Freiwillige leisten pro Woche Arbeit im Wert von 134 Millionen Euro

27. Mai 2013, 14:11
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Fast die Hälfte der Bevölkerung ist in Organisationen oder in der Nachbarschaft tätig

Rund die Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich freiwillig. Exakt sind es 3,3 Millionen Menschen, also 46 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren. Pro Woche leisten diese umgerechnet 15,5 Millionen Arbeitsstunden - auf den Mindestlohn gerechnet entspricht das einem Wert von 134,2 Millionen Euro. Das ist das Ergebnis einer IFES-Umfrage, die das Sozialministerium in Auftrag gegeben hatte. Dabei wurden im zweiten Halbjahr 2012 insgesamt 4.000 Personen persönlich über Freiwilligenarbeit befragt.

31 Prozent der Befragten helfen demnach in der Nachbarschaft, indem sie Hausarbeiten erledigen und betreuungsbedürftige Menschen besuchen oder pflegen. Auch weniger mobile Menschen mit dem Auto zu Terminen zu bringen fällt in diese Kategorie. 28 Prozent der Befragten engagieren sich in Freiwilligenorganisationen wie dem Roten Kreuz, der Freiwilligen Feuerwehr, Sportvereinen oder kirchlichen Einrichtungen. 13 Prozent sind sowohl in der Nachbarschaft als auch in einer Organisation tätig.

Mehr Männer in Organisationen

Die Resultate der Befragung zeigen außerdem, dass ungefähr gleich viele Männer wie Frauen freiwillig tätig sind, wobei mehr Männer als Frauen in Organisationen mithelfen. Das führt Studienleiter Gert Feistritzer darauf zurück, dass man durch eine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr mehr gesellschaftliches Prestige erntet als durch den Besuch von alten Menschen.

Bei der Nachbarschaftshilfe wiederum werden klassische Rollenbilder ersichtlich: So erledigen mehr Männer Reparaturen oder Gartenarbeiten für ihre Bekannten. Frauen sind dagegen bei der Pflege von bedürftigen Menschen und bei Hausarbeiten in der Überzahl.

300.000 Freiwillige mehr als 2006

Aufgesplittet auf die unterschiedlichen Altersgruppen zeigt sich, dass die Beteiligung an Freiwilligenarbeit durchwegs hoch ist. Der Anteil bei den unter 40-Jährigen liegt bei 43 Prozent und steigt immer weiter bis zu den 60-Jährigen. Vor allem die Gruppe zwischen 50 und 69 Jahren ist mit einem Anteil von 53 bis 55 Prozent Freiwilliger am aktivsten. Das liegt laut Feistritzer vor allem daran, dass diese Altersgruppe Bekannte im gleichen Alter oder älter hat, die Hilfe im Alltag benötigen.

Im Vergleich mit der ersten Erhebung zu diesem Thema aus dem Jahr 2006 wird ersichtlich, dass sich nun etwa 300.000 Personen mehr freiwillig in Österreich engagieren. Die insgesamt 3,3 Millionen Freiwilligen erarbeiten dabei wöchentlich 15,5 Millionen Stunden.

Nimmt man den österreichischen Mindestlohn von 1.500 Euro und geht man von einer 40 Stunden-Woche aus, ergibt das einen Stundenlohn von 8,66 Euro. Multipliziert man diese Zahl mit den geleisteten Freiwilligenstunden, so spenden die Engagierten pro Woche rund 134,2 Millionen Euro an das Gemeinwohl.

Novellierung des Freiwilligengesetzes

"Ohne die Freiwilligen würde uns und den über 100.000 österreichischen Vereinen und Organisationen etwas fehlen", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) im Rahmen der Präsentation der Studienergebnisse. Er verwies auch auf das Freiwilligengesetz, das mit 1. Juni 2012 in Kraft trat und demnächst novelliert werden soll.

Durch das neue Gesetz ist es möglich, ein Freiwilliges Sozialjahr oder Umweltschutzjahr als Zivildienstzeit anrechnen zu lassen. Mit der Novellierung des Gesetzes sollen zusätzlich Engagements im Katastrophenschutz- und Rettungswesen berücksichtigt werden.

Motivation: Menschen helfen und Spaß haben

Die meisten Personen engagieren sich laut der IFES-Studie freiwillig, weil sie anderen Menschen helfen wollen, Spaß daran haben oder etwas Nützliches zum Gemeinwohl beitragen wollen. Warum Menschen nicht freiwillig tätig sind, liegt vor allem daran, dass sie noch nicht danach gefragt wurden, keine Zeit haben oder nicht ausreichend informiert wurden.

Um die mangelnde Information auszugleichen, organisiert Michael Walk im Oktober 2013 bereits die zweite Freiwilligenmesse im Wiener MAK. Das Projekt war im Vorjahr laut Walk mit Bauchweh gestartet, entwickelte sich aber zu einem Erfolg: Von den 4.500 BesucherInnen verpflichteten sich 500 bis 600 Freiwillige bei den ausstellenden Organisationen. Drei Monate nach der Messe waren es immer noch mehr als 80 Prozent, die zusätzlich freiwillig tätig waren. (Bianca Blei, derStandard.at, 27.5.2013)

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    Rund 3,3 Millionen Menschen sind in Österreich freiwillig tätig.

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