Robben trifft, Bayern triumphieren über BVB

25. Mai 2013, 23:18
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Mit einem 2:1 gegen Borussia Dortmund holen die Münchner in London den Champions League-Titel – Robben sorgt für Entscheidung in 89. Minute

Am Samstagabend wurde zu Ehren des 150. Geburtstag der englischen Football Association in London Fußball gespielt. Ein Champions League-Finale als rein deutsche Angelegenheit zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern entschieden die Münchner schließlich mit 2:1 (0:0) für sich.

Das Ereignis hatte etwa 100.000 Deutsche in Englands Hauptstadt gelockt. Bei weitem nicht alle konnten eines der 86.298 Tickets bekommen haben und einige wussten sich vielleicht deshalb am Nachmittag nicht zu beherrschen. Rund um Wembley blieb es aber friedlich und tausende Fans beider Vereine saßen schon zwei Stunden vor dem Anpfiff im Stadion und bejubelten Bilder vergangener Endspiele auf der Videowall.

Borussen legen los, Bayern übernehmen

Dortmund begann furios, drückte die Bayern fast eine halbe Stunde lang an die Wand. Jakub Blaszczykowski, Robert Lewandowski und Sven Bender prüften FCB-Keeper Manuel Neuer, der sich allerdings glänzend verhielt. "Die Generation Lahm/Schweinsteiger, aber auch Ribery, Robben und andere, feiert hier ihren ersten Titel. Das merkte man auch in den ersten 20 Minuten, als wir nicht zu unserem Spiel fanden. Da hat aber auch Dortmund gut gepresst", sagte Jupp Heynckes nach dem Spiel über diese Phase.

Nach diesen 25 Minuten – die Bayern waren gerade froh darüber, dass Franck Ribery nach seiner schlagenden Ruderbewegung gegen Lewandowski nicht vom Platz geflogen war – hatte auch Neuers Gegenüber Roman Weidenfeller zu tun. Mario Mandzukic, Arjen Robben, Robben, Robben, Ribery und Thomas Müller scheiterten – der bereits erwähnte Niederländer zweimal nur am Gesicht des schwarzgelben Keepers.

Die Borussia konterte nun und war dabei zu selten bestechend. Nach dem starken Beginn musste sich die Mannschaft von Jürgen Klopp am Ende eher in die Pause retten. Aus dieser heraus änderte sich das Bild nicht grundlegend. Bayern hatte die Oberhand und wollte diese behalten. Vor allem bei Eckbällen war der BVB praktisch immer in Gefahr.

Kurze Führung

Ein Corner war es aber dann doch nicht, der dem FCB in der 60. Minute zur Führung gereichte. Robben wurde sehenswert freigespielt und Mandzukic durfte aus kurzer Distanz einschieben.

Die Führung war verdient, aber nicht von langer Dauer. Sieben Minuten später: Ein Heber über Bayerns Verteidigung, ein patscherter Tritt vom gelbbelasteten Dante (der zu seinem und dem bayrischen Glück ebenfalls nicht ausgeschossen wurde) gegen Reus und Ilkay Gündogan blieb vom Elferpunkt ein ziemlich cooler 22-jähriger.

Aus Sicht der Borussen genügte das bedauerlicherweise nicht ganz, um ins Spiel auf Augenhöhe zurückzukehren. Die Kräfte schienen zuneige zu gehen. "Thomas Müller hat im Interview gesagt, er hatte Krämpfe. Dasselbe haben auch Marco Reus und Robert Lewandowski gesagt", bestätigte Jürgen Klopp diesen Verdacht.

Die Bayern brachen vor allem durch die Mitte immer wieder durch. Einmal musste Neven Subotic auf der Linie klären, zweimal Weidenfeller gegen Schüsse von David Alaba und Bastian Schweinsteiger abwehren.

Härten

Das Spiel wurde auch schmutziger und der Schiedsrichter übersah zuviele Mätzchen. Der Italiener hatte Glück, dass die Mannschaften das nicht weiter ausreizten, doch einiges hätte er unterbinden müssen. Nach einer Schwalbe von Ribery stänkerte der Franzose Kevin Großkreutz an und kam nur mit seiner längst überfälligen Gelben davon. Lewandowski schaltete sich dann auch kurz in dieses Spiel ein und stieg Jerome Boateng über den Knöchel - auch er hätte gehen müssen. Übrigens sagte Heynckes nach dem Spiel, die Verpflichtung des Polen werde "nicht mehr lange auf sich warten lassen".

Auch das Spiel sollte nicht mehr so lange dauern, wie in dieser Phase alle zu glauben begannen. In der 89. Minute behauptete Ribery den Ball gegen die Dortmunder Hintermannschaft, leitete ihn an den wieder durch die Mitte heranstürmenden Robben weiter und der Oranje ließ sich keine vierte Topp-Chance entgehen. Überlegt schob er den Ball an Weidenfeller vorbei und entledigte sich nach Niederlagen in einem Weltmeisterschafts- und zwei Champions League-Endspielen des "Loser-Stempels". Eine Befreiung.

Und der Mentalzustand der Dortmunder? "Was man einem Spieler da sagt? Unterschiedliche Dinge, das hängt vom Spieler ab", meinte Klopp. "Ich habe ihnen gesagt: Kopf hoch und wir werden zurückkommen". Er selbst brauchte "noch einen Moment, bis ich den Stolz auf meine Mannschaft wieder fühle, der in mir schlummert. Sie hat alles gegeben und ein großartiges Spiel gemacht". Das bestätigte ihm auch sein Widersacher Heynckes, als er ihm und seiner Mannschaft "ein großes Kompliment" aussprach, den Sieg aber natürlich als verdient bezeichnete, "aufgrund der zweiten Halbzeit".

Bayern am Weg zum Triple

Bayern lachte zweifelsohne als verdienter Titelträger für den Rest des Abends und muss für das mögliche Triple bis zum Cupfinale gegen Stuttgart vor allem wieder nüchtern werden. Robben, der von Alex Ferguson den "Mann des Spiels"-Award bekommen hat, verriet dazu: "Der Trainer hat etwas davon gesagt, dass morgen die Vorbereitung auf Stuttgart beginnt, aber das kann ich mir ehrlich gesagt nicht ganz vorstellen". Heynckes entwarnte nur kurz: "Jetzt ist erstmal feiern angesagt - heute". Die große Feier will der Coach lieber nach dem Cupfinale sehen.

Übrigens: Österreicher können auch am Feld stehen, wenn sie die Champions League gewinnen. (Tom Schaffer aus London, derStandard.at, 25.5.2013)

Finale Fußball-Champions-League:

Borussia Dortmund - FC Bayern München 1:2 (0:0). London, Wembley-Stadion, 86.298 (ausverkauft), SR Nicola Rizzoli (ITA).

Tore:
0:1 (60.) Mandzukic
1:1 (68.) Gündogan (Foulelfmeter)
1:2 (89.) Robben

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (92. Sahin), Gündogan - Blaszczykowski (91. Schieber), Reus, Großkreutz - Lewandowski

Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery (91. Luiz Gustavo) - Mandzukic (94. Gomez)

Gelbe Karte: Großkreutz bzw. Dante, Ribery

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Robben ...

  • ... Ribery, Heynckes,...
    foto: epa/peter kneffel

    ... Ribery, Heynckes,...

  • ... Alaba und Co sind Champions-League-Sieger 2013.
    foto: epa/tom hevezi

    ... Alaba und Co sind Champions-League-Sieger 2013.

  • Dortmund am Boden der Realität.
    foto: epa/peter powell

    Dortmund am Boden der Realität.

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