ORF-General kauft US-Serien, Finanzchef sichert Vertrieb

24. Mai 2013, 18:49
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Wie immer Fernsehen künftig zum Publikum kommt: Gebührenfunk und Private müssten auf diesen Wegen gleiche Rechte haben, verlangt Richard Grasl. Der Finanzdirektor rät seinem ORF vom TV-"Bauchladen" ab. Sein Chef begutachtet unterdessen US-Serien

Wien - Hier begann einst eine Revolution, erinnerte Manfred Matzka die Konferenz deutschsprachiger Medienanstalten Freitag im Palais Niederösterreich. Thema: TV-Zukunft, abseits des Sendeschemas. Medienstaatssekretär Josef Ostermayer ließ sich von Sektionschef Matzka vertreten.

Auch ORF-General Alexander Wrabetz fehlte. Er ist ohnehin nicht gut auf Medienbehörden zu sprechen, seit sie ihm bescheinigten, dass ORF 1 und ORF 2 nicht so ausgewogen sendeten, wie das Gesetz vorschreibt. Immerhin: Bis Höchstgerichte darüber befunden haben, muss der ORF die Verdikte nicht in seinen Programmen verlesen. Wrabetz blieb noch bei den Verkaufsschauen für US-Serien in Los Angeles und ließ sich bei der Konferenz von Finanzdirektor Richard Grasl vertreten.

Grasl, lange Journalist, bemüht das griffige Bild von Autobahnen für alle Plattformen, auf denen Fernsehbilder heute und künftig zum Publikum kommen. Von Megaflatscreen bis Smartphone, zeitgleich, zeitversetzt auf Abruf.

Verkehrszeichen müssten "für alle gleich gelten"

Die Autobahnen und ihre Verkehrszeichen müssten "für alle gleich gelten" , verlangt Grasl. Auf dass nicht öffentlich-rechtliche Kanäle "auf Feldwegen" daherkommen müssen. Und dass nicht (US-)Konzerne wie Apple, Google, Amazon bestimmten, wer wie auf den Autobahnen unterwegs ist. Nicht zu vergessen die Maut: Der ORF wünscht sich gerade den Segen der Medienbehörde zu Werbung in seiner TVthek.

Inhaltlich differenziert Grasl: "Qualitativ hochwertigen Content" produzieren, da sehe er die Rolle der Gebührensender. "Mit einem Bauchladen voll Angeboten, die man überall auf allen anderen Plattformen früher, billiger, schneller abholen kann, wird es schwieriger werden." Kritik am ORF als Bauchladen mit möglichst allen Angeboten steht hinter der Beschwerde der Privatsender über das ORF-Programm vor den Medienbehörden.

Grasl sieht schon klare Unterschiede: "Bei uns diskutieren die Politiker, bei den Privaten kochen sie." Er spielt an auf das Vorwahlformat von Puls 4, wo Josef Bucher (BZÖ) Montag mit Hühnerbrust im Prosciuttomantel die Reihe "Rezept für Österreich" eröffnet.

Fernsehen abseits des Programmschemas stand im Fokus der Behördenkonferenz. Nur eine Sendung hatte in der TVthek bisher laut Grasl mehr Zugriffe als Livezuschauer: Frank Stronach in der ZiB 2. Das gewohnte lineare Fernsehen wird Abruf-TV noch lange nicht ein- oder überholen, da schienen TV-Macher und Berater übereinzustimmen.

Die Ideale der Revolution von 1848 brauchten ja auch noch viele Jahre zur Durchsetzung. (fid, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

Nachlese
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