Nahezu die Hälfte der Österreicher erledigt Freiwilligenarbeit

27. Mai 2013, 14:07
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Über 15 Millionen unbezahlte Stunden pro Woche werden österreichweit erbracht

Freiwilligenarbeit, ob als formelles Ehrenamt oder in Form von Nachbarschaftshilfe, steht bei den Österreichern weiter hoch im Kurs. Gut über 15 Millionen Stunden werden wöchentlich in unbezahlte Tätigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft investiert, 2006 waren es rund 14,7 Millionen. 3,3 Millionen Menschen, 46 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren, engagieren sich. Das sind Eckdaten einer Studie, die Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert hat, ein Jahr nach Inkrafttreten des Freiwilligengesetzes am 1. Juni 2012.

Rechtliche und soziale Absicherung

Mit dem Gesetz sei Freiwilligenarbeit rechtlich und sozial abgesichert worden. Fünf Einrichtungen (Verein Freiwilliges Sozialjahr, Diakonie Österreich, Volkshilfe Oberösterreich, Berufsorientierung Vorarlberg und Verein Jugend-Umwelt - Plattform) sind bisher als Träger des Freiwilligen Sozialjahres bzw. des Freiwilligen Umweltjahres anerkannt worden. 480 Personen absolvieren aktuell dort ein solches Jahr. Mit der Zivildienstnovelle sollen Sozial- und Umweltschutzjahr ab Oktober als Zivildienstersatz gelten. Und mit der Aufnahme des Rettungswesens im Rahmen einer Novelle des Freiwilligengesetzes kommt ein weiterer Einsatzbereich für das Freiwillige Sozialjahr dazu, sagte Hundstorfer.

Anteil der Nachbarschaftshilfe erhöht

Von 46 Prozent in der Freiwilligenarbeit Engagierten arbeiten 28 Prozent in Organisationen und Vereinen, 31 Prozent leisten Nachbarschaftshilfe, 13 Prozent sind in beiden Bereichen tätig, berichtete Gert Feistritzer vom Meinungsforschungsinstitut IFES, das im Auftrag des Sozialministeriums 4.000 Österreicher befragt hat. Seit dem Jahr 2006 hat sich der Anteil der in der Nachbarschaftshilfe Tätigen um vier Prozentpunkte erhöht. Im formellen Sektor ist die Beteiligungsquote in etwa gleich geblieben, dank eines Bevölkerungsanstiegs leisten aktuell aber um 300.000 Menschen mehr Freiwilligenarbeit als vor sechs Jahren. Beim Ehrenamt belaufe sich die wöchentlich geleistete Stundenzahl auf rund acht Millionen, bei der Nachbarschaftshilfe kommen pro Woche rund 7,5 Millionen Stunden zusammen.

Männer sind zu 49 Prozent Freiwillige, Frauen zu 42 Prozent. Bei der Nachbarschaftshilfe gibt es nach Geschlechtern kaum Unterschiede. Zum mit Prestige behafteten Ehrenamt zieht es eher Männer, ihr Anteil ist hier um acht Prozentpunkte höher als jener der Frauen. Nach Altersgruppen ist der Anteil der Freiwilligen überall relativ hoch, selbst bei den über 70-Jährigen ist es noch mehr als ein Drittel. Das Engagement steigt fast linear mit der Schulbildung. Menschen mit Zuwanderungshintergrund sind überdurchschnittlich stark im Bereich Nachbarschaftshilfe vertreten, in Vereinen und Organisationen viel weniger. Zwei Drittel der Freiwilligen sind berufstätig.

Motive

Der höchste Anteil der ehrenamtlich Tätigen entfällt mit acht Prozent auf Sport- und Turnvereine. Danach folgen der Kunst-, Kultur- und Freizeitsektor, die Katastrophenhilfe und der Rettungsdienst (z.B. Freiwillige Feuerwehr), der kirchliche Bereich und das Gemeinwesen (zum Beispiel auch Tourismusvereine, Bürgerinitiativen). Jeweils fünf bis sechs Prozent üben in diesen Bereichen eine formelle Freiwilligenarbeit aus. Drei bis vier Prozent sind im Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsbereich, in der Bildung und in der Politik (z.B. bei Interessenvertretungen) ehrenamtlich engagiert.

Bei der Nachbarschaftshilfe geht es am häufigsten um Hausarbeiten und Besuche bei betreuungsbedürftigen Mitmenschen (jeweils zehn bis elf Prozent). Vier Prozent waren im vergangenen Jahr bei Umweltkatastrophen im Einsatz, ebenso viele gaben Schulkindern unbezahlt Nachhilfe.

Die wichtigsten Motive sind: anderen helfen (93 Prozent) und der Spaß daran (88 Prozent). Knapp vier von zehn Befragten fühlen sich über die Möglichkeiten zu wenig informiert. Dafür gibt es am 12./13. Oktober in Wien (Museum für Angewandte Kunst/MAK) die 2. Freiwilligenmesse. Organisationen können ihre Teilnahme bis 5. Juli auf freiwilligenmesse.at anmelden. (APA, 27.5.2013)

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    Feuerwehr, Kirchen, Nachbarschaftshilfe - das Betätigungsfeld für Freiwilligenarbeit ist vielfältig.

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