Die Nervosität vor der Abschiedsgala

27. Mai 2013, 17:32
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Weshalb sich Österreichs Gymnastinnen in Sofia für die Wiener EM vorbereiteten, bei der Caroline Weber ihre Karriere beenden wird

Wien - Österreichs Sportlerinnen haben sich wieder einmal in Bulgarien vorbereitet. Diesmal für die Heim-EM in der Rhythmischen Gymnastik, die von Freitag bis Sonntag in der Wiener Stadthalle gegeben wird. Das liegt weniger am bulgarischen Know-how, welches Nationaltrainerin Luchia Egermann, der ehemaligen Spitzengymnastin aus Bulgarien, ohnehin mitbringt. "Das liegt an der Infrastruktur", sagt Egermann. "Wenn wir ausschließlich in Wien trainieren, dann haben wir einen Wettbewerbsnachteil."

Denn die Halle in der Westside-Soccer-Arena beim Hanappi-Stadion, in der die Gymnastinnen sehr viel üben, ist nur zehn Meter hoch. Und jene in Sofia, wo die Österreicherinnen immer wieder trainieren, zuletzt intensiv für zehn Tage, misst zwölf Meter, auf dass Ball, Keulen, Reifen oder Band hoch genug geworfen werden können, damit auch die Kampfrichter beeindruckt sind. Das Seil wird übrigens nicht mehr benützt von der Elite, es ist schlichtweg zu dünn für die Fernsehbilder.

Bei der EM sporteln 82 Elitegymnastinnen und 137 Juniorinnen aus 33 Nationen. Bei den Juniorinnen stellt Österreich eine Gruppe. In der Elite versuchen die Vorarlbergerin Caroline Weber und die 20-jährige Tirolerin Nicol Ruprecht, in der Teamwertung einen Platz in den Top 8 zu erreichen. Die Steirerin Natascha Wegscheider (20) ist Ersatz. Vor zwei Jahren in Minsk lieferten die Österreicherinnen als Sechste eine Überraschung. Für Weber, die am Freitag 27 wird, wird ihre elfte EM der letzte Auftritt einer außergewöhnlich langen Karriere.

"Ich bin gut vorbereitet, aber nervös bin ich auch", gesteht die 55-fache Staatsmeisterin und zweifache Olympiateilnehmerin aus Dornbirn, die bei ihrem letzten Weltcupbewerb Anfang Mai in Sofia Siebente im Mehrkampf und mit Ball und Keulen jeweils Fünfte wurde. Die 55 Meistertitel sind laut Österreichischem Fachverband für Turnen Weltrekord.

An der absoluten Spitze geht es um die Nachfolge von Jewgenija Kanajewa, die mit 22 Jahren als zweifache Olympiasiegerin, vielfache Welt- und Europameisterin zurückgetreten ist und Vizepräsidentin des russischen Verbandes wurde. Die Kundigen erwarten, dass Kanajewa sportlich von einer Russin beerbt wird. (bez - DER STANDARD, 28.5. 2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Vorarlbergerin Caroline Weber wärmt sich für ihren letzten internationalen Wettkampf auf.

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