Strafzölle gegen Solarimporte: Brust statt Keule

Kommentar26. Mai 2013, 18:03
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Bei genauem Hinsehen kommt man möglicherweise drauf, dass es ungerecht ist, den Zeigefinger einseitig auf China zu richten

Wer Geschäfte macht, bekriegt sich nicht. Diese häufig gemachte Erfahrung soll plötzlich nicht mehr zählen, wenn es um Module geht, die Sonnenstrahlen in elektrische Energie umwandeln? Mitnichten. Die von der EU-Kommission ins Auge gefassten Strafzölle auf Sonnenkollektoren made in China zeigt nur, wie mächtig einzelne Interessengruppen sind. In Ländern mit einer vormals starken, nun aber zunehmend schwächelnden Solarindustrie wie Deutschland genauso wie in Brüssel.

Von durchschnittlich 47 Prozent Strafaufschlag ist die Rede, der im Einzelfall auf 70 Prozent gehen könnte. Damit wäre der EU-Markt für Ware aus China de facto zu. Das mag Modulhersteller im Osten Deutschlands freuen, die in den vergangenen Jahren mit Milliardenspritzen aufgepäppelt worden sind. Häuslbauer, Installateure und Zulieferbetriebe hingegen wird es weniger freuen, wenn die Preise wieder nach oben ziehen - wegen der Marktabschottung.

Ganz nebenbei muss man auch die Frage stellen, ob in Europa bei der Förderung erneuerbarer Energie nicht auch eine Form von Dumping betrieben wird. Dann kommt man möglicherweise drauf, dass es ungerecht ist, den Zeigefinger einseitig auf China zu richten. Weil außerdem die meisten Module chinesischen Ursprungs auf deutschen Maschinen oder zumindest solchen aus Europa erzeugt werden, wäre es schlauer, die Keule schnellstens wieder einzupacken. Brust zeigen kann man auch ohne. (Günther Oswald, DER STANDARD, 27.5.2013)

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