"Eigentlich singt und vibriert alles"

27. Mai 2013, 18:17
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Esoterische "Gegenwelten eines Grenzgängers": Kunst von Maler und Musiker Barabbas im Musa

Wien - Unkonventionell als Maler und ebenso kompromisslos in der Musik: Das war Claus Mayrhofer, der 1958 im Alter von 15 Jahren auf ein Enfant terrible der Wiener Kunstszene - Padhi Frieberger - traf und beschloss, Künstler zu sein und daher die Schule abgebrochen hatte. Fortan gab er sich den Namen Barabbas. Denn jene biblische Figur, die anstelle von Jesus begnadet wurde, wird manchmal auch als Rebell gegen die Römer ausgelegt. Dem eigenen Rebellentum verhalf der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende Barabbas auch mittels extravaganter Frisuren Ausdruck - wie einem damals wirklich noch als provokant geltenden Irokesen.

Das Musa widmet dem seit seinem fluchtartigen Weggang aus Wien 1986 fast vergessenen, schrägen Bohemien eine von musikalischen Konzerten begleitete Mini-Retrospektive. In den 1960er-Jahren wurde der Schöpfer von sich explosiv auf Leinwand ausbreitenden Farbwelten (von denen manche an psychedelische Plattencover erinnern) als Senkrechtstarter gehandelt. "Sind die Bilder so schlecht?", habe er deprimiert seine Frau gefragt. Dass seine Bilder Käufer fanden, schien dem Einzelgänger bereits Ausdruck des eigenen Scheiterns zu sein. Dem populären Schicksal eines "Volksschauspielers" galt es zu flüchten.

Mittelpunkt der Schau ist Big Bang, ein 50 Meter langer, nur teilweise aufgerollter Urknall von Farbe und Form von 1975. "Eigentlich singt und vibriert alles auf diese oder jene Weise, auch Menschen. Und deshalb gibt es Musik und Malerei", sagte er über seine im Vergleich zu heutigen Konzepten so außerirdisch wirkende, allzu esoterische Kunst. Irgendwann ist sie aus der Zeit gefallen; interessant erscheint sie durch sich mit Musik verbindende Aspekte. Diese erlebte er räumlich: "Als Geste, wie zum Beispiel ein Schwung, ein starker Pinselstrich."

Als Musiker wirkte Barabbas in den 1960ern in der Formation Masters of Unorthodox Jazz. Es war die Zeit, da alle harmonischen, rhythmischen und melodischen Parameter über Bord geworfen wurden; mit freejazziger Expressivität suchte man die Freiheit des Ausdrucks. Barabbas tat dies mit einem strahlenden Saxofonton, den man auf der Neupressung der LP Overground nachhören kann. Eine aufgeladene, ins Elegische abschweifende Klangwelt, an die zwei Konzerte erinnern werden: Ein Quartett um Clemens Salesny wird Dienstag (19.00) zu hören sein. Und Trompeter Franz Koglmann trifft am 5. Juni Bassist Peter Herbert. (Anne Katrin Feßler/Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 28.5.2013)

Bis 8.6.

  • Claus Mayrhofer Barabbas, Maler und Free-Jazzer: Expressiv im Umgang mit Farben ("Audubon Ubiquist", 1974) ...
    foto: musa

    Claus Mayrhofer Barabbas, Maler und Free-Jazzer: Expressiv im Umgang mit Farben ("Audubon Ubiquist", 1974) ...

  • ... wie mit Tönen (1970 mit Altsaxofon und Shenai).
    foto: rosemarie sebek

    ... wie mit Tönen (1970 mit Altsaxofon und Shenai).

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