AK-Chef: "Kaske kocht, Kaske räumt auf"

Chat28. Mai 2013, 14:11
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Um weiterhin in das Land investieren zu können, brauche man sowohl den fairen Beitrag der großen Vermögen, als auch jenen aus großen Erbschaften, sagte AK-Chef Rudolf Kaske im derStandard.at-Chat. Seit Mitte März ist der gelernte Koch Präsident der Arbeiterkammer (AK). Zu Hause koche er noch immer, und er räume auch auf, antwortete Kaske auf eine Userfrage. Insgesamt aber ging es um ernstere Themen.

Steuerschlupflöcher und Steuervermeidung seien zu bekämpfen, sagte der AK-Präsident. Diese Schlupflöcher zu schließen, sei Aufgabe der internationalen Politik. Dass auch Privatvermögen besteuert werden, ist für Kaske eine Frage der Gerechtigkeit. Es gehe dabei weder um die Halskette der Oma noch um das Auto oder das mühsam ersparte Häuschen, sondern darum, dass Euromillionäre ihren fairen Beitrag leisten.

Kaske fordert auch, dass jeder nach 25 Sozialversicherungsjahren eine sechste Urlaubswoche bekommt - egal in welchem Betrieb. Diese sechste Woche gebe es schon seit rund 30 Jahren, in unserer schnelllebigen Arbeitswelt erreichten sie jedoch immer weniger Beschäftigte. Zudem unterstütze die AK die Gewerkschaften bei ihrem Kampf um Arbeitszeitverkürzung in den jeweiligen Branchen.

Überhaupt funktioniere die Aufgabenteilung zwischen ÖGB und AK hervorragend. In Krisenzeiten brauchen Arbeitnehmer mehr Unterstützung und nicht weniger, so der AK-Chef. Wer die Pflichtmitgliedschaft in der AK infrage stellt, schwächt laut Kaske die Arbeitnehmer. Im Jahr 2012 habe die Arbeiterkammer mehr als zwei Millionen Arbeitnehmer beraten und über 243 Millionen vor Gericht und außergerichtlich erstritten. (red, derStandard.at, 28.5.2013)

ModeratorIn: Lieber Herr Präsident Kaske, danke, dass Sie gekommen sind. Liebe UserInnen, wir freuen uns auf eine spannende Fragerunde.

Rudolf Kaske: Schönen Spätvormittag! Ich freue mich auf eine spannende Chat-Stunde mit den STANDARD UserInnen.

UserInnenfrage per Mail: Herr Kaske, Sie sind jetzt schon einige Monate als AK-Präsident am Werken. Was ist das Wichtigste, was Sie in dieser Position bisher gelernt haben?

Rudolf Kaske: Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist Zeitmanagement. Das heißt mit dem breiten Spektrum von wichtigen Fragen umzugehen.

Sternschnuppe23: Sie sind erst seit kurzem AK Präsident. Was sind Ihre Schwerpunkte?

Rudolf Kaske: Ich habe mir drei große Schwerpunkte gesetzt. Diese sind Arbeit, Bildung, Wohnen. Mir geht es um faire Arbeitsbedingungen, Respekt vor den Leistungen der ArbeitnehmerInnen, lebenslange Bildungschancen und leistbares Wohnen.

UserInnenfrage per Mail: Ein großes Thema ist derzeit leistbares Wohnen. In Schweden gibt es keine Marktmiete, stattdessen treffen sich einmal im Jahr Mieter- und Vermieterverbände und handeln die Mietpreise aus. Die Mieten sind dort auch relativ niedrig. Wäre das nicht auc

Rudolf Kaske: Das schwedische Modell ist mir nicht so vertraut. Wir haben aber konkrete Vorschläge für Österreich. Dazu gehören die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung, das heißt mehr Geld für den Wohnbau, insbesondere für den sozialen Wohnbau. Zum Zweiten fordern wir eine Mietzinsbegrenzung, die etwas taugt, das heißt maximal 20 Prozent bei den Richtwerten bei den Zuschlägen. Drittens fordern wir weniger Befristungen, zwei Drittel der neuen privaten Mitverträge in Wien sind befristet und die Maklergebühren soll der Vermieter zahlen und die Mietvertragsgebühr gehört abgeschafft.

Niko123: Wie stehen sie zu der Forderung der 6. Urlaubswoche ?

Rudolf Kaske: Die sechste Urlaubswoche gibt es seit rund 30 Jahren, jedoch immer weniger ArbeitnehmerInnen erreichen diese in unserer flexiblen und schnelllebigen Arbeitswelt. Daher will ich wie bei der Abfertigung, dass nach 25 Sozialversicherungsjahren, egal in welchem Betrieb, jeder seine sechste Urlaubswoche bekommt.

phiesoho: Das Leben wird immer teurer. Aber auch die AK kann doch nicht mehr tun, als über die hohen Preise schimpfen. Wie soll sich das denn ändern?

Rudolf Kaske: Wir schimpfen nicht, sondern wir handeln. Wir zeigen den Österreichaufschlag bei den Lebensmittelpreisen auf. Wir haben darauf gedrängt, dass die Bundeswettbewerbsbehörde aktiv wird und in der Zwischenzeit gibt es erste Strafen. Wir werden weiterhin an der Seite der KonsumentInnen für faire Preise kämpfen.

Belnea: Wie stehen Sie zur Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in den Kammern? Müssen Organisationen, die behauptet gute Leistung für die Mitglieder zu erbringen, wirklich Mitglieder zwingen dabie zu sein?? Alternativ gebe es ja ÖGB und Wirtschaftsvereine.

Rudolf Kaske: In Krisenzeiten brauchen ArbeitnehmerInnen mehr und nicht weniger Unterstützung. Ich meine, dass die Aufgabenteilung zwischen ÖGB und AK hervorragend funktioniert. Einerseits die Vertretung auf Betriebsebene und bei Kollektivertragsverhandlungen und andererseits auf gesetzlicher Ebene. Weil Recht haben und Recht bekommen nicht dasselbe ist.

MCSmith: hr stepic wurde vor kurzen in den medien zerpflückt weil er offshore geschäfte tätigte wie stehen sie zu solchen geschäften die zwar legal sind aber moralisch nicht vertretbar???

Rudolf Kaske: Steuerschlupflöcher und Steuervermeidung muss man bekämpfen. Jeder Arbeitnehmer muss auch seine Steuern und Abgaben leisten. Eine Aufgabe der internationalen Politik ist es diese Schlupflöcher zu stopfen.

UserInnenfrage per Mail: Sie wünschen sich eine Vermögensteuer für das oberste ein Prozent, also die Euromillionäre. Die Schweiz ist aber mit niedrigen Steuern auch recht erfolgreich. Da gab es sogar eine Zeit lang degressive Steuern. Wäre es nicht sinnvoller, in der Steuer

Rudolf Kaske: In Österreich ist Arbeit hoch und Vermögen im europäischen Vergleich niedrig besteuert. Deswegen brauchen wir eine Steuerstrukturreform bei der die Millionäre ihren Anteil beitragen.

Martin W. S.: Herr Kaske, Sie haben die Frage zur Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in den Kammern nicht beantwortet. Die Frage war: Müssen Organisationen, die behaupten gute Leistung für die Mitglieder zu erbringen, wirklich Mitglieder zwingen dabei zu sein?

Rudolf Kaske: Wir behaupten nicht nur gute Leistungen zu erbringen, dies ist eine Tatsache. Im Jahr 2012 haben wir mehr als zwei Millionen ArbeitnehmerInnen beraten und über 243 Millionen vor Gericht und außergerichtlich erstritten. Darüber hinaus haben wir im Interesse unserer Mitglieder 1.100 Gesetze und Verordnungsentwürfe begutachtet. Ich denke das spricht für sich. Wer die Pflichtmitgliedschaft in Frage stellt, schwächt die ArbeitnehmerInnen.

Pernhart: Wollen Sie noch immer bereits versteuertes Privatvermögen besteuern?

Rudolf Kaske: Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass Privatvermögen besteuert werden.

UserInnenfrage per Mail: Sie setzen sich auch für eine Erbschaftssteuer ab 300.000 Euro ein. Würden Sie – wäre es strategisch notwendig - lieber auf eine Vermögens- oder lieber auf eine Erbschaftssteuer verzichten?

Rudolf Kaske: Wir brauchen den fairen Beitrag sowohl der großen Vermögen, als auch den Beitrag aus großen Erbschaften, damit wir weiterhin in die Zukunft des Landes investieren können: für Kindergärten, Schulen, Hochschulen, sozialen Wohnbau, Pflege und Betreuung - um nur einige Punkte zu nennen.

standardchatkonto: Was halten Sie von den aktuellen Aussendungen von Team Stronach, wo er den ÖGB "vernichten" möchte ! Und den arbeitenden Volk Ihre Stimme zu nehmen. Wie sehen Sie das als AK Präsident. Sind Gewerkschaften noch Zeit gemäß?

Rudolf Kaske: Gewerkschaften werden von den ArbeitnehmerInnen mehr denn je gebraucht. In Zeiten der Krise braucht es eine starke Vertretung. Wer die Gewerkschaften angreift, greift die Rechte der ArbeitnehmerInnen und unsere demokratischen Grundstrukturen an. Ich werde diese hart erkämpften Rechte mit aller Kraft verteidigen. Ich empfehle einen Blick nach Europa, wo unsere Sozialpartnerschaft als Vorzeigemodell gefeiert wird.

Pernhart: Wo ist das bitte gerecht wenn man arbeitenden Menschen, die sich ihr Vermögen (Wohnung, Haus, Auto, Schmuck.....) selbst erwirtschaften nochmal einen Teil wegnimmt?

Rudolf Kaske: Es geht weder um die Halskette der Oma, noch um das Auto oder das mühsam ersparte Häuschen, sondern uns geht es um die Euromillionäre, dass sie ihren fairen Beitrag leisten. Ich finde das gerecht gegenüber jenen ArbeitnehmerInnen und Pensionisten, die jedes Monat ihren Beitrag leisten.

Manfred81: Zum Thema Verteilungsgerechtigkeit: Wie kommen Ihrer Meinung so utopische Managergehälter wie z.B. beim VW-Chef Martin Winterkorn zustande (angeblich über 14 Millionen EUR pro Jahr), während viele andere Menschen am Existenzminimum leben müssen?

Rudolf Kaske: Auch mir ist es ein Dorn im Auge, dass es so ausufernde Managergehälter in Europa gibt. Niemand versteht welche Leistung diesen utopischen Gehältern gegenübersteht. Unsere Forderungen dazu sind, dass Managergehälter ab 500.000 Euro nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können, damit nicht die Allgemeinheit dafür mitzahlen muss. Darüber hinaus sind wir für eine Beschränkung der variablen Bezüge (Boni) auf maximal 50 Prozent des Fixgehaltes.

MCSmith: die wirtschaft klagt dauernd über einen fachkräftemangel jedoch bilden nur 8,5% der betriebe (die ausbilden könnten) in österreich lehrlinge aus...wie kann man diese betriebe wieder in die pflicht nehmen auzubilden statt auszubeuten...immerhin kassi

Rudolf Kaske: Ich gebe ihnen recht, wenn die Betriebe Fachkräfte haben wollen, müssen sie auch welche ausbilden. Mir ist wichtig, dass es wieder zu einer Qualitätssicherung während der Lehrzeit kommt. Dazu ist zum Beispiel notwendig: gut geschulte Ausbildner, ein Ausbildungsplan im Betrieb. Künftig sollen Förderungen wieder stärker an die Qualität der Ausbildung gebunden sein. Dafür setze ich mich ein.

sociovation: Wer wird neuer AK-Chef in der Steiermark?

Rudolf Kaske: Diese Frage entscheiden unsere Kolleginnen und Kollegen in der Steiermark.

Pete_Seeger: Was sind ihre Wege bzw. Ansätze aus der Falle Jugendarbeitslosigkeit in Österreiche UND in Europa!?

Rudolf Kaske: In Österreich waren die Sozialpartner federführend dafür verantwortlich, dass die Ausbildungsgarantie im Jahr 2008 eingeführt wurde. Die EU hat zwar jetzt sechs Milliarden von 2014 bis 2020 zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beschlossen, dies ist uns viel zu wenig. Die heutigen Jugendlichen dürfen nicht zur verlorenen Generation in Europa werden, daher ist ein Kurswechsel, wo Wachstum und Beschäftigung im Vordergrund steht, jetzt dringend angesagt.

sylver: wird sich die ak in nächster zeit vermehrt für arbeitszeitkürzungen bei vollem lohnausgleich einsetzen?

Rudolf Kaske: An dem Weg der Arbeitszeitverkürzungen führt kein Weg vorbei, Arbeit muss fairer verteilt werden, daher unterstützen wir die Gewerkschaften bei ihrem Kampf um Arbeitszeitverkürzung in den jeweiligen Branchen.

Pernhart: Besitzen Sie oder ihre Familie Grundstücke? Wieviel müssten Sie dann an Vermögenssteuer abführen?

Rudolf Kaske: Nein, ich bin weder See- noch Waldbesitzer. Danke der Nachfrage, mir geht nichts ab.

Leo Tirol: Mit der Kündigung des Tyrolean Kollektivvertrages haben sie sich eine Verhandlungsbasis auf Augenhöhe erhofft. Leider ermöglicht diese Kündigung nun aber das NICHT Verhandeln und Verzögern, während auch noch eine 2 Klassen Arbeitnehmer Belegschaft e

Rudolf Kaske: Ziel war es damals und ist es noch heute einen gemeinsamen und fairen Kollektivvertrag für alle Beschäftigten des Konzerns zu erreichen. Die Gewerkschaft ist in der Sache aktiv, wie Sie aber wissen braucht es immer einen zweiten Partner, der Ball liegt beim AUA-Management.

retired: Die Einkommensentwicklung in den letzten 10 Jahren betrug bei Beamten + 26%, bei den Angestellten + 4% und bei den Arbeitern - 9% "inflationsbereinigt". Quelle: Einkommenbericht des Rechnungshofes 2000-2010.

Rudolf Kaske: Generelles Ziel ist die Verbesserung der Lebenssituation der ArbeitnehmerInnen, daran arbeiten die Gewerkschaften sehr hart. Den Gewerkschaften ist es gelungen in den meisten Bereichen 1.300 Euro Mindestlohn zu erreichen. Problematisch ist vor allem, dass es immer mehr prekäre und immer weniger Vollzeit-Arbeitsverhältnisse gibt, von denen die Menschen leben können. Hier werden wir die Arbeitgeber weiter in die Pflicht nehmen. Unser Kampf gilt insbesondere dem Lohn- und Sozialdumping.

UserInnenfrage per Mail: Wenn Gäste kommen, hört man, kochen Sie selbst auf. Wie darf man sich ein Menü im Hause Kaske vorstellen? Und wer räumt am Ende die Küche auf?

Rudolf Kaske: Kaske kocht, Kaske räumt auf, meinen Gästen schmeckt es und meiner Frau auch.

ModeratorIn: Liebe UserInnen, die Zeit ist leider um. Wir müssen deswegen viele, viele Fragen unbeantwortet lassen. Danke allen fürs Mitdiskutieren, lieber Herr Kaske, danke fürs Kommen. Allen noch einen schönen Tag.

Rudolf Kaske: Ich danke Ihnen, es war sehr spannend für mich und ich freue mich auf weitere Begegnungen.

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