Welche Erziehung Kinder stark macht

27. Mai 2013, 17:46
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Warum ein Mangel an Zuneigung, aber auch übermäßige Fürsorge dazu beitragen können, dass Kinder von Gleichaltrigen drangsaliert werden

Was kann ich tun, damit mein Kind später von Gleichaltrigen akzeptiert und nicht angefeindet wird? Dass es sich selbstbewusst durchs Leben bewegt, weder Opfer noch Täter wird? Eltern und Erziehungsberechtigte, die sich diese Frage stellen, haben zwei wichtige Voraussetzung für starke Kinder bereits erfüllt: elterliche Selbstreflexion und ein ehrliches Interesse am Wohlergehen des Nachwuchses.

Was es noch braucht, will jetzt eine große britische Studie zeigen. Das Team um Dieter Wolke von der Universität Warwick hat eine Art pädagogisches Grundrezept für selbstbewusste Kinder entwickelt. Die Forscherinnen und Forscher haben nicht weniger als 70 Studien zu den Auswirkungen unterschiedlicher Erziehungsstile einer Metaanalyse unterzogen und dabei mehr als 200.000 Kinder einbezogen.

Der Weg durch die Mitte

Dabei erwies sich einmal mehr der Mittelweg zwischen Fürsorge und Freiheit als der pädagogisch goldene Pfad: Der beste Acker für den kindlichen Selbstwert ist ein durch Liebe und emotionale Stabilität geprägtes Umfeld, das die Kinder durchaus fördert. Es sei ein veritabler und nachhaltiger Schutz vor dem Opfer- und Tätersein, so die Forscher.

Elterliche Fürsorge müsse genügend Raum zum Entwickeln kindlicher Fähigkeiten lassen. Ein Zuviel an Behütung sei kontraproduktiv, so Studienleiter Wolke: "Kinder brauchen Unterstützung. Aber wenn Eltern versuchen, ihre Kinder von sämtlichen negativen Erfahrungen abzuschirmen, machen sie ihre Kinder nur verwundbarer - weil sie ihnen die Chance nehmen zu lernen, wie sie etwa mit Anfeindungen umgehen sollen."

So würden Kinder überfürsorglicher Eltern wichtige Fähigkeiten wie Durchsetzungsvermögen und Eigenständigkeit oft weniger gut entwickeln. Das mache sie zu leichteren Opfern von Mobbing und Anfeindungen.

Zu wenig Zuwendung

Die Studien zeigen eindeutig, dass Kinder signifikant öfter Opfer von Schikanen und Mobbing durch Gleichaltrige werden, wenn ihre Eltern wenig Erziehungskompetenz haben und emotional selbst unsicher sind. Meist sei allerdings ein Zuwenig an Zuwendung das Problem: So werden Kinder, deren Eltern verbal und körperlich gewalttätig sind, signifikant häufiger zu Opfern von Schikanen und Mobbing - und häufiger selbst zu Tätern.

Liebe als Basis

Der beste Schutz vor Anfeindungen und Mobbing durch Gleichaltrige seien Eltern und Erziehungsberechtigte, die liebevoll, emotional stabil und pädagogisch berechenbar beziehungsweise konsequent agieren. "Am wirksamsten ist eine Erziehung, die auf klaren, für das Kind nachvollziehbaren Regeln aufbaut, die unterstützend wirkt und von emotionaler Wärme geprägt ist", so Wolke. "Eltern, die so erziehen, lassen zu, dass ihre Kinder Konflikte austragen. Das ist viel erfolgreicher, als sich schon beim kleinsten Streit schützend vor den Nachwuchs zu werfen."

Um Mobbing bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen, müsse man das Elternhaus in den Blick nehmen, mahnt der Forscher: "Viele Menschen glauben, dass Mobbing ein Problem ist, das erst in der Schule auftaucht. Unsere Studie zeigt klar, dass die Eltern und Erziehungsberechtigten eine wichtige Verantwortung haben, wenn es um die Entstehung der Ursachen von Mobbing geht." (red, derStandard.at, 27.5.2013)

  • Der Mittelweg zwischen Fürsorge und Freiheit erweist sich als der pädagogisch goldene Pfad.

    Der Mittelweg zwischen Fürsorge und Freiheit erweist sich als der pädagogisch goldene Pfad.

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