Informell aus Israel

27. Mai 2013, 17:36
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Autor Michael Guggenheimer bringt in "Tel Aviv" das Private und das Politische zur Sprache und ist am Dienstag im Jüdischen Museum Hohenems zu Gast

Ignorante Taxler gibt's auch anderswo. Die Kombination von Bauhaus, Humus und "Security" aber kennzeichnet Tel Aviv. 1909 gegründet, hat die Metropole heute eine Bevölkerung im Durchschnittsalter von 30 bis 40. Bedeutend jünger noch war Michael Guggenheimer beim Verlassen seiner Geburtsstadt. Als Erwachsener ist der Autor, der in Zürich lebt, immer wieder in der weißen Stadt, über die er nun ein Buch veröffentlicht hat.

Der 1946 geborene Guggenheimer ist nicht als Heimkehrer in Tel Aviv und nicht als Tourist. Bei seinen schweifenden Erkundungen der Stadt setzt er viel Understatement ein und kommt gerade so an besondere Auskünfte und Eindrücke. Tel Aviv (Edition Clandestin) ist durchaus als Reisebegleiter nutzbar, vor allem aber ist das Bändchen mit den zahlreichen Fotos eine faszinierende Mischung: Guggenheimer bringt das Private und das Politische zur Sprache, Geschichten und Geschichte, alles mit Empathie und Ironie. Er erzählt vom Schweiz-Kult eines Wahl-Israelis und der Sabbat-Treue eines Hausmeisters, von philippinischen Pflegekräften und deutschlernenden Skype-Userinnen, von Granatapfelsaft und musealisierten Geschirrtüchern.

Wer gelegentlich mit seinem haushaltshilfenlosen Haushalt hadert und dann liest, welche Angewohnheiten Raumpflegepersonal an den Tag legen kann, freut sich an seiner ungeputzten Privatsphäre. Privat grundierte Einblicke in die israelische Gegenwart gewährt auch die Ausstellung Familienaufstellung, in deren Rahmen Michael Guggenheimer sein Buch präsentiert. (pen, DER STANDARD, 28.5.2013)

Jüdisches Museum Hohenems, 28.5., 19.30

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