Der Film entsteht im Oberstübchen

24. Mai 2013, 18:28
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Mitreißende argentinische "Cineastas" gastieren bei den Festwochen

 Wien - Zwei Guckkästen in Cinemascopeformat stehen ordentlich übereinandergestapelt im Brut: Unten wird gelebt und gearbeitet, oben läuft dazu ein Film ab. Drei Darsteller und zwei Darstellerinnen wechseln hundert Minuten lang zwischen diesen beiden Raum- und Darstellungsebenen. Sie verkörpern die Cineastas, die Filmemacher und -macherinnen aus Buenos Aires, welche die Helden von Mariano Pensottis gleichnamiger Bühnenarbeit sind. Die fünf spielen (und tanzen) außerdem die Figuren jener Filme, mit deren Realisierung der kommerziell erfolgreiche "Liebling" der argentinischen Kinowelt Gabriel, die konzeptuelle Dokumentaristin Mariela, die bereits in Cannes prämierte Indie-Regisseurin Nadia und der radikale Teilzeitfilmer Lucas gerade befasst sind. Und sie begleiten das Geschehen oben wie unten abwechselnd als Live-Kommentatoren.

In der Wiedergabe klingt das viel komplizierter, als es ist. Das Stück, das mit seinen handelnden Personen auf die jüngste "Welle" des argentinischen Films anspielt, die Generation einer Lucrecia Martel oder eines Daniel Burman, führt die vier Protagonisten, ihr Umfeld und ihre Projekte der Reihe nach ein. Im weiteren Verlauf verdichten sich Zusammenhänge zwischen Leben und Einzelwerk, beginnen Motive - so wie die Schauspieler - zu zirkulieren. Es geht um die Generationen, um Verluste und Gespenster aus der Vergangenheit, und vor allem darum, wie Leben und Werk ineinandergreifen: Der todkranke Gabriel fügt heimlich Autobiografisches in seinen Film, gleichzeitig wird sein Hauptdarsteller auch im Leben sein engster Vertrauter.

In der verschränkten, verdichteten Form, die Pensotti seinerseits gewählt hat, spiegeln sich solche Konstellationen ein weiteres Mal. Tatsächliche Filmzuspielungen gibt es nur am Rande. "Filmisch" ist hier eine Frage der Darstellungsweise. Wie dynamisch das Ensemble - Horacio Acosta, Elisa Carricajo, Valeria Lois, Javier Lorenzo, Marcelo Subiotto - dabei agiert, das ist beeindruckend und vor allem mitreißend. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

Brut im Künstlerhaus, 25., 26.5., 20.00

  • Gabriel (Javier Lorenzo, u.), der ein "Archiv des Alltags" anlegt.
    foto: bardel

    Gabriel (Javier Lorenzo, u.), der ein "Archiv des Alltags" anlegt.

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