Peter Kern entfacht im Kino das "Diamantenfieber"

24. Mai 2013, 17:22
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Das neuest Werk des Wiener Schauspielers und Regisseurs teilt mit frühreren Filmen den Glauben an die Kraft der Randständigen und der Jugend

Wien - Der Titel erinnert an Rififi, das populäre Kino und die Schlagerwelt vergangener Jahrzehnte. Weil Diamantenfieber oder Kauf dir lieber einen bunten Luftballon der neue Kinospielfilm von Peter Kern ist, liegt man mit diesen Assoziationen sogar ein bisschen richtig. In den vergangenen Jahren hat der Wiener Schauspieler und Regisseur unbeirrt pro Jahr mindestens ein Projekt in die Tat umgesetzt. Die relative Dichte dieses Outputs bringt es allerdings mit sich, dass nicht jede Arbeit für sich überzeugt, sich dafür aber ein Werk mehr und mehr ausprägt.

Diamantenfieber etwa teilt mit früheren Filmen die Sensibilität fürs Musikalische (Schlager, Pop oder große Oper), den Hang zur Kolportage, den Glauben an die Kraft der Randständigen und der Jugend - Gossenkinder und Wohlstandsverwahrloste, die sich nehmen, was sie zum Überleben brauchen - und nicht zuletzt auch den Kameramann Peter Roehsler, der die Szene immer wieder in ausladenden Kranfahrten erfasst oder buchstäblich überhöht.

Hans (Johannes Nussbaum) tritt gleich zu Beginn als ein "Straßenjunge" in Erscheinung, der einen Innenstadtjuwelier um eine teure Uhr und die Kette einer reichen Kundin bringt. Letztere sieht es gelassen - das Geschäft wird wohl versichert sein. Hans, der Dieb, hat existenzielle Motive: Er versorgt vier kleine Geschwister und eine bettlägerige Oma im Gemeindebau. Auch ohne das zu wissen, schenkt ihm die unglückliche Tochter der Bestohlenen umgehend ihre Sympathie.

Das Schwungvolle, Märchenhafte des Anfangs gerät aber bald ins Stocken. Ein gerissener Onkel tritt in Gestalt von Josef Hader auf den Plan, der Fokus verlagert sich auf eine doppelte Intrige - Betrüger werden selbst betrogen, das Gute siegt.

Wirkungsvoller bleiben aber einzelne Sequenzen: eine gewitzte Intervention während des 1.-Mai-Aufmarschs vorm Wiener Rathaus, ein schamloses Ablenkungsmanöver beim Hemdenklau, halb improvisiert wirkende Kinderszenen. Und ein jugendlicher Hauptdarsteller, der für seine Leistung im März auch gleich mit dem Diagonale-Schauspielpreis belohnt wurde. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

  • Ein Straßenjunge, der echte Street Art schätzt: Hans (Johannes Nussbaum), jugendlicher Held von Peter Kerns "Diamantenfieber".
    foto: polyfilm

    Ein Straßenjunge, der echte Street Art schätzt: Hans (Johannes Nussbaum), jugendlicher Held von Peter Kerns "Diamantenfieber".

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