EU beschließt "kleines" Pestizid-Verbot

24. Mai 2013, 18:21
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Den Einsatz dreier Insektengifte hat die EU-Kommission am Freitag teilweise verboten. Umweltschützern und Grünen ist dies zu wenig. In Österreich wären 80 Prozent der Anwendungen nicht betroffen

Brüssel/Wien - Er habe sich im letzten Monat "verpflichtet, mein Möglichstes für den Bienenschutz zu tun", erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag. Das "Möglichste" war ein Teilverbot von drei Pestiziden ab 1. Dezember 2013, das am Freitag von der EU-Kommission beschlossen wurde. "Clothianidin", "Imidacloprid" und " Thiametoxam" heißen die drei betroffenen "Neonicotinoide", kurz auch "Neonics" genannt.

Komplizierte Beschränkung

Und so kompliziert ihr Name ist - so kompliziert ist auch deren EU-weite Beschränkung. Denn die drei Pestizide dürfen zwei Jahre lang nicht beim Mais-, Raps-, Sonnenblumen-, Baumwolle-, Sommergetreide- und Kürbisanbau eingesetzt werden. Unter anderem Wintergetreide, Zuckerrübe, Karotten, Zwiebel sowie der Obst- und Weinbau sind von dem EU-Verbot aber nicht betroffen.

Nach zwei Jahren soll die Wirkung überprüft werden. Global-2000-Umwelttechniker Helmut Burtscher begrüßt das Teilverbot als ersten Schritt - betont aber, dass "80 Prozent der heimischen Neonics-Anwendungen vom EU-Verbot nicht erfasst werden". Und dass in Österreich auf einer Fläche von rund 500.000 Hektar nach wie vor Neonicotinoide ausgebracht werden dürfen.

Forderung nach kompletten Pestizidverbot

Global 2000 und Greenpeace fordern daher ein komplettes Pestizidverbot für alle Anwendungen. "Die Abgeordneten im österreichischen Parlament sind aufgerufen, ein vollständiges Verbot der drei Bienenkiller-Pestizide zu beschließen", forderte Landwirtschaftsexpertin Dagmar Urban für Greenpeace - während Burtscher für ein generelles Neonics-Verbot eintritt. Denn von denen sind eigentlich nicht nur drei, sondern insgesamt fünf in der österreichischen Landwirtschaft im Einsatz.

Auf politischer Ebene "freute" sich SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach über das Teilverbot, "wünschte" sich "eine möglichst rasche Umsetzung in Österreich" - und forderte "langfristig" ein "absolutes und dauerhaftes Verbot von Pestiziden, die Bienen nachweislich schädigen".

SPÖ und ÖVP auf der "Zuschauerbank"

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP), der auf EU-Ebene gegen das Neonics-Verbot gestimmt hatte, erklärte nun, er werde die Kommission beim Verbot "unterstützen". Für darüber hinausgehende österreichische Beschlüsse sei er "offen", wenn's "einen breiten Konsens" gibt.

"SPÖ und ÖVP sitzen beim Bienenschutz auf der Zuschauerbank", reagierte Wolfgang Pirklhuber von den Grünen. "Es ist blamabel, dass die EU uns zwingen muss, Bienenschutz zu betreiben. Die ÖVP hat die Gefährlichkeit der Neonicotinoide geleugnet und wissenschaftliche Befunde verzerrt wiedergegeben." Und das sei von der SPÖ aus "Koalitionsräson" gedeckt worden. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

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    Erwischen Bienen beim Pollensammeln Pestizide, kann dieser Kontakt für sie tödlich sein.

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