Dinosauriernester könnten "Kuckuckseier" enthalten haben

29. Mai 2013, 17:43
9 Postings

These eines Paläontologen weckt Zweifel am 2008 gezeichneten Bild von brav brütenden Dino-Vätern

Missoula/Lincoln - In "Jurassic Park 2" verkündet die Paläontologin Sarah Harding (gespielt von Julianne Moore), dass sie es satt habe, anhand von Fossilienresten herumzuinterpretieren, wie sich die Dinosaurier verhalten haben könnten, und das Ganze lieber endlich direkt beobachten möchte. Verständlich, wenn man sich ansieht, über welch spärliche Fakten Wissenschafter in der realen Welt verfügen, aus denen sie dann aber das Maximum herauszuholen versuchen. Ein Beispiel ist die Frage, wer bei den Dinos das Nest gehütet hat - die Mütter oder die Väter.

Dass Dinosaurier sich überhaupt um ihren Nachwuchs gekümmert haben, weiß man erst seit Ende der 70er Jahre, als Paläontologen in Montana Überreste einer Brutkolonie von Hadrosauriern fanden. Die betreffende Spezies erhielt, vielleicht mehr klischeehaft als folgerichtig gedacht, als eine von ganz wenigen Dinosaurierarten einen Namen mit weiblicher Endung: Maiasaura.

Die neuen Dinosaurierväter

Seitdem hat sich unser Dino-Bild aber grundlegend gewandelt und wurde um Farben, Federn, eine mögliche Form von Endothermie zumindest bei manchen Dino-Gruppen sowie verschiedenste Ausprägungen eines Sozialverhaltens ergänzt. 2008 fügte der Paläontologe David Varricchio von der Montana State University dem Bild eine weitere Facette hinzu: Bei den fleischfressenden Theropoden könnten nicht die Mütter, sondern die Väter gebrütet und anschließend den Nachwuchs gehütet haben.

Varrichios Idee war nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern orientierte sich an der einzigen Dinosauriergruppe, die das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit überlebt hat - bei den Vögeln. In der Vogelwelt gibt es sowohl Arten, bei denen die Männchen den Nachwuchs hüten, als auch solche, wo dies die Weibchen tun. Mit einer Grundtendenz: Eine große Anzahl von Eiern im Gelege korreliert mit väterlicher Obsorge. Der Mechanismus dahinter ist einfach: Ein Weibchen kann mehr Energie in die Produktion einer größeren Eieranzahl stecken, wenn es nach erledigter Aufgabe gleich wieder das Nest verlassen und auf Nahrungssuche gehen kann.

Varricchio verglich nun die Eieranzahl im Verhältnis zur Körpergröße sowohl bei Vogel- als auch bei Theropodenarten. Und er kam zu dem Ergebnis, dass die relativ hohe Eieranzahl ein klares Indiz für brütende Dino-Väter sei.

Widerspruch

Der Paläontologe Charles Deeming von der University of Lincoln in Großbritannien stellt dies nun im "New Scientist" in Frage. Er weist darauf hin, was seiner Meinung nach der Schwachpunkt an Varricchios Studie ist. Varricchio habe immer nur die maximalen Eierzahlen aus den bekannten Fossilienstätten gezählt, das sei aber nicht repräsentativ.

Eines seiner Argumente, warum diese Zahlen verzerrt sein könnten, klingt aber auch etwas spekulativ: Ganz wie heutige Kuckucke könnte es auch unter den Dinos Arten gegeben haben, die ihre Eier in fremde Nester schmuggelten und damit die Gesamtzahl erhöhten. Deeming nahm jedenfalls die Spitzenwerte aus der Rechnung und kalkulierte eine Durchschnittszahl von Eiern pro Gelege. Seiner Berechnung nach fallen die Theropoden damit aus dem Bereich heraus, der auf väterliche Brutpflege hindeutet.

... auch das natürlich nur eine Hypothese. Man kann Sarah Harding ihren Frust nicht verdenken. (red, derStandard.at, 29. 5. 2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Troodon-Männchen hütet seinen Nachwuchs. Dieses Bild illustrierte vor fünf Jahren eine Studie über Dino-Väter, die das Brutgeschäft übernommen haben könnten. Nun wird diese Idee wieder in Frage gestellt.

Share if you care.