Selbstkontrolle der Ordinationen: Ärztliche Chuzpe

Kommentar27. Mai 2013, 18:36
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Eine Standesvertretung, die sich selbst kontrolliert und die Kosten dem Steuerzahler verrechnet - das ist Chuzpe

Es ist nicht die einzige österreichische Lösung im Gesundheitssystem, aber eine der besonders absurden: Ausgerechnet eine Tochterfirma der Ärztekammer kontrolliert die Qualität der niedergelassenen Ärzte, und sie scheint es nicht besonders eilig damit zu haben, ihren Beitragszahlern auf die Finger zu klopfen. Zuerst wurde das Ansuchen der Patientenanwaltschaft, Ordinationen zu kontrollieren, praktisch wegadministriert, jetzt kommt man dem zwar nach, verlangt aber 600 Euro dafür. Noch dazu ohne rechtliche Grundlage, wie die Juristen des Gesundheitsministeriums festhalten.

Eine Standesvertretung, die sich selbst kontrolliert und die Kosten dem Steuerzahler verrechnet - das ist Chuzpe. Zur Bescheidenheit neigt die Kammer auch in anderen Zusammenhängen nicht: In ihrem Duktus ist nahezu jede Reform des Gesundheitssystems ein Anschlag auf den Ärztestand an sich; und nun kürt die Wiener Kammer sogar einen eigenen Patienten- Ombudsmann, eine Kampfansage an die lästigen Patientenanwälte.

Lange galt es gesundheitspolitisch als unmöglich, gegen die Ärztekammer zu agieren. Und so mag es auch ein politisches Zugeständnis gewesen sein, ihr die Organisation und Durchführung der Selbstkontrolle zu überlassen. Fast zehn Jahre ist das her, spätestens jetzt liegen gute Beweise dafür auf dem Tisch; dass diese Konstruktion einfach nicht funktioniert - und dringend reformiert gehört. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28.5.2013)

 

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