Neue Warnstreiks bei Amazon in Deutschland

27. Mai 2013, 12:36
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Die Gewerkschaft Verdi fordert die Bezahlung nach dem Branchen-Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels

Im Streit um einen Tarifvertrag haben Beschäftigte des Internet-Versandhändlers Amazon zum zweiten Mal die Arbeit niedergelegt. Trotz Dauerregens harrten rund 250 Mitarbeiter der Frühschicht in Leipzig am Montag vor dem Werkstor des Versandzentrums aus und forderten die Geschäftsführung zu Verhandlungen auf, wie Verdi-Fachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago mitteilte.

Seit dem ersten Streik vor knapp zwei Wochen habe sich Amazon nicht bewegt. "Wir werden erst Ruhe geben, wenn wir einen Tarifvertrag haben", kündigte Lauenroth-Mago an. Auch die Spätschicht wurde zum Streik aufgerufen.

Treffen mit Geschäftsführung  geplant

Die Gewerkschaft hatte an dem sächsischen Standort die Früh- und die Spätschicht zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Hintergrund war ein für den Nachmittag geplantes Treffen der Amazon-Geschäftsführung mit mehreren Kommunalpolitikern in Leipzig. Dieses wurde jedoch nach Angaben der Gewerkschaft inzwischen abgesagt. Amazon hat sich dazu bisher nicht geäußert.

Anders als beim ersten Streik am 14. Mai waren am Montag am größten deutschen Amazon-Standort im osthessischen Bad Hersfeld keine Protestaktionen geplant. In Sachsen und Hessen hatten sich die Verdi-Mitglieder von Amazon in Urabstimmungen für den Arbeitskampf entschieden. Die Gewerkschaft fordert für sie einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen lehnt dies ab und orientiert sich nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche.

Tarifregelungen für Einzelhandel

Verdi fordert die Anwendung tariflicher Regelungen, wie sie für den Einzelhandel gelten. Dann hätten die Beschäftigten einen Anspruch auf einen Stundenlohn von über zwölf Euro sowie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Amazon hatte dagegen in der Vergangenheit erklärt, die Mitarbeiter lägen schon jetzt mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich sei. Im ersten Jahr belaufe sich der Stundenlohn auf mindestens 9,30 Euro im zweiten auf über zehn Euro.

Das US-Unternehmen Amazon ist der weltgrößte Online-Versandhändler. Amazon hat in Deutschland acht Versandlager und rund 9.000 Mitarbeiter. (APA, 27.5.2013)

  • Mitte Mai streikten die Beschäftigten in Bad Hersfeld (Hessen). Heute legten sie in Leipzig erneut die Arbeit nieder.
    foto: apa7uwe zucchi

    Mitte Mai streikten die Beschäftigten in Bad Hersfeld (Hessen). Heute legten sie in Leipzig erneut die Arbeit nieder.

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