Stepic stolpert über Steuerparadies

24. Mai 2013, 18:10
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Am Freitag um 10.05 Uhr erklärte Herbert Stepic den Journalisten den Grund für seinen Rücktritt

Es herrschte Mucksmäuschenstille in jenen fünf Minuten, um die sich Herbert Stepic am Freitagvormittag zu seinem letzten Auftritt als Generaldirektor der Raiffeisen Bank International (RBI) verspätet hatte. In der Früh war die Presse zum Zehn-Uhr-Termin in die RBI am Stadtpark eingeladen worden - kurz nach der Verlautbarung von Stepics " Rücktrittsangebot". Etwas mehr als 36 Stunden zuvor, Mittwochabend, war sein Engagement in Offshore-Gesellschaften, eine auf den Virgin Islands, eine in Hongkong, publik geworden; der Standard hat berichtet. Die Daten stammen vom Enthüllungsprojekt Offshore-Leaks.

Ab zehn Uhr also warteten Journalisten, Fotografen und Kameraleute beinah schweigend auf den Auftritt Stepics, der ungewöhnlich streng inszeniert war: Das Stehpult für Stepic war per Sperrband vom Publikum abgeriegelt, Fragen waren nicht zugelassen. Stepic kam, sprach und ging.

Die Geschäfte, wegen derer er unter Druck geraten ist, erklärte der Banker, der seit 40 Jahren für Raiffeisen arbeitet, wie bisher: Er habe mit in Österreich versteuertem Geld und Einkünften Investitionen "in echte Immobilien" in Fernost getätigt; abgewickelt wurden die 2006 und 2008 über die zwei "Projektgesellschaften", die daher auch "keine Offshore-Gesellschaften" seien. Und: "Ich habe nichts dagegen, diesen Sachverhalt den Behörden offenzulegen." Über Details sprach er am Freitag nicht; schon zuvor hat er Fragen danach - etwa, wie viel die drei Wohnungen in Singapur gekostet haben, wie er Erlöse aus einem Verkauf bzw. allfälliger Vermietung versteuert hat - nicht beantwortet.

Unter Druck geraten

Warum er nun seinen Hut nimmt: "Anhand der Berichterstattung wurde mir sehr bald bewusst, dass trotz dieses Sachverhalts eine Diskussion im Raum steht, die dem Ansehen meines Unternehmens massiv zu schaden droht" , so Stepic. Und: "Aus Verantwortung und Verbindung zu meiner Organisation biete ich alle meine Funktionen an." Sektorintern war zu hören, dass Stepic zunächst gar nicht rücktrittswillig war, nach 24 Stunden Diskussion habe er dann seinem freiwilligen Rückzug als " gesichtswahrendste Variante" zugestimmt.

Sektorintern ist der bullige und nimmermüde Banker, der Raiffeisen in Osteuropa groß gemacht hat, allerdings längst unter Druck geraten. Zuletzt ging es dabei, wie berichtet, um seine Gage: Die betrug für 2012 samt Aktienoptionsprogramm 4,9 Mio. Euro. RBI-Präsident Walter Rothensteiner soll erst bei Lektüre des Entwurfs des Geschäftsberichts darauf gestoßen sein. Stepic wollte von sich aus (sagt er) oder musste (sagen andere) zwei Mio. Euro zurückzahlen. Auch das Faktum, dass die Fusion von RZB und Raiffeisen International zur RBI ihm 2,8 Mio. Euro aus Vertragsabfertigungen brachte, wurde jetzt erst bekannt.

All das fand aber auf Terrain statt, das schon recht glitschig war. Denn im Herbst 2011 war herausgekommen, dass Stepic 2006, 2007 Privatgeschäfte in Serbien mit der Hypo Alpe Adria, gemacht hatte. Über einen Treuhänder hatte er mit Partnern (darunter ein Raiffeisen-Banker aus Moskau) einen Kredit für ein Immo-Projekt von 23 Mio. aufgenommen; der ist bis heute offen. Die Folgen sind bekannt: Die Aufsicht prüfte Stepics Fitness als Banker, er stieg aus dem Geschäft aus (lief über die zypriotische Enthusa), bei Raiffeisen schäumte man. Umso mehr, als damals auch bekannt wurde, dass der Raiffeisen-Boss eine Stiftung in Liechtenstein (Restem) unterhält.

Der Kredit rund um die Enthusa wird Hypo-intern noch immer untersucht; es geht u. a. um die Rolle der Ex-Enthusa-Partner bei einem anderen kaputten Kredit. Im Kreditausschuss war beim Fall Enthusa einst sogar die Frage "Organgeschäft" (Geschäft von Vorständen) aufgeworfen worden, sie wurde aber abgeschmettert. Laut Protokoll "wurde darauf hingewiesen, dass beim gegenständlichen Antrag lediglich das Kreditgeschäft zu prüfen ist". (Renate Graber, DER STANDARD; 25.5.2013)

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