Mit "bunten Truppen" zu höheren Renditen

    24. Mai 2013, 17:08
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    An der FH Salzburg wurde ein Mentoring-Programm entwickelt, das die Zusammenarbeit interkultureller Teams verbessern soll

    Die Südeuropäer wollten ausführliche Texte und viele Bilder, das war den Briten zu wenig kompakt; die Spanier forderten lange Mittagspausen, während die Finnen schon während eines kurzen Lunchs den Plan für den Nachmittag besprechen wollten; die Aufzählung ginge noch lange weiter. Das Problem, auf das die Beteiligten des EU-Projekts mit dem Ziel der Ausarbeitung eines Handbuchs zur interkulturellen Zusammenarbeit stießen: eben interkulturelle Zusammenarbeit.

    Die Lösung war schlussendlich, unterschiedliche Handbücher zu erstellen. Gleicher Inhalt, andere Aufmachung. Und diese Erkenntnis, so sagt Gabriele Abermann, Projektverantwortliche und Leiterin des International Office der Fachhochschule Salzburg, sei im Grunde der Schlüssel für die Arbeit in "gemischten Teams" und "bunten Truppen" - sei es für Projektarbeiten, an der Hochschule oder in Unternehmen.

    Im Rahmen dieses EU-Projekts mit dem Namen "Skill2E" wurden zwei Konzepte entwickelt: Erstens ein Programm für Studierende der Fachhochschule Salzburg, die Praktika im Ausland machen. Es soll ihnen dabei helfen, sich besser in den dortigen Arbeitsalltag einzufinden und ihre Sensibilität zu schulen, um kulturelle Unterschiede in der Unternehmenspraxis wahrzunehmen. Zweitens ein Mentoring-Programm für Firmen, um neue Kollegen oder Praktikanten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen schneller integrieren zu können.

    Mehrwert erkennen

    "Der Output aus Unternehmenssicht ist klar - in gemischten Teams können durch die unterschiedlichen Perspektiven weitaus kreativere Lösungen gefunden werden", sagt Abermann. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company zeigt, dass die Firmen mit der größten Vielfalt im Vorstand in den Jahren zwischen 2008 und 2011 rund 53 Prozent höhere Kapitalrenditen und 14 Prozent höhere Betriebsergebnisse erzielten. " Österreichische Unternehmen erkennen den Mehrwert derzeit noch viel zu wenig."

    Bevor die Arbeit in gemischten Teams jedoch funktioniert, braucht es vor allem ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Kommunikations- und Konfliktstile. Man müsse sich als Gruppe Zeit nehmen, um sich zu finden, bevor die Vielfalt genutzt werden kann. Genau da soll das Mentoring-Programm ansetzen, das Abermann nun gemeinsam mit dem IT-Unternehmen Copa-Data erstmals in die Praxis umsetzen wird. Es gäbe aber auch schon weitere Interessenten wie beispielsweise Porsche und Spar.

    Das "Sensibilisierungstraining" umfasst drei Phasen. In der ersten werden Freiwillige rekrutiert, die dann an mehreren Tagen unterschiedliche Übungen machen. So wird die Gruppe beispielsweise in zwei Teile geteilt. Ein Teil wird aus dem Übungsraum geschickt; diese Personen wissen nicht, was auf sie zukommt, außer, dass alle eine gemeinsame Aufgabe haben - das soll das Gefühl simulieren, in Arbeitsteams eines unbekannten Kulturkreises zu stoßen. Die zweite Gruppe bekommt ein Puzzle mit Lösung und hat die Aufgabe, es den anderen zu erklären, ohne dann bei der Umsetzung einzugreifen.

    "Diese Übung fördert einerseits das Teambuilding und offenbart andererseits, wie sich die unterschiedlichen Mitglieder organisieren und welche Strategien letztendlich erfolgreich sind", sagt Abermann. Pauschal gesprochen zeige sich dabei beispielsweise, dass Amerikaner eher praktisch orientiert seien, während westliche Europäer eher Modelle herausarbeiten würden.

    Ausbildung eines Mentors

    Der zweite Schritt ist die Ausbildung eines Mentors im Unternehmen. Er soll ein ständiger Ansprechpartner für neue Kollegen oder auch Mitarbeiter im Außendienst sein, die oft mit Menschen aus anderen Kulturen zusammentreffen. "Ein Geschäft kann oftmals nicht zustande kommen, weil man sich in den Augen des Geschäftspartners nicht entsprechend verhält, es also zu einem kulturellen Missverständnis kommt" , sagt Abermann. Die dritte Phase umfasst dann die Umsetzung des Mentoring-Programms inklusive begleitender Reflexion und laufender Evaluierung.

    Wichtig sei, dass Unternehmer verstehen, dass Interkulturalität auch gar nicht zwangsläufig etwas mit der Zusammenarbeit von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zu tun haben muss. Unter Kultur ist hier vielmehr eine Gruppe mit verschiedenen Werten zu verstehen - die kann es auch zwischen der Sales- und Marketingabteilung oder schlicht zwischen Mann und Frau geben. Manchmal stoße aber auch Abermann an ihre Grenzen: " Menschliches Verhalten kann natürlich auch gar nichts mit der Kultur zu tun haben, sondern einfach persönlich bedingt sein." (Katharina Mittelstaedt, ManagementStandard, 25./26.5.2013)

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