Man spricht Deutsch

27. Mai 2013, 18:22
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Mikl-Leitner will mehr Integration beim Heer, obwohl es dort keine Migranten gibt

Wien - Am Wochenende verriet Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Österreich neue Details zur Wehrdienstreform: "Das Bundesheer spielte schon bisher eine wichtige Rolle bei der Integration von Migranten", stand da zu lesen und auch das Versprechen: "Diese soll ausgebaut werden."

Dieses Vorhaben klingt ambitioniert, ist jedoch gar nicht dringend nötig, denn: Ein österreichischer Pass ist alleroberste Voraussetzung für Burschen hierzulande, dass sie überhaupt für das Ableisten des sechsmonatigen Grundwehrdienstes infrage kommen.

Beim Bundesheer selbst spricht man daher allenfalls von Soldaten mit Migrationshintergrund, und der Umgang mit religiösen Minderheiten ist längst in dem Erlass mit der Aktenzahl GZ S93109/9-FGG1/2006 geregelt - und zwar derartig penibel wie wohl bei kaum einem anderen Dienstgeber im Land.

Wer sich für die Stellung etwa vom Obersten Rat der Islamischen Glaubensgemeinschaft bescheinigen lässt, dass er strenggläubiger Muslim ist, leistet seinen Präsenzdienst in der Regel in der Maria-Theresien-Kaserne in Hietzing ab. Denn dort ist für diese Rekruten seit 2004 ein eigener Raum eingerichtet und damit auch ihr täglich vorgeschriebenes fünfmaliges Gebet gewährleistet. Ebenso haben Vorgesetzte sehr gläubigen Muslimen die Teilnahme am Freitagsgebet "zu gewähren" und die Beendigung des Fastenmonats Ramadan "zu berücksichtigen". Im Gegenzug müssen diese Grundwehrdiener allerdings "vermehrt" Dienste an Sonntagen schieben.

Außerdem seit 1999 selbstverständlich: "die Verabreichung von Alternativverpflegung". Heißt: Die Truppenküchen müssen für die rund 2,7 Prozent Muslime beim Bundesheer täglich ein Menü ohne Schweinefleisch anbieten.

Analog dazu ist orthodoxen Juden "die Einnahme einer koscheren Verpflegung zu ermöglichen" - Rücksicht zu nehmen ist auch auf deren tägliche Andachtszeiten sowie die allwöchentliche Sabbatruhe.

Zudem gehen religiöse Kopfbedeckungen beim Bundesheer vor. Strenggläubige Angehörige der Sikhs etwa können ihren Turban tragen und dürfen ihr Haupthaar sowie ihren Bart "unbeschnitten" lassen, werden deswegen aber stets als Funktionssoldaten, also meist für den Innendienst, eingeteilt. Hintergrund: Für viele Ausbildungsübungen ist aus Sicherheitsgründen das Tragen eines Stahlhelms obligat. Ebenso befreit sind Sikhs mit Bart auch vom Anlegen von Schutzmasken - und die Kantinen haben täglich zu gewährleisten, dass diese religiöse Minderheit ohne Rindfleisch verköstigt wird.

Auch das Mantra von Staatssekretär Sebastian Kurz (ebenfalls ÖVP), Deutsch sei Grundvoraussetzung für das Gelingen von Integration, ist beim Bundesheer als Befehl eher fehl am Platz, denn: Die Dienstsprache ist für alle Deutsch - und für angehende Soldaten mit Migrationshintergrund werden bei Bedarf längst Förderkurse angeboten. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 28.5.2013)

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    Alle Grundwehrdiener haben die österreichische Staatsbürgerschaft, die Dienstsprache ist mehr oder weniger Hochdeutsch, und auf religiöse Minderheiten wird per Erlass Rücksicht genommen.

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