Reifenschatten über Mercedes

27. Mai 2013, 15:41
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Red Bull und Ferrari beeinspruchen außerordentliche Testfahrten

Monaco - "Zu viele Schatten über Mercedes", schrieb Tuttosport am Tag nach dem Triumph. Da saß Nico Rosberg nun im Mercedes-Motorhome am Hafenbecken von Monte Carlo, sein eigentlich makelloser erster Sieg beim Großen Preis von Monaco war erst wenige Stunden alt - doch niemand wollte darüber reden. Die Fragen prasselten stattdessen auf Motorsportchef Toto Wolff ein, und im Mittelpunkt stand nicht jener Mann, der sich 30 Jahre nach dem Erfolg seines Vaters an gleicher Stelle seinen "Kindheitstraum" erfüllt hatte. Sondern, wieder einmal: die Reifen.

Frage der Transparenz

Ein vom Pneulieferanten Pirelli initiierter Test Mitte Mai in Barcelona, offensichtlich nicht ausreichend klar kommuniziert, könnte für Ärger sorgen. Sanktionen gegen Mercedes durch den Automobil-Weltverband (FIA) stehen im Raum. Testfahrten während der Saison sind verboten, Pirelli kann die Teams aber um je 1.000 km Reifentests bitten. Diese müssen vom Einheitshersteller aus Fairnessgründen jedoch allen Rennställen angeboten werden. Hier sieht die FIA ein mögliches Versäumnis. Der Weltverband dürfte den Fall an den Motorsport-Weltrat weiterleiten. Dieser hat die Befugnis, Strafen, Punkteabzüge und sogar Sperren auszusprechen.

"Wir haben wirklich schwierige Zeiten hinter uns, nichts und niemand kann uns diesen Sieg wegnehmen", sagte ein ärgerlicher Wolff nach dem ersten Saisonsieg für sein Team. Und er griff Red Bull an, das Team von Weltmeister Sebastian Vettel, der den zweiten Platz belegt hatte. "Wenn die Beschwerden von einem Team kommen, das dreimal Weltmeister war, dann finde ich das nicht richtig. Wir graben uns gerade selbst aus der Scheiße und werden gleich mit solchen Beschwerden bedacht."

Resultat steht trotz Unklarheit

Red Bull, betonte Teamchef Christian Horner, wolle Klarheit. "Aus unserer Sicht ist es falsch, dass ein Team heimlich Reifen testet", so der Engländer. Daher auch der gemeinsam mit Ferrari eingelegte Protest bei der FIA. Das Ergebnis in Monaco wird davon allerdings nicht berührt, Rosbergs Sieg, der erst zweite für das deutscher Werksteam, bleibt unangetastet. Auch die Konkurrenz hatte mehrheitlich eingesehen, dass dieser nicht die Folge der Testfahrten war.

 "Es gibt keinen Zweifel, dass wir solche mit einem der Teams durchführen dürfen, wenn die Umstände es nötig machen", sagte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery. Die gefährlichen Reifenablösungen, die in den ersten Saisonrennen auftraten, seien solche Umstände, und um effektiv arbeiten zu können, brauche man eben aktuelle Autos. Mercedes habe zudem keine Erkenntnisse aus den Tests ziehen können, "sie hatten gar keine Ahnung, was sie da überhaupt testeten", sagte der Brite.

Anschluss gefunden

Mercedes entschloss sich angesichts der Streitigkeiten zum Blick nach vorne. "Wir können auch für Montréal optimistisch sein", meinte etwa Teamchef Ross Brawn. Die Fortschritte sind offensichtlich, waren die Trainingsdominatoren in den Rennen zuvor doch nach drei Poles in Serie sang- und klanglos untergegangen. "Wir sind jetzt sicher auch auf anderen Strecken konkurrenzfähig", verbreitete Wolff Optimismus.

Hinsichtlich der Aussichten in der Weltmeisterschaft blieb man jedoch zurückhaltend. Schließlich liegt Rosberg trotz seines Sieges in der Zwischenwertung immer noch 60 Punkte hinter dem führenden Sebastian Vettel. "An die WM denke ich nicht", versicherte der Deutsche. "Wir dürfen für die nächsten Rennen nicht überschwänglich werden." Der hohe Reifenverschleiß sei immer noch ein Thema. Und mehr wollte er zu diesem auch wirklich nicht sagen. (red - 27.5. 2013)

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    Erfüllte sich einen Traum: Nico Rosberg.

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