Robben: Vom Chancentod zum Denkmal

26. Mai 2013, 13:00
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"Das sind so viele Emotionen" - Niederländer vom Buhmann (2012) zum Champions-League-Matchwinner (2013)

London - Und dann kamen ihm die Tränen. Der Niederländer Arjen Robben hat seine Bayern zum Champion gemacht. Das 1:0 in der 60. Minute durch Mario Madzukic aufgestangelt, das 2:1 in der 89. Minute nach genialem Abfersler von Franck Ribéry selbst gemacht, aus wuchtigem Sprint gefühlvoll geschlenzt. Mit einigem Recht erhielt er dafür als "Man of the Match" eine Sonderbelobigung.

Dabei hatte es, wie so oft schon, nicht danach ausgesehen. Robben - der Mann, der nur über einen Schmäh gebietet - hat mehrmals recht stümperhaft vergeben, wie immer, wenn ihm der Fußballgott den Ball nicht auf den Linken legt. Schon in der 30. Minute hätte er das Tor machen müssen, mit dem linken Außenrist aber nicht.

"Roooobben!", das war immer wieder auch ein Verzweiflungsschrei der Anhänger - einbeinig, eigensinnig, ausrechenbar. Im Vorjahr, im "Finale dahoam" gegen Chelsea, vergab er einen Elfer in der Verlängerung. Jetzt, als "Man of the Match", sagt er, dass er nichts sagen kann: "Wenn du so ein Finale in der letzten Minute entscheidest, ist das nicht in Worte zu fassen."

Also tun wir es für ihn: Arjen Robben ist der Rechtsaußen des Wuzeltisches. Von dem weiß auch jeder, was er tut, wenn er den Ball kriegt. Und dennoch schlägt es immer wieder ein, wenn die Sturmstange einwärts schießt und Robben aus dem Handgelenk die Kugel beschleunigt. Robben war freilich auch Teil einer perfekten Mannschaft, die sich nur zu Beginn vom Klopp'schen Furor - ein Spiel, das daherkommt wie Trainer Jürgen Klopps Mimik - hat überraschen lassen. Geradezu wütend pressten und zwickten und bissen die Dortmunder die Bayern, die mit gewohnt kaiserlicher Gelassenheit - "Schau'n mer mal." - in die Partie gingen. Mehrere Großtaten von Tormann Manuel Neuer waren da nötig, um die Kaisertreuen im Spiel zu halten.

22-fache Perfektion

Sein Dortmunder Kollege Roman Weidenfeller brauchte das erst in der 26. Minute gegen Mandzikic zu tun. Für die Bayern war das wie ein Alarmschrei. Jetzt ging es erst richtig los. Das deutsch-deutsche Gipfeltreffen entfaltete sich zu einem wunderbaren, phasenweise richtiggehend entfesselten Fußballspiel, das getragen wurde von 22-facher Perfektion, gestützt durch akribisch ausgearbeitete Pläne und eingerichtet mit Herz. Dass die Bayern am Ende gewannen - mit Glück und, wie gesagt, viel Robben -, war selbst dann verdient, wenn man eingesteht, dass Dante in der 67. Minute mit zumindest Gelb-Rot hätte fliegen müssen. So brauchte man nur den Elferausgleich zu verdauen.

Wie das ganze Team, benötige auch Österreichs David Alaba einen Anlauf. Mag sein, ihm flatterten anfangs die Nerven in Wembley. Wenn, dann taten sie das im Gleichklang mit den Kollegen und fanden bald zur gewohnten - für einen 20-Jährigen so ungewohnten - Ruhe.

Einrenken

Klopp, der Dortmunder Trainer, benötigte Zeit, um seine Mimik wieder einzurenken. "Ich werde ein wenig brauchen, bis ich den Stolz fühlen kann, der in mir schlummert." Für Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke " fühlt es sich scheiße an".

Wohl nicht nur die knappe Niederlage. Sondern die Bayern insgesamt. Die Bayern! Dass sie guten, hervorragenden, ja beispielgebenden Fußball spielen, ändert nichts an ihrem enervierenen "Mia san mia". Nicht nur, dass sie schon im Halbfinale den Wechsel des Dortmunders Mario Götze nach München bekanntgaben. Über den Kader für die nächste Saison meinte Jupp Heynckes nun: "Götze kommt, Robert Lewandowski wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen." Lewandowski ist Dortmunds Stichwaffe.

Heynckes aber wird dann nicht mehr Bayern trainieren. Der 68-Jährige denkt an Ruhestand. Statt seiner coacht Josep Guardiola, der Former Barcelonas, den "FC Steuern München". Ja: Auch Uli Hoeneß freute sich wie ein Schneekönig. Er zeigte es nur nicht. (wei, DER STANDARD, 27.05.2013)

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    Endlich durfte er ihm in die Augen schauen, dem Pokal der Pokale. Der Niederländer Arjen Robben, im Vorjahr der Buhmann des "Finales dahoam", war in Wembley "Man of the Match".

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