Fiat hebt nach Chrysler-Spekulationen ab

27. Mai 2013, 18:29
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Spekulationen auf eine baldige Totalübernahme von Chrysler haben Fiat Auftrieb gegeben

Spekulationen auf eine baldige Totalübernahme von Chrysler haben Fiat Auftrieb gegeben. Die Aktien des italienischen Autobauers stiegen am Montag auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Der Wert des Börsengangs in New York wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Mailand - Die Verhandlungen um die Komplettübernahme des US-Autokonzerns Chrysler durch Fiat aus Italien kommt offenbar früher in die heiße Phase als gedacht. Möglicherweise könnte der Deal noch im Juni über die Bühne gehen. Spekulationen darüber haben zu Wochenbeginn zu einem Höhenflug der Fiat-Aktie geführt. Das Papier legte zwischenzeitlich um 4,6 Prozent auf 5,67 Euro zu, der höchste Stand seit zwei Jahren.

Momentan kontrolliert Fiat 58,5 Prozent der Anteile des drittgrößten US- Autobauers Chrysler. Der Gewerkschaftsfonds Veba hält die restlichen 41,5 Prozent. Als Fiat 2009 beim damals konkursreifen Autobauer Chrysler einstieg, wurde eine Übernahmevereinbarung unterschrieben, der zufolge die Italiener das Recht haben, von Veba bis Juni 2016 alle sechs Monate Chrysler-Aktien zu fordern.

Gespräche mit Banken

Aber noch immer gibt es für die 2012 ausgeübte Option über 3,5 Prozent der Anteile keine Einigung über den zu zahlenden Preis. Fiat will dafür lediglich 140 Mio. US-Dollar (gut 108 Mio. Euro) auf den Tisch legen, Veba fordert dagegen 340 Mio. US-Dollar. In der Auseinandersetzung zwischen den beiden Chrysler-Großaktionären soll nun ein US-Gericht über den Preis entscheiden. Das Urteil wird im Sommer erwartet,

Angeblich will Fiat-Chef Marchionne nun diesem Gerichtsentscheid zuvorkommen und Veba ein neues, "großzügiges" Angebot präsentieren. Eine Komplettübernahme von Chrysler ist nötig, weil Fiat sonst nicht an die Liquidität des US-Autobauers herankommt. Marchionne verhandelt bereits mit Banken über eine Brückenfinanzierung, nach Informationen des Wall Street Journal unter anderem mit Deutsche Bank, Bank of America und Goldman Sachs. Der Manager lasse nichts unversucht, um für seinen Wunsch einer möglichst schnellen Übernahme von Chrysler Verbündete zu finden.

Marchionne selbst schloss eine Kapitalerhöhung aus. Analysten erwarten nicht, dass Fiat eigene liquide Mittel in Anspruch nehmen wird, da sonst eine Abstufung durch die Ratingagenturen drohe. Der Verkauf von Vermögenswerten wird hingegen nicht ausgeschlossen. Volkswagen scheint nach wie vor Interesse an der Fiat-Tochter Alfa Romeo zu haben.

Der US-Automarkt ist für Fiat Chrysler bereits wichtiger als das Europageschäft, das nur mehr auf einen Anteil von 24 Prozent kommt. Die Bedeutung von Turin wird in Zukunft deutlich kleiner sein.

"Wir werden in den USA ein Hauptquartier für den US-Markt, in Brasilien für Südamerika, in Indien für das Asiengeschäft haben", bestätigte Fiat- Präsident John Elkann. Fiat wird derzeit zu 30 Prozent von der Agnelli- Familienholding Exor kontrolliert. John Elkan, Enkelkind des einstigen Fiat-Präsidenten Giovanni Agnelli, hat bereits wissen lassen, dass der Autosektor in Zukunft nicht zu den Prioritäten der Holding zählen wird. Der Turiner Autobauer sieht seine Zukunft im Ausland. So werden derzeit sieben Mrd. US-Dollar in Brasilien investiert. In Turin hingegen stocken die versprochenen Investitionen. "Die Zukunft von Fiat heißt zweifellos weg von Italien", sagte Giuseppe Berta von der Mailänder Bocconi- Universität dem Standard. Er rechnet mittelfristig mit einer Reduzierung der bisher fünf Produktionsstätten. Im Turiner Hauptwerk Mirafiori befinden sich 5000 Mitarbeiter in der Lohnausgleichkasse. Die läuft im Herbst aus. Rom hat kein Geld, sie weiter zu finanzieren. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 28.5.2013)

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    Fiat wird noch amerikanischer, durch die bevorstehende Komplettübernahme des US-Autobauers Chrysler.

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