Island will Kapitalverkehr wiederbeleben

24. Mai 2013, 15:06
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Jahre nach dem Kollaps will Island die Kapitalverkehrskontrollen aufheben und sucht eine Lösung für das Vermögen von Ausländern

Reykjavik/Brüssel - Nach der Parlamentswahl von Ende April hat Island seit Donnerstag eine neue Regierung. Neuer Ministerpräsident ist der 38-jährige Sigmundur David Gunnlaugsson von der liberalen Fortschrittspartei. Die Partei unterschrieb am Mittwoch eine Koalitionsvereinbarung mit der konservativen Unabhängigkeitspartei.

Darin kündigten die Koalitionspartner ein Referendum über einen Beitritt Islands zur Europäischen Union an. Bis dahin werden die Beitrittsverhandlungen demnach ausgesetzt. Die beiden Parteien hatten bei der Wahl am 27. April einen klaren Sieg errungen. Die Sozialdemokraten der scheidenden Regierungschefin Johanna Sigurdardottir erlitten eine deutliche Niederlage.

Währungsgeschäfte in Gang bringen

Sigmundur David Gunnlaugsson will nun Jahre nach dem Finanzkollaps seines Inselstaates die Währungsgeschäfte wieder von der Leine lassen, wie er im Interview mit dem Wall Street Journal kundtut. Bisher können Ausländer wegen der vorherrschenden Kapitalverkehrskontrollen nur begrenzt isländische Kronen von ihren Konten abheben, Ansprüche gegen zusammengebrochene Banken geltend machen oder Aktien neuer Banken verkaufen.

"Wir würden die Kapitalkontrollen gern so schnell wie möglich aufheben", sagte Gunnlaugsson der Zeitung. Diese Regierung wird sich darauf konzentrieren." Zunächst müsse eine Lösung für die Vermögen von Ausländern in Island gefunden werden, fügte er hinzu.

Lösung für ausländische Gläubiger gesucht

Einst war im Gespräch, diese Vermögen zumindest teilweise zu verstaatlichen. Gunnlaugsson wollte zwar mit Blick auf diese Ideen nichts ausschließen, betonte aber, dass es eine für ausländische Gläubiger faire Lösung geben müsse.

2008 stand das 320.000-Einwohner-Land noch am Rande des Staatsbankrotts. Die Insel war das erste Land, das massiv von der Finanzkrise getroffen wurde. Im Gefolge der Lehman-Pleite waren die drei Großbanken des Landes zusammengebrochen. Noch wenige Monate zuvor hatten die isländischen Banken im Ausland kräftig expandiert. Anfang 2008 war die Bilanzsumme der drei größten Geschäftsbanken zehnmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt Islands.

Die alten Eliten sind zurück

Im Herbst desselben Jahres konnten die Finanzinstitute nur noch durch Notverstaatlichung vor dem endgültigen Kollaps gerettet werden. Fünf Jahre danach hat sich das Land überraschend schnell erholt. Dennoch straften die Bürger heuer die rot-grüne Regierung und ihren harten Sparkurs ab und kehrten zu den Parteien zurück, die die massive Krise mitverursacht hatten.

Die Unabhängigkeitspartei und die Fortschrittspartei hatten vor zehn Jahren die Liberalisierung des Bankensektors vorangetrieben. Vor allem britische und dänische, aber auch deutsche Sparer wurden von hohen Renditen angelockt. Doch als durch die Krise in den USA frisches Geld auf den internationalen Märkten teurer wurde, brachen die isländischen Kreditinstitute innerhalb weniger Tage zusammen. (rb, derStandard.at, 24.5.2013)

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    Ob es nun am Inselstaat wieder steil bergauf geht, bleibt abzuwarten.

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