Sarajevo: Die Mühen der Versöhnung

28. Mai 2013, 05:47
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Zahlreiche französische Initiativen zu Gedenken an Ersten Weltkrieg in Bosnien - Präsident der Republika Srpska vermutet "antiserbischen Plan"

Sarajevo - Als die französische Delegation das erste Mal, vor etwa zwei Jahren, an den Bürgermeister von Sarajevo herantrat, um das Gedenkjahr 2014 zu besprechen, waren dessen erste Assoziation die Olympischen Winterspiele 1984, also die Erinnerung an eine sehr positive Zeit für Bosnien-Herzegowina. Doch die Franzosen interessierten sich für 1914, den Beginn des Ersten Weltkriegs.

Ursprünglich gab es ganz große Pläne für den 28. Juni 2014, den Tag, an dem der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo getötet wurde. Paris wollte sämtliche Staats- und Regierungschefs nach Sarajevo laden, und die Tour de France sollte in der bosnischen Hauptstadt starten. Mittlerweile sind die Ambitionen ein bisschen bescheidener geworden, wohl auch, weil es in Frankreich eine neue Regierung gibt. Nun soll es nur ein kleines Radrennen geben mit ehemaligen Gewinnern der Tour de France. Neben zahlreichen kulturellen Initiativen (das Sarajevo-Kriegstheater Sartr will etwa den Prozess gegen den Attentäter Gavrilo Princip dramatisieren) soll es auch zwei Historikerkonferenzen geben: Eine wurde bereits vor längerem von der Uni Regensburg mit Partnern von der Uni Sarajevo vorbereitet, doch auch Frankreich will ein Kolloquium veranstalten.

In Sarajevo selbst kümmert sich Jasmina Pasalic von der Stiftung "Sarajevo, Herz Europas" um die Koordination der Veranstaltungen. Frankreich stellte eine Million Euro für Projekte zur Verfügung. Auch von der EU finanzierte Projekte sind geplant. Österreich schickt die Wiener Philharmoniker nach Sarajevo. Der Plan, eine "Versöhnungsmesse" mit den Familien Habsburg und Princip im Stephansdom zu feiern, wurde mittlerweile verworfen. Die Familien Hohenberg und Habsburg werden aber am 28. Juni 2014 mit Kardinal Schönborn eine Messe für die Verstorbenen Franz Ferdinand und Sophie in der Basilika Maria Taferl feiern.

In Bosnien-Herzegowina ist das Gedenkjahr bereits zu einem Politikum geworden. Der Präsident des Landesteils Republika Srpska (RS), Milorad Dodik, wittert in den geplanten Veranstaltungen in Sarajevo einen "antiserbischen Plan" und den Versuch, "die Geschichte umzuschreiben" und "die Serben negativ darzustellen". Die Botschaften von Frankreich und Österreich würden die Logistik für diese "Verteufelung" zur Verfügung stellen, so Dodik. Ein Grund für seine Kritik könnte sein, dass Frankreich mit dem Wirtschaftsinstitut des bosniakischen Expolitikers Ejup Ganic zusammenarbeiten will.

Die Führung der RS will am 28. Juni nicht nach Sarajevo kommen, sondern in Visegrad Emir Kusturicas "Andricgrad" eröffnen. (awö, DER STANDARD, 28.5.2013)

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