High Noon unter den Pappeln

24. Mai 2013, 14:13
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In Mattersburg steigt am Sonntag jenes Abstiegsduell, das die Protagonisten unbedingt vermeiden wollten

Mattersburg - Das zu vermeiden war das Anliegen der beiden. Es ist misslungen. Am Sonntag werden Franz Lederer (49) und Dietmar Kühbauer (42) im Pappelstadion voreinander stehen, tief in die Augen sehen, kehrt machen und gemessenen Schrittes die vorgeschriebene Distanz abschreiten. Du oder ich, heißt's dann unter den Mattersburger Pappeln. Tertium non datur, wie der Ballesterer sagt: Was Drittes gibt es nicht.

Na ja: für Franz Lederer schon, dem würde ein Punkt reichen. Aber auf den wurde - so schaute es jedenfalls aus - schon am Mittwoch bei der Austria gehofft. Nur hat man dabei vergessen, Tormann Thomas Borenitsch mitzunehmen. An seiner Stelle spielte dessen Gespenst. Aber von Goalie-Problemen möchte Franz Lederer seinem ehemaligen Schützling eh nichts erzählen, der kiefelt am Kreuzbandriss seines Einsers Jürgen Macho.

Fäden zwischen Lederer und Kühbauer

Interessant - bis brisant - wird das Mattersburger Finale nicht nur durchs Eingemachte des jeweils greifbar gewordenen Abstiegs. Mattersburgs Franz Lederer und Admiras Dietmar Kühbauer verbinden unzählige Fäden, die vom langen Kennen bis zur Trainer-Spieler-Beziehung reichen, die freilich so einfach auch nicht beschrieben werden kann.

Es wäre wohl nicht ganz abwegig, behaupten zu wollen, dass weniger der Mattersburg-Kicker Kühbauer von Lederer das Kicken, sondern umgekehrt Lederer von Kühbauer das Trainieren gelernt hat. Jedenfalls zum Teil, immerhin stieß das kleine, zuweilen sehr rumpelstizoide Häferl, 2002 heim in eine ambitionierte Zweitligamannschaft, in welcher der von einem Kreuzbandriss aus einer unterklassigen Spielertrainerkarriere geworfene Lederer seit kurzem den Co des Werner Gregoritsch gegeben hat.

Internationale Erfahrung

Kühbauer hatte damals eine internationale Laufbahn hinter sich, kickte nach seinem Europacupfinale 1996 mit Rapid in der spanischen und deutschen Liga, wo ihm klarerweise auch die Trainingsweisen der, wenn schon nicht ganz großen, so doch eindeutig größeren Welt vertraut gemacht wurde.

Dietmar Kühbauer ist zweifellos der Größte im ballesterischen Mattersburg. Eine Größe, die zuweilen - so hört man da und dort - nur darunter leidet, dass er sich ihrer zu häufig gewiss ist. Das ausgeprägte Gerechtigkeitsempfinden, das ihm außerhalb von Schiedsrichterkabinen gerne zugutegehalten wird, braucht ja ein starkes Selbstbewusstsein. Eines, das Franz Lederer sich erst hart hat erarbeiten müssen. Begierig lernte er von Werner Gregoritsch, dessen Nachfolger Mushin Ertugral und von Ex-Bremens Thomas Schaaf, bei dem er hospitierte.

Europacup und Überlebenskampf

Das fruchtete. Unter den finanziell wie personell gegebenen Bedingungen - in Mattersburg hatte man sich immer schon nach der Decke zu strecken - hielt er den Klub im Oberhaus. Mit Kühbauer spielte man zweimal, 2006, 2007, im Europacup. Danach bloß noch ums nackte Überleben, wobei man aber die mittlerweile gerühmten Mattersburger Tugenden entwickelte - nein: nicht holzen, sondern cool bleiben. So wie es alle John Waynes dieser Welt sind.

Die Sonne wird nicht von einem arizonaheißen Himmel brennen. Kühbauer und Lederer werden gleichwohl heiß sein unter der ostentativen Bogart-the-Cigarillo-Coolness eines Clint Eastwood. Sonntag, 16 Uhr, Pappelstadion: High Noon mit bangen Seitenblicken nach Graz und Wolfsberg, wo Wiener Neustadt und Innsbruck ja mitschießen im Abstiegsduell. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 24.5.2013)

SV Mattersburg - FC Admira Wacker Mödling (Mattersburg, Pappelstadion, SR Schörgenhofer). Bisherige Saisonergebnisse: 1:5 (a), 3:0 (h), 0:1 (a)

Mattersburg: Borenitsch - Farkas, Majstorovic, A. Pöllhuber, Mravac - Höller, Prietl, Lovin, Röcher - Naumoski, Bürger

Ersatz: Dau - Steiner, Potzmann, Rodler, Gartner, Mörz, Spuller, Klemen

Es fehlen: Rath, Doleschal, Malic, Seidl, Novak (alle verletzt)

Admira: Tischler - Auer, Drescher, Ebner, Palla - Mevoungou - Seeger, Thürauer, Schwab, Jezek - Ouedraogo

Ersatz: Leitner - Schösswendter, T. Weber, Pranjic, Sax, Segovia

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    Mattersburger Urgesteine 2006 im offenen Dialog: Spieler Kühbauer unterhält sich angeregt mit seinem Coach Lederer.

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