Politikverdrossene Italiener mieden die Urnen in Massen

27. Mai 2013, 22:29
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Bürgermeister-Stichwahl in Rom, Verluste für Grillo

Die wachsende Politikverdrossenheit der Italiener hat bei den Gemeindewahlen am Wochenende zu drastisch sinkender Wahlbeteiligung geführt. Italienweit beträgt der Rückgang 15 Prozent, in Rom über 20 Prozent. Nur 62 Prozent der sieben Millionen Wähler in insgesamt 536 Gemeinden bemühten sich in die Wahllokale. In der Hauptstadt wurde mit 52 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung aller Zeiten verzeichnet.

Hochrechnungen deuteten in Rom auf ein überraschendes Ergebnis: der Kandidat des krisengeschüttelten Partito Democratico, Ignazio Marino, lag mit 43 Prozent deutlich vor dem amtierenden Bürgermeister Gianni Alemanno mit 30 Prozent. Beide ziehen in die Stichwahl am 9. Juni ein.

Beppe Grillos Bewegung verlor in der Hauptstadt die Hälfte der vor drei Monaten errungenen Stimmen und musste auch in vielen anderen Provinzhauptstädten schwere Verluste hinnehmen. Damit steuert die Bewegung im Parlament auf eine Zerreißprobe zu. Immer mehr Abgeordnete hatten sich in den letzten Wochen gegen Grillos Versuch gewandt, die Parlamentarier zu bevormunden. Überraschend lag die angeschlagene Linke auch in Brescia und in der Lega-Hochburg Treviso vorne, wo es in zwei Wochen zu Stichwahlen kommt.

In Rom durften sich die Wähler bei der Kür des neuen Bürgermeisters zunächst in der Kunst des Origami üben. Sie mussten den 1,20 Meter langen Stimmzettel auseinanderfalten, einen der 19 Bürgermeisterkandidaten und eine der 40 Listen ankreuzen und den tischtuchgroßen Zettel zwölf Mal falten, um ihn problemlos in die Urne stecken zu können. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 28.5.2013)

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