Hisbollah-Chef Nasrallah verspricht Assad Unterstützung "bis zum Ende"

    26. Mai 2013, 10:02
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    Libanesische Milizen zunehmend in Syrien involviert - Raketen schlugen am Sonntag in von der Hisbollah kontrolliertem Viertel Beiruts ein

    Beirut - "Es ist unsere Schlacht und wir sind ihr gewachsen", dröhnte Hassan Nasrallahs Stimme am Samstag aus Lautsprechern zu seinen Anhängern in der libanesischen Stadt Mashghara. Der Hisbollah-Chef selbst hielt sich wie immer an einem geheimen Ort auf - seine Ansprache anlässlich des 13. Jahrestages des Rückzugs der israelischen Armee aus dem Südlibanon wurde auf Riesenleinwänden übertragen. Ganz und gar nicht geheim sind mittlerweile die Aktivitäten seiner militanten Organisation im Nachbarland Syrien.

    Seit über einer Woche kämpfen schiitische Hisbollah-Milizen offen gegen Aufständische der Freien Syrischen Armee (FSA) und jihadistischer Gruppen in Syrien. Seite an Seite von Einheiten von Staatspräsident Bashar al-Assad ringen Nasrallahs Kämpfer um die Vorherrschaft in der strategisch wichtigen syrischen Stadt Al-Kuseir.

    "Neue Phase"

    Ganz nach Plan scheint die Intervention der Schiiten-Milizionäre jedoch nicht zu laufen. Seit Tagen sind Hisbollah-Nahe Online-Foren voll mit Eulogien auf in Al-Kuseir gefallene Kämpfer. Seit 20. Mai stieg die Zahl der Begräbnisse von in Syrien getöteten Hisbollah-Mitgliedern stark an - weit über ein Dutzend Kämpfer wurden in den letzten Tagen im libanesischen Bekaa-Tal beigesetzt. Der Hisbollah-Chef ließ sich bei seiner Rede am Samstagabend davon nichts anmerken. "Wir werden bis zum Ende gehen, wir werden diese Verantwortung tragen und alle Opfer und die zu erwartenden Konsequenzen akzeptieren", erklärte der Generalsekretär der militanten Organisation.

    Die laut Nasrallah "neue Phase" der libanesischen Schiiten-Miliz ist eine weiterer Höhepunkt in der Eskalation im mittlerweile stark konfessionell geprägten Bürgerkrieg in Syrien. Schon seit Wochen kämpfen Hisbollah-Milizen auch im damaszener Vorort Sayyida Zaynab - eine bedeutende Pilgerstätte für schiitische Muslime.

    Die Gefahr, dass der Libanon, der selbst aus einem fragilen politischen Gerüst aus Schiiten, Sunniten, Drusen und christlichen Konfessionen besteht, in den Konflikt gezogen wird, nimmt man bei der Hisbollah offenbar in Kauf. Eine erste Antwort auf die Rede, dürfte rund zwölf Stunden danach erfolgt sein: Mindestens vier Menschen wurden am Sonntagmorgen verletzt, nachdem zwei Raketen in dem von der Hisbollah kontrollierten Beiruter Bezirk Chiyah eingeschlagen sind. Bisher hat sich noch niemand zu dem Angriff bekannt.

    Österreich gegen Waffenlieferungen

    Während der Libanon immer tiefer in den Strudel des syrischen Bürgerkriegs gerät, konnte sich die syrischen Opposition am Samstag bei ihren Beratungen über eine Teilnahme an der von Russland und den USA initiierten Friedenskonferenz zunächst nicht Einigen. Nach Angaben von Delegierten wurde beschlossen, 30 weitere Persönlichkeiten und Parteivertreter in den Kreis der Nationalen Syrischen Koalition aufzunehmen. Westliche Staaten hatten eine Erweiterung angeregt, um den Einfluss der Muslimbruderschaft zu begrenzen. Nach Angaben von syrischen Oppositionellen in Damaskus könnte die in Genf geplante Friedenskonferenz am 12. Juni stattfinden.

    Österreich warnt indes weiter vor einer Bewaffnung der syrischen Rebellen. Außenminister Michael Spindelegger wies vor den Beratungen über das EU-Waffenembargo gegen Syrien am Montag auf Konsequenzen für die UN-Mission auf den Golanhöhen hin. "Für uns wäre es in diesem Fall sehr, sehr schwierig, das Mandat weiter auszuüben", hatte er bereits am Freitag vor Journalisten in Wien gesagt. Zudem gebe es bereits "genug Waffen in Syrien". Mit rund 370 Soldaten stellt Österreich etwa ein Drittel der UN-Truppe, die auf dem Golan seit 1974 die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israels und Syrien überwacht.

    80.000 Tote

    Wenn die EU-Außenminister bei ihrem Treffen am heutigen Montag in Brüssel keine einstimmige Entscheidung treffen, laufen Ende Mai sämtliche EU-Sanktionen gegen Syrien aus. Vor allem Großbritannien verlangt, dass einzelne EU-Staaten künftig die Aufständischen mit Waffen für ihren Kampf gegen Assad beliefern dürfen.

    Jordaniens König Abdullah II. forderte bei einem Treffen des Weltwirtschaftsforums am Toten Meer ein sofortiges Ende der Gewalt und eine politische Lösung. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, zeigte sich pessimistisch. Er habe keine großen Hoffnungen, dass bei der geplanten internationalen Friedenskonferenz Anfang Juni in Genf der Durchbruch erzielt werde, sagte er bei der Veranstaltung. Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet. (stb/APA/Reuters, derStandard.at, 26.5.2013)

     

    • Hisbollah-Chef Nasrallah vor Anhängern in Mashghara.
      foto: epa/wael hamzeh

      Hisbollah-Chef Nasrallah vor Anhängern in Mashghara.

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      Ein Mann sitzt nach einem Raketenangriff in Beirut verletzt am Straßenrand.

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      Ein Offizier untersucht die Überreste einer Rakete im Süden Beiruts.

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