Sternenloses Nächtigen mit Pomp und Trara

24. Mai 2013, 17:07
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Seit wenigen Tagen gibt es in Wien im Bereich Budget-Luxury Zuwachs: Das Hotel 25hours ist nun mit 220 Zimmern in Vollbetrieb

Dass sich Hotels beziehungsweise Hotelketten der Kategorisierung durch die europäische Hotrec Hospitality Europe entziehen, ist nichts Neues. Laut Wirtschaftskammer Österreich lässt sich hierzulande nur jeder zweite Beherbergungsbetrieb klassifizieren. Relativ neu hingegen ist der weltweite Trend, einen Bogen zwischen Zwei-Sterne-Standard und Fünf-Sterne-Ambiente zu spannen, wie es die 2000 gegründete Motel One GmbH vormacht. Zuletzt wurde die Low-Budget-Hotelkette mit dem Deutschen Servicepreis 2013 ausgezeichnet.

Was eine Hotelkette kann, das bringt auch ein Privathotelier zustande. Zu den bekanntesten Beispielen in Österreich zählen das Hotel Daniel Graz (2005), das Hotel Daniel Wien (2011) sowie das im Mai 2011 eröffnete Hotel 25hours in der Wiener Josefstadt. Zunächst war das Huckepack-Hotel, das auf dem Dach eines Studentenheims errichtet wurde, in einer Minimalvariante mit 34 Suiten in Betrieb. Doch nun, nachdem die Kommilitonen ausgezogen sind und der 1969 errichtete Bestand saniert und umgebaut worden ist, wartet das sternenlose Hotel nach Ende der zweiten Bauphase mit insgesamt 220 Zimmern auf. Vor wenigen Tagen fand die feierliche Eröffnung statt.

Design ohne Sterne

"Wir brauchen keine Sterne", meint Daniel Jelitzka. Der Geschäftsführer des auf Wohnimmobilien spezialisierten Unternehmens JP Immobilien ist Eigentümer und Errichter des Hotels und verpachtet das Gebäude an die Hamburger 25hours Hotel Company. "Wir definieren uns über günstige Preise und unverwechselbares Designkonzept. Unsere Kunden sind in der Lage, sich selbst ein Bild dieses Hotels zu machen, auch ohne Kategorisierung."  Jelitzka selbst spricht von "Budget Deluxe".

"Der gehobene Standard im Hotelzimmer wird von vielen gar nicht mehr erwartet", meint Jelitzka. "Studien belegen, dass die Reisenden immer weniger Zeit in ihren Zimmern verbringen. Schlafen ist nur noch Nebensache."

Das schlägt sich auch auf die Zimmergröße nieder. Mit 18 bis 20 Quadratmetern sind die Standardzimmer unterdurchschnittlich dimensioniert. Doch dafür wartet das 25hours mit einer aufsehenerregenden Lobby im Käfig-Look (Aufschrift "Bitte nicht füttern"), mit einem großen, attraktiven Restaurant (Slogan "Fuck it, eat Pizza!") und sogar mit einem eigenen Spa-Bereich auf. Letzterer mit jeder Menge Blechgeschirr und von der Decke abgehängten Schaukelstühlen.

Möbel vom Flohmarkt

Hinter der gestalterischen Frische verbirgt sich ein komplexes Technik- und Logistikkonzept. "Das Schwierigste bei so einer Sanierung ist der Umbau bei laufendem Betrieb", erklärt Markus Ka­plan, zuständiger Projektleiter bei BWM Architekten. "Im Gegensatz zu jeder anderen Baustelle muss man dafür sorgen, dass der Hotelbetrieb niemals unterbrochen wird und dass die Gäste auch während der Bauzeit einen gewissen Komfort genießen."

80 Prozent Auslastung sind im ersten Jahr geplant. "08/15-Hotels gibt es in Wien schon zur Genüge", so Jelitzka. "Doch das 25hours ist kein billiger, gesichtsloser Neubau, sondern ein Haus mit Charakter."  Drei Bühnenbildner, so heißt es, seien monatelang dafür bezahlt worden, durch Europa zu touren und die größten und bekanntesten Flohmärkte nach Möbel und Accessoires zu durchsuchen.

Fazit: 30 Millionen Gesamtinvestitionskosten für Bauphase 1 und 2. Mit einem Investment von rund 140.000 Euro pro Zimmer ist das 25hours für den Investor allerdings alles andere als Budget – schon eher Deluxe. Doch das nächste sternenlose Hotelprojekt ist bereits in Entwicklung. Unweit des derzeitigen Hotels plant JP Immobilien ein weiteres Budget-Deluxe-Haus mit 100 Zimmern. Ende des Jahres werden die Details bekanntgegeben. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

  • Komfort, ohne tief in die Tasche zu greifen? Der wahre Luxus in den neuen Budget-Luxury-Hotels liegt außerhalb der Hotelzimmer - wie hier im Spa-Bereich im neu eröffneten 25hours in Wien.
    foto: 25hours

    Komfort, ohne tief in die Tasche zu greifen? Der wahre Luxus in den neuen Budget-Luxury-Hotels liegt außerhalb der Hotelzimmer - wie hier im Spa-Bereich im neu eröffneten 25hours in Wien.

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