Früherer Wehrmachtssoldat löst Schatzsuche aus

26. Mai 2013, 17:54
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Spekulationen über vergrabenen Schatz reichen bis zum Bernsteinzimmer

Kopenhagen/Stockholm - Ein spätes Bekenntnis des heute 90-jährigen Ex-Wehrmachtssoldaten Wilhelm Kraft sorgt derzeit für Aufsehen bei Hobbyschatzsuchern. Schon wird spekuliert, man sei dem verschwundenen Bernsteinzimmer auf der Spur. Im Spätsommer 1944 diente Marinesoldat Kraft in einem U-Boot, das bei Bergen in Norwegen von alliierten Bombern versenkt wurde. Mit leichteren Verbrennungen und den drei weiteren Überlebenden der Besatzung wurde er in ein Lazarett ins dänische Skagen transportiert. Die Wunden heilten. Mit 47 weiteren jungen Deutschen wurde er in einen Zug gesetzt und weit abseits der Front ins nordjütische Dorf Asaa gefahren.

"Streng bewachter Zug"

Die streng geheime Mission lautete, unter Abschirmung der Lokalbevölkerung Löcher am Rande des Ortes auszuheben. "Wir wurden in der lokalen Schule einquartiert. Die lag direkt an der Eisenbahnstation. Jeden Vormittag um zehn Uhr mussten wir raus, um zu graben, bis die Sonne wieder unterging. Alles mit Handspaten. Das ganze Gebiet wurde streng bewacht. Die Löcher sollten sechs Meter lang, vier Meter breit, und vier Meter tief sein. Als wir endlich fertig waren - das Grundwasser sorgte für einige Probleme -, traf ein streng bewachter Zug mit drei bis fünf Güterwagons ein", erzählte er der dänischen Boulevardzeitung BT. Zufällig habe er einen Blick in einen der Wagons erhascht. "Der war vollgestapelt mit Holzkisten, große und kleine", sagt er. Die Ladung habe sehr, sehr wertvoll ausgesehen.

Über 60 Jahre schwieg Wilhelm Kraft. Doch nun wolle er den vermeintlichen Schatz finden - bevor er sterbe, sagt er. "Ich habe es mit der Angst zu tun bekommen. Soweit ich weiß, bin ich der einzige Überlebende der Einheit von damals. Ich bin jetzt 90, völlig allein, und will nicht sterben, ohne mein Wissen geteilt und mein Gewissen entlastet zu haben."

Geschwiegen habe er nicht aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Wehrmacht oder gar Adolf Hitler. Im Gegenteil. Er habe vor allem Neonazis gefürchtet, teilte er der dänischen Presse mit. Kraft hat sich eine Ferienwohnung in der Nähe von Asaa gemietet. BT spekuliert gar darüber, ob in dem kleinen 1168-Einwohner-Ort das berühmte Bernsteinzimmer vergraben sein könnte. Das zuletzt im Schloss Königsberg im früheren Ostpreußen ausgestellte Bernsteinzimmer ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs spurlos verschwunden. Lokale Unternehmer hoffen bereits, dass Asaa nun zur Touristenattraktion wird. (André Anwar, DER STANDARD, 27.5.2013)

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    Die Nachbildung des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast bei St. Petersburg. Das Original ist bis heute nicht gefunden.

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