Über 3.000 Höhenmeter im Laufschritt

29. Mai 2013, 08:00
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Emanuel Sabitzer bloggt ab sofort über seinen Kampf gegen die Müdigkeit, die Grenzen seines Körpers und die ständige Überwindung beim Extremberglauf

Nach kurzer Vorbereitung und Organisation startete ich am Sonntag, dem 19. Mai 2013, zu meinem bisher härtesten Training dieses Jahres. Mein Ziel: mindestens 2.000 positive Höhenmeter zu überwinden.

Meinen Salomon-Rucksack gepackt mit trockener Kleidung, Müsliriegel, zwei Cabanossi und Getränken mache ich mich um acht Uhr morgens auf den Weg auf meinen Hausberg. Start ist auf etwa 540 Meter Seehöhe, der Gipfel der Gerlitze liegt auf ca.1.920 Meter. Im Idealfall will ich zweimal hintereinander das Gipfelkreuz sehen.

Auf den ersten Metern fühle ich mich noch recht schlapp und müde, doch dies ändert sich schlagartig, als ich den steilen Steig erreichte, welcher mich nach oben bringen wird. Im lockeren Tempo komme ich schnell voran, doch bereits nach etwa 30 Minuten machen sich meine Beine bemerkbar. Die erste halbe Stunde hat es in sich, hier habe  ich bereits 500 Höhenmeter hinter mir. Auf sehr schmalen und steilen Passagen geht es nach oben. Als ich die Baumgrenze erreiche, kommt ein weiteres, sehr steiles Stück auf mich zu. Ich wähle die direkte Route, über die Schipiste hinauf zum Gipfel, um keine Zeit auf den flachen Wegen zu verschwenden.

Natürlich spüre ich die Piste in meinen Beinen, die Schritte fallen mir immer schwerer - "Wenn ich nur daran denke, dass ich hier noch ein weiters mal hinauf will!", schießt es mir durch den Kopf.

Dann fängt es auch noch an zu regnen und ich bin nach ein paar Minuten triefend nass.

Ein zweiter Aufstieg, die Füße brennen

Das Ziel erreicht und ich fahre mit Sessellift und Gondel wieder ins Tal. Der Regen hat inzwischen aufgehört.

Während der Fahrt esse ich eine Kleinigkeit in der Gondel, um hoffentlich wieder zu Kräften zu kommen. Unten angekommen, mache ich mich erneut an den Aufstieg. Die ersten Schritte fallen mir schwer, nachdem ich mich gerade ans Sitzen gewöhnt hatte.

Doch ich habe schnell mein Tempo gefunden und laufe in Richtung Gipfel. Die Schmerzen werden immer stärker, bei jedem Schritt merke ich, dass mein Körper bald am Ende sein wird.

Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die 3.000 Höhenmeter-Marke zu brechen. Das macht die Situation nicht gerade leichter, denn nun könnte ich, nach gut 2.500 Höhenmetern, direkt die Gondel wieder nach unten nehmen und das letzte Stück über die Schipisten streichen.

"Kommt nicht in Frage!" denke ich mir und laufe mit starrem Blick weiter nach oben. Spätestens hier, auf der Schipiste, bereue ich meine Entscheidung auch schon.

Es scheint, als ob meine Füße brennen. Ab und zu blicke ich nach oben, um den Gipfel in der Ferne zu sehen. Doch dies motiviert mich recht wenig, da er noch ein ganzes Stück entfernt ist. Auch meine GPS-Uhr gibt mir nicht den nötigen Schub, da ich mir ausrechnen kann, dass sich die 3.000 Höhenmeter nicht ausgehen. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel beschließe ich kurzer Hand umzudrehen, ein Stück hinunter und ein zweites Mal hinauf zu laufen, und so die noch fehlenden Höhenmeter zu gewinnen.

Nach einigen schmerzhaften Minuten hab ich es geschafft, nun trennen mich nur noch wenige Meter auf ebener Fläche, von meinem Tagesziel! Sie stellen keinerlei Schwierigkeiten mehr da, die Schmerzen sind verflogen, nur noch Freude und Stolz erfüllen mein Inneres. Endlich, am Ziel angekommen, freue ich mich über meine erbrachte Leistung, jedoch befürchte ich jetzt schon, dass die kommende Nacht keine angenehme werden wird.

Mein Körper ist gezeichnet von dieser Extrem-Belastung und wird mich das in den kommenden Tagen deutlich spüren lassen. (Emanuel Sabitzer, derStandard.at, 28.5.2013)

Tagesresümee nach Computerauswertung:

Distanz: 17,08 km

Höhenmeter: 3.287

Zeit in Bewegung: 3h22min

Zeit gesamt: 4h30min

Herzfrequenz Durchschnitt: 153 Schläge / min

  • Die Beine schmerzen, der Kampf geht trotzdem weiter.
    foto: emanuel sabitzer

    Die Beine schmerzen, der Kampf geht trotzdem weiter.

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