Barlach will gegen Suhrkamp-Schutzschirm vorgehen

1. Juni 2013, 21:51
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Minderheitsgesellschafter sieht "Überschuldungsszenario rechtsmissbräuchlich konstruiert"

Berlin - Der Suhrkamp-Minderheitsgesellschafter Hans Barlach hat rechtliche Schritte gegen das Insolvenz-Schutzschirmverfahren für den Verlag angekündigt. Die Voraussetzungen dafür seien seiner Meinung nach nicht vorgelegen, sagte der Medienunternehmer dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Das Überschuldungsszenario ist rechtsmissbräuchlich konstruiert."

Das Landgerich Frankfurt hatte Ende März entschieden, dass Suhrkamp knapp 2,2 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn des Jahres 2010 an seinen Minderheitsgesellschafter Barlach zahlen muss. Mit dem Schutzschirm wird die Auszahlungspflicht zunächst ausgesetzt. Der neue Suhrkamp-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus hatte eine neue Rechtsform oder einen weiteren Gesellschafter nicht ausgeschlossen.

Prominente Autoren versicherten Suhrkamp im "Focus" ihre Treue. Peter Handke wurde mit den Worten zitiert, er vertraue der Geschäftsführung des Verlags "mehr denn je". Andreas Maier ("Das Haus") sagte, er sei nach wie vor "Suhrkamp-Fan". Albert Ostermaier ("Die Liebende") beteuerte "absolut ungebrochenes Vertrauen zur Verlagsführung".

Kein klassisches Insolvenzverfahren

Die Suhrkamp-Geschäftsführung hatte am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag nach dem "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" erfolgreich eingereicht, um zu verhindern, dass sein Gewinn an die Anteilseigner ausgeschüttet wird. Nur so sei der Bestand des Hauses zu sichern.  Der Schritt sei die Konsequenz aus dem Frankfurter Urteil, heißt es in einer Mitteilung des Verlages. Danach müssten Forderungen der Gesellschafter gegenüber dem Verlag in Höhe von rund 8,2 Mio. Euro in den Bilanzen berücksichtigt werden. Die Gesellschafter hätten sich nicht über die Ausschüttung der Gewinne einigen können.

Um den Verlag tobt seit Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen den Gesellschaftern. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz hält 61 Prozent der Anteile, der Medienunternehmer Hans Barlach den Rest.  Das Schutzschirmverfahren sei kein klassisches Insolvenzverfahren, so Suhrkamp: Der Verlag bleibe uneingeschränkt handlungs- und zahlungsfähig, Mitarbeiterverträge seien durch die Antragstellung nicht betroffen, Autorenverträge blieben bestehen. Für den Erhalt des Verlags wichtige Entscheidungen werden nun nicht mehr von den zerstrittenen Gesellschaftern getroffen, sondern von dem vom Gericht bestellten Sachwalter Rolf Rattunde von der auf Insolvenzen spezialisierten Berliner Kanzlei Leonhardt Rechtsanwälte. (APA, 1.6.2013)

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