Ataxie: Trotzdem in Bewegung bleiben

27. Mai 2013, 08:06
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Physiotherapie lindert die Beeinträchtigung von Ataxien messbar

Auch wenn noch keine Therapien gegen Ataxien verfügbar sind, stehen Patienten und Ärzte den unterschiedlichen Krankheitstypen von Ataxien nicht ganz wehrlos gegenüber. Den Betroffenen wird oft physiotherapeutisches Training als Mittel zur Symptombekämpfung verschrieben, um die Koordination von Bewegungsabläufen und das Gleichgewicht zu erhalten.

Diese Praxis wurde allerdings auch regelmäßig kritisch hinterfragt. Bei Menschen, die an degenerativen Krankheiten des Großhirns leiden, dürfte die motorische Lernfähigkeit zu stark beeinträchtigt sein, so die Überlegung. Physiotherapie könne deshalb gegen Ataxien keinen wesentlichen Effekt erzielen. Tatsächlich gab es lange fast keine Belege für deren Wirksamkeit. Die 2009 veröffentlichte Studie eines Forscherteams der Uni Tübingen stellt diesbezüglich einen Durchbruch dar.

Wirkungsnachweis

Die Wissenschafter setzten eine Testgruppe aus 16 Patienten mit insgesamt sieben unterschiedlichen Formen ataxischer Krankheiten zusammen und ließen sie eine intensive vierwöchige physiotherapeutische Behandlung durchlaufen. Die Versuchsteilnehmer machten Übungen wie etwa das Stehen auf einem Bein oder spezielle Ganzkörperbewegungen. Nach der ersten Trainingsphase sollten sie zu Hause weiter üben.

Die Ergebnisse des Programms waren ermutigend. Nach vier Wochen zeigte sich bei fast allen Patienten eine signifikante Verringerung der ataxischen Symptome. Der Gang war koordinierter, das Gleichgewicht besser. Am stärksten zeigte sich der Effekt bei Patienten mit regulären zerebralen Ataxien. Hier waren die Verbesserungen auch noch acht Wochen nach Ende der intensiven Trainingsphase nachweisbar. Wer allerdings zusätzlich unter Schäden der zuleitenden Nerven litt, konnte sich nicht über eine so nachhaltige Wirkung freuen.

Inzwischen wird Physiotherapie zur Behandlung von Ataxien häufig empfohlen. Wichtig allerdings ist, möglichst früh nach der Diagnose mit den Übungen zu beginnen. (Kurt F. de Swaaf, DER STANDARD, 27.5.2013)

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