Aufbegehren gegen die "Bundesklimakammer"

27. Mai 2013, 19:42
386 Postings

Deutschland: Namensnennungen von Klimaskeptikern in amtlicher Broschüre zeugen von Radikalisierung der Debatte

Berlin/Wien - Die Niederschläge in Spanien und Italien könnten in den nächsten Jahrzehnten stark zurückgehen. Die Trockenheit könnte zu Einbußen in der Landwirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit und sozialen Ungleichheiten führen. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam- Instituts für Klimafolgenforschung, warnt aktuell vor einer "Spaltung Europas", die ein Problem für die EU werden könne. Es gebe für ihn keinen Anlass, am Klimawandel zu zweifeln: "Die Wissenschaft ist sich längst einig. Wenn wir weiter abwarten, ist es zu spät."

Andere sehen aber offenbar einigen Grund zum Zweifel: Die Einhelligkeit der Forscher, von der Schellnhuber spricht, wird von der öffentlichen Debatte nicht gespiegelt. Die Schlucht, die sich zwischen Klimatologie und subjektivem Erleben, institutioneller Lehre und dem Gefühl der Bevormundung, zwischen breit vertretener Forschermeinung und medialem Aufbegehren auftut, klafft weit auseinander. Wirtschaftliche Interessen unterstellen sich die Fraktionen hingegen gegenseitig. In Deutschland hat die Debatte nun zu besonderen Blüten geführt, Nazi-Vergleiche inklusive.

Anlass ist eine Broschüre des deutschen Umweltbundesamts, getitelt "Und sie erwärmt sich doch", in der mit drastischen Mitteln gegen Skeptiker vorgegangen wird, die den Menschen als Ursache der Klimaerwärmung negieren. Darin gibt es nicht nur Kapitelüberschriften wie "ExxonMobil finanziert Institutionen für die Verbreitung von Falschinformationen", in der Publikation der Bundesbehörde werden auch dezidiert Namen von Personen und Vereinen genannt, die Behauptungen verbreiten, die "nicht mit dem Kenntnisstand der Wissenschaft übereinstimmen".

Die Buchautoren Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning stellen in Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet laut der Broschüre "grundlegende Erkenntnisse der Klimaforschung infrage". "Bekannt" für klimaskeptische Beiträge seien demnach auch die " Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch" und der Filmemacher Günter Ederer.

"Obrigkeitsstaat"

"Schwarze Liste", "Brandmarkung", "Pranger" - das sind die Assoziationen deutscher Medien, die in unterschiedlicher Intensität auf die Namensnennungen reagierten. Henryk M. Broder fühlt sich in der Welt, in der Broschüre mehrmals als Heimat klimaskeptischer Meinungen genannt, an die Reichskulturkammer des Nazi-Regimes erinnert. Das Agieren der "Bundesklimakammer" ist nach Broder ein in der "Nachkriegsgeschichte einzigartiger Fall von obrigkeitsstaatlicher Intervention in einer öffentlich geführten Diskussion". Auch in der DDR, wo "destruktive Kritik" zum Ausschluss der "negativen Elemente" aus gesellschaftlichen Organisationen führte, hätte es so etwas gegeben.

Tatsache oder offenes Feld für Meinungen? Stefan Rahmstorf, Kollege Schellnhubers am Potsdam-Institut, fiel bereits mehrmals mit einschlägiger Agitation gegen Skeptiker auf. Die Vorgangsweise des Bundesamts zeugt nicht nur von der Radikalisierung der "Klimadebatte". Sie dokumentiert auch, dass mit autoritärem Wegwischen der Zweifler der unumgänglichen Popularisierung der wissenschaftlichen Fragestellungen rund um den Klimawandel kein Dienst erwiesen ist. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 28.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Schlucht zwischen offizieller Klimawandellehre und Skeptikern wächst.

Share if you care.