Neue Ansätze zur Glioblastomtherapie

24. Mai 2013, 14:41
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Wissenschaftler versuchen die Blockade des Immunsystems zu durchbrechen

Glioblastome zählen zu den bösartigsten Hirntumoren. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie haben Betroffene häufig nur eine geringe Überlebenszeit von ein bis zwei Jahren. Wissenschaftler und Kliniker suchen deshalb nach neuen Möglichkeiten, diese Hirntumore besser behandeln zu können.

Michael Platten, vom Universitätsklinikum Heidelberg hat einen neuen Stoffwechselweg in besonders aggressiven Glioblastomen entdeckt. Mit seinem Team konnte der Neurologe und Forscher in Krebszellen von Mäusen und Patienten zeigen, dass die Aminosäure Tryptophan – ein überall im Körper vorkommender und mit der Nahrung aufgenommener Proteinbaustein – im Mikromilieu von Glioblastomen zu so genannten Kynureninen abgebaut wird.

"Diese Kynurenine lähmen das Immunsystem und hindern es daran, gegen den Tumor vorzugehen", erläuterte Platten auf der Tagung "Brain Tumor 2013" im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. Sie aktivieren darüber hinaus den Dioxinrezeptor, der eine Kaskade in Gang setzt, die letztlich das Wachstum der Glioblastome ankurbelt. Die Heidelberger Forscher identifizierten auch das Schlüsselenzym, das Tryptophan zu Kynureninen abbaut.

"Unsere Arbeiten zeigen zwei mögliche Angriffspunkte für neue Therapien", sagte Platten. Zum einen wollen wir das Schlüsselenzym TDO blockieren, um zu verhindern, dass es Tryptophan zu Kynureninen abbaut. Inhibitoren dieses Schlüsselenzyms sind in der präklinischen Entwicklung." Zum anderen suchen Platten und seine Mitarbeiter nach Substanzen, die in der Lage sind, den Dioxinrezeptor zu blockieren.

Klinische Studie für Impfung

Doch nicht nur die Hemmung des fatalen Stoffwechsels von Tryptophan im Tumorumfeld haben die Forscher im Auge. Sie arbeiten auch an der Entwicklung einer Impfung gegen Vorstufen von bestimmten Glioblastomen, den niedergradigen und anaplastischen Astrozytomen. In diesen Tumoren ist das Protein Isozitratdehydrogenase 1 häufig verändert. Die Mutation besteht darin, dass eine Aminosäure ihren Platz wechselt. Dieses mutierte Protein ist dann in allen Tumorzellen nachweisbar, nicht aber in anderen Körperzellen.

Platten und seine Mitarbeiter konnten zeigen, dass das Immunsystem bei einigen Patienten mit Astrozytom das mutierte Protein erkennt und spezifische Abwehrzellen aktiviert und Antikörper bildet. Bei Mäusen löste eine Impfung gegen das mutierte Protein eine gezielte Reaktion des Immunsystems aus und stoppte das Wachstum der Tumoren. In Berlin wies  Platten in diesem Zusammenhang darauf hin, dass seine Abteilung für Neuroonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg und das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen am DKFZ im Rahmen des Deutschen Konsortiums für translationale Krebsforschung (DKTK) eine klinische Studie zur Impfung von Patienten mit Astrozytomen vorbereitet, deren Krebszellen diese Mutation haben. (red, 24.5.2013)

 

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