 Krügerl Gerstensaft

Der Wirt hatte von 2008 bis zum Herbst des Vorjahres jeweils rund 100 Liter Wiesenbier in einer Oktober-Woche ausgeschenkt, um zugegebenermaßen in Anlehnung an das Oktoberfest zu feiern. Insgesamt schenkte er folglich rund 500 Liter oder knapp 1.000 Krügerl Gerstensaft, um die sich der kuriose Rechtsstreit dreht, aus.

Der niederösterreichische Gastronom erklärt, er hätte es in Ordnung gefunden, wenn man nun das Bier ohne Strafzahlung nicht mehr brauen dürfe. "Aber dieses Vorgehen, das kann ich wirklich nicht verstehen", kritisiert er.

Der Anwalt des Wirtes mutmaßt übrigens, dass die gegnerischen Rechtsanwälte wohl ohne fundierte Rücksprache mit dem Verein gehandelt hätten, "sondern der wesentliche Impetus für die Einleitung des außergerichtlichen Abmahnverfahrens wohl die damit verbundenen Spesen (Honorar) der Anwälte gewesen sein mag".

Zum Verein Münchner Brauereien e.V. gehören weiters Kaliber wie Augustiner-Bräu, Paulaner, Spaten-Franziskaner-Bräu und nicht zuletzt das Staatliche Hofbräuhaus in München. (APA/red, derStandard.at, 28.5.2013)

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