"We steal Secrets": WikiLeaks übt Kritik an WikiLeaks-Doku

26. Mai 2013, 11:39
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Filmdialoge transkribiert und kommentiert - gemischte Rezeption für Film

Im Juli läuft die von Alex Gibney umgesetzte Dokumentation über WikiLeaks, "We steal Secrets: The Story of WikiLeaks" in Europa an, schon heute lassen sich große Teile des Filmes jedoch online nachlesen. Denn WikiLeaks hat sich des Streifens angenommen, viele Narrationen und Dialoge transkribiert und kommentiert.

Kritiker gespalten

Erstmals zu sehen war "We steal Secrets" Anfang des Jahres am Sundance-Festivals, seit 24. Mai läuft der Film in ausgewählten US-Kinos. Die bisherigen Kritiken sind gemischt. Während der Rolling Stone sich sehr lobend über das Werk äußert, attestiert die New York Times der Umsetzung doch zahlreiche Schwächen.

Assange selbst, der in "We steal Secrets" nicht die positivste Darstellung erfährt, war vom Regisseur übrigens nicht für ein Interview vor die Linse zu bekommen. Dementsprechend musste man sich für alle Belange, die mit dem umstrittenen Gründer zu tun haben, auf Material aus zweiter Hand stützen, das auch als Quelle für ein fiktives Interview dient. Überhaupt soll, so meint zumindest Assange, der Film ohne Mitwirkung von WikiLeaks-Angehörigen entstanden sein.

WikiLeaks bestreitet direkten Kontakt zu Manning

Wie Heise berichtet, sind besonders zusammengeschnittene Passagen und Offtexte im Hauptaugenmerk der Kritik von WikiLeaks selbst. Nicht selten wird der Vorwurf "selektiver Bearbeitung" erhoben.

Bestritten wird eine vom Guardian-Redakteur Nick Davies zitierte Assange-Aussage, wonach afghanische Informanten, die mit den internationalen Einsatzkräften kooperierten, den Tod verdienen würden. Auch soll es keinen direkten Kontakt zwischen Bradley Manning, jenem US-Army-Angehörigen, der zahlreiche Geheimdokumente an WikiLeaks weitergeleitet haben soll, gegeben haben.

Kritik an Darstellung von Domscheit-Berg

Wenig begeistert, so Heise weiter, zeigt man sich bei WikiLeaks auch von der Darstellung von Daniel Domscheit-Berg, der sich im Streit von Assange trennte und mit OpenLeaks – die Homepage des Projektes scheint mittlerweile nicht mehr zu existieren – eine eigene Whistleblowing-Plattform öffnete.

Auch mit der Beschreibung der Rolle ihrer Organisation ist WikiLeaks nicht einverstanden. An einer Stelle spricht Regisseur Gibney im Offtix den Satz: "Das ist es, was Julian Assange gerne tat: Erkunden. Er nutzte gerne Hintertüren um dorthin zu gelangen, wohin er nicht gehen sollte." In einem Kommentar hält WikiLeaks fest, dass man lediglich "Herausgeber" von zugespielten Dokumenten sei und diese nicht selbst auftreibe.

Laut Regisseur Gibney werden einige Teile des Films im Transkript von WikiLeaks schlichtweg ignoriert. Darunter etwa alle Passagen, die Aussagen von Bradley Manning enthalten.

Subjektiver Standpunkt

Die Kritik von WikiLeaks an der Doku über die eigene Organisation ist aufgrund der subjektiven Perspektive der Verfasser freilich insgesamt mit Vorsicht zu genießen. Die Reaktion der Whistleblowing-Plattform dürfte Gibney aber nicht ganz ungelegen kommen, sorgt sie doch für mehr Publicity und potenziell höheres Publikumsinteresse an dem Streifen. (red, derStandard.at, 26.05.2013)

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    Stellte sich nicht für ein Interview zur Verfügung: Julian Assange.

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