Viele Baustellen im Raiffeisen-Reich

24. Mai 2013, 17:52
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Als träfe der Abgang von RBI-Chef Stepic den grünen Riesen nicht hart genug, gibt es noch andere Führungsprobleme

Eigentlich hat Raiffeisen die Wachablöse gerade hinter sich. Doch Christian Konrad ist auch nach seiner "Pensionierung" als Raiffeisen-Generalanwalt die graue Eminenz geblieben. Sein Nachfolger Walter Rothensteiner hat die wesentlichen Bankagenden in die Hände von Herbert Stepic gelegt, der wiederum eine große Lücke hinterlässt. Schon bei der Fusion von Raiffeisen Zentralbank mit Raiffeisen International wurde Stepic zum General gekrönt, weil er das Institut in Osteuropa groß gemacht hat - und keiner das Bankgeschäft mit all seinen Finessen und Seilschaften in der Region so im kleinen Finger hat wie der nun abtretende Chef.

Als träfe der Stepic-Abgang den grünen Riesen nicht hart genug, gibt es auch noch andere Führungsprobleme im Sektor. Zuletzt sorgte vor allem Erwin Hameseder für Schlagzeilen, der seinen Porsche bei Schneefahrbahn mit Sommerreifen zerlegte. Als der Standard in Erfahrung gebracht hatte, dass der Obmann der Raiffeisenholding Niederösterreich-Wien den Schaden bei der hauseigenen Uniqa-Gruppe angemeldet hatte, in deren Aufsichtsrat er sitzt, war intern Feuer am Dach. Nach auffällig kurzer Prüfung meldete die zur Uniqa zählende Raiffeisen Versicherung, dass Hameseder keine Leistung zustehe.

In der Holding läuft auch sonst nicht alles ganz glatt. Einige Beteiligungen machen seit geraumer Zeit Verluste. Den Plakatriesen Epamedia, der der Gruppe seit Jahren auf der Tasche liegt, wurde man nur mit neuerlichen Belastungen los. Die Molkerei Nöm kämpft nun schon seit Jahren mit Verlusten einer britischen Tochter.

Erstmals Verluste

Das sorgte in der Holding im Geschäftsjahr 2012 erstmals für Verluste. Dazu kommen noch Razzien bei Nöm und Kartellstrafen bei der Mühlengruppe Leipnik-Lundenburger, wo Ex-VP-Vizekanzler Josef Pröll die Probleme geerbt hat. Die - so wie rund 700 andere Beteiligungen mit 160.000 Mitarbeitern - ebenfalls zur Holding zählende Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien musste beim Verkauf einer Beteiligung in Ungarn einen Verlust von 80 Millionen realisieren. Medial macht Holding-Chef und Hameseder-Nachfolger Klaus Buchleitner auch die Swap-Affäre zu schaffen, die wegen des von St. Pölten und Bruck an der Leitha geführten Prozesses breitgetreten wird.

Das sind alles keine erfreulichen Entwicklungen für die so auf Bodenständigkeit bedachte Genossenschaft. Auch politisch hatte es die Gruppe schon leichter. Neben dem Dauerfeuer der FPÖ - sie unterhält die Homepage: "Das Netzwerk der Giebelkreuz-Krake" - lässt ausgerechnet die Obdachlosen-Zeitschrift Augustin nicht locker, die eine Endlosserie samt " Schwarzbuch Raiffeisen" publiziert. Dort werden recht bunt gemischte Themen vermengt: Der Einfluss auf die Medien gehe weit über die Beteiligungen an Kurier und News-Gruppe hinaus, weil man durch Kreditvergabe und Inserate auch Zeitungen ohne direkten Anteil in der Hand habe. Angebliche Bank-Abenteuer in Osteuropa, Landgrabbing, Subventionen oder Steuervermeidung dank Gruppenbesteuerung werden ebenso thematisiert. Und da wäre natürlich noch die enge Verbindung zur ÖVP, insbesondere zum Bauernbund. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer bilde Raiffeisen eine Dreifaltigkeit, die auf Engelbert Dollfuß zurückgehe, schreibt Schwarzbuch-Autor Lutz Holzinger, der Ähnliches auch schon in der Volksstimme publiziert hat.

Problembewältigung im Hintergrund

Raiffeisen spricht öffentlich nicht über diese Themen. Man ist es gewohnt, Probleme nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Hintergrund zu lösen. Entsprechend unangenehm ist es für die Organisation, dass die jüngsten Eskapaden medial ausgetragen wurden. Der Fall Herbert Stepic war der letzte Höhepunkt in einer Kette an unerquicklichen Ereignissen. Christian Konrad und Walter Rothensteiner sollen darüber gar nicht erfreut sen. Sie haben sich nach den im Vorjahr getroffenen Weichenstellungen ruhigere Zeiten erwartet.

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    Um 10.15 Uhr war der Auftritt beendet. Stepic verließ den Konferenzraum, ohne Fragen zu beantworten. Am Montag soll sein Nachfolger ernannt werden.

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