Raiffeisen: Grüner Riese als Gartenzwerg

Kommentar24. Mai 2013, 18:57
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Fall Stepic zeigt, wie schwer sich Raiffeisen mit Problemen im Management tut

Das muss bei den selbstbewussten Raiffeisen-Granden eingeschlagen haben: Die Offshore-Affäre von Herbert Stepic hat postwendend zu dessen Rücktritt geführt und in der Bank eine Führungslücke hinterlassen. Einen wie Stepic, der erst als "Außenminister"  das Osteuropageschäft aufbaute und dann die Regentschaft übernahm, ersetzt man nicht so leicht. Für den Generaldirektor ist der Abgang bitter, doch letztlich verdient der Schritt Respekt. In der Politik haben derartige Konsequenzen Seltenheitswert. Und auch in der Wirtschaft bringt man solche Zäsuren in der Regel still und leise über die Bühne, ohne die wahren Gründe für den Führungswechsel offenzulegen.

Stepic legt Wert auf die Feststellung, dass seine Immobilieninvestments Pojekt- und keine Offshore-Geschäfte waren. Tatsächlich ist es jeder Privatperson unbenommen, ihr Geld in Wohnungen oder andere Anlagen rund um den Globus zu stecken. Wahrscheinlich tun das auch viele Wohlhabende. Letztlich lautet die entscheidende Frage, ob die Profite korrekt versteuert wurden, was Stepic beteuert. Warum der Chef der Raiff­eisenbank International dann den Hut nehmen muss? Zumal die Bank selbst auf den britischen Jungferninseln, über die ein Investment von Stepic lief, eine Dependance unterhält?

Da haben die so auf Bodenständigkeit Wert legenden Genossenschafter dann doch die Zeichen der Zeit erkannt. Seit Wochen wird über Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung diskutiert. Und über die Rolle der Finanzindustrie bei den Umgehungskonstruktionen für die Abgabensünder. Gerade der grüne Riese mit seinen Moralansprüchen konnte und kann sich keine Führungsfigur leisten, die auf der Offshore-Leaks-Liste steht. Unabhängig von der Frage, ob Stepic ging oder gegangen wurde: Im Ergebnis hat seine Aussage, aus Verantwortung für Raiffeisen abzutreten, Gehalt. 

Kein Bankchef kann es sich heute noch leisten, wegen moralisch fragwürdiger Praktiken dauerhaft Schlagzeilen zu produzieren. Derer gab es in den letzten Monaten schon viele – zu viele. Bereits die Rückzahlung eines Teils seiner für 2012 kassierten Prämie war von keiner allzu harmonischen Begleitmusik gekennzeichnet. Ein privates Immobiliengeschäft in Serbien, in das die notverstaatlichte Hypo Alpe Adria und auch ein paar Offshore-Firmen involviert waren, wurde nun zwar formal nicht beanstandet, war aber auch nicht gerade vertrauensbildend. 

Generell zeigt das Phänomen Stepic aber auch, wie schwer sich die Eigentümer und Organe mit ihren Spitzenmanagern manchmal tun. Der Banker hatte die Weichen schon längst wieder auf Expansion gestellt, obwohl noch jede Menge Staatshilfe in der RBI steckt und die Kapitalausstattung der Bank nicht allzu üppig ist und mit allerlei (legalen) Luftbuchungen aufgebessert wurde. Mehr als Murren hinter vorgehaltener Hand war, etwa beim Kauf der Polbank im Vorjahr, nicht zu hören. Erst als die jüngsten Enthüllungen das Fass zum Überlaufen brachten, hat der Sektor reagiert.

Ähnlich lange wurde übrigens dem Aderlass bei der Uniqa oder bei der Raiffeisen Holding zugesehen. Das spricht nicht gerade für die Gover­nance von Raiffeisen. Die Granden haben den Spagat zwischen dezentraler Organisation und scharfer Kontrolle nicht geschafft. Die jetzige Problem­lösung mag Stepic zur Ehre gereichen, der grüne Riese steht entscheidungsmäßig wie ein Gartenzwerg da.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 25.5.2013)

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