Bushido, geh di' braus'n!

Glosse25. Mai 2013, 12:05
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Weil ich für eine Plattform schreibe, die dem Migrantischen und dem Integrativen verpflichtet ist und weil ich ein Migrant bin und integriert, will ich heute auch meinen Senf zum Thema "Bushido" ablassen

Weil es jeden integrierten Migranten beleidigen sollte und unseren Verstand allemal, dass er eine Integrationsikone sein soll! Ja, auch mir darf der integrierte Kragen platzen!

Ich will sagen warum Anis Mohamed Youssef Ferchichi nicht verdient das Pseudonym "Bushido" zu führen, warum sein "Bambi" für Integration elf zählt, warum Herr Ferchichi alles Mögliche ist, nur nicht integriert und warum daStandard.at und seine Leser den Bambi für Integration verdienen, aber nicht brauchen. Und wenn ich das alles sage, na dann geht´s m´a nachher eh besser.

Die Ehre der Strizzis

Selbstverständlich mag ein jeder sein Pseudonym frei wählen und benützen. Wir, die solche Falschnamen führen, legen oft eine Botschaft hinein. In meinem Fall ist Bogumil eine Ironie auf meinen Standpunkt als Antitheist und Balkansky ein Hinweis auf Herkunft, geschrieben mit "Y" als Ausdruck der Fremde in der ich bin. Das ist bei Herrn Ferchichi nicht anders. Über sein Pseudonym sagt er uns, er habe einen ehrenwerten aber kriegerischen Codex wie ein Samurai und sei Teil einer ehrenwerten, kriegerischen Gemeinschaft, die diesen Codex ohne Wenn und Aber lebt.

Doch was der japanischen Kriegerkaste als Weg vorgeschrieben ist, fordert Tugenden und Charaktereigenschaften, die Herr Ferchichi schlicht nicht hat. Genauso wenig wie seine Gemeinschaft auch nur ein Atom Ehre hat. Herr Ferchichi´s Freunde, die er Familie nennt, der er aus "Loyalität" sein gesamtes Vermögen zur freien Verfügung für Geschäfte aller Art überschreibt, ist ganz offiziell und gerichtsnotorisch Teil von Berlins organisierter Kriminalität. Was genau, so muss man Herrn Ferchichi vorhalten, konstituiert Ehre bei Zuhältern, Drogenhändlern, Schutzgelderpressern, Räubern und Schlägern? Das es Herr Ferchichi nicht wahr haben will, ist verständlich. Aber wir anderen wissen, dass Zuhälter, Drogenhändler, Schutzgelderpresser, Räuber und Schläger keine Ehre haben. Und eines Tages wird Herr Ferchichi schmerzhaft erfahren, dass Solche auch keine Freunde, keine Loyalität und keine Gnade haben.

Ich fordere Protest und Boykott! Protestieren soll der Verein der echten Samurai, wenn es ihn in Tokyo gibt, oder der japanische Botschafter, den es in Berlin sicher gibt. Und wir anderen sollten ihn boykottieren indem wir Herrn Ferchichi nur noch bei seinem echten Namen nennen, was ich in diesem Text konsequent umsetze.

Bambi als Wille und Vorstellung

Bei der Recherche zu dieser Kolumne fällt mir eine Diskussionsrunde zum Thema Integration auf. Hier tritt ein netter, leiser und eloquenter Soziologe Herrn Ferchichi mit dem ganzen Gewicht des Faktums auf die Zehen. Einen selbst erfundenen Preis für Integration, so der Soziologe, könne jeder verleihen. Und einen Bambi könne jeder bekommen. Amerikanische Stars beispielsweise, bekommen ihn bereits, wenn sie bloß nach Deutschland einreisen. Tom Cruise soll seinen Bambi für "Zivilcourage" bekommen haben, was für die Freiheit der Fantasie bei dem Erfinden von Kategorien spricht.

Somit, so sage ich, ist Herrn Ferchichis "Bambi für Integration" kein Omelette, sondern nur ein bunt garniertes Rührei. Auf einem Pappteller serviert. Deswegen ist es auch wurscht ob beim Bambi-Träger für Integration seine homophoben und misogynen Texte ignoriert werden oder die Frage, worin seine integrative Leistung überhaupt besteht, einfach nie erörtert wird. Der Bambi ist nur eine luftige Fantasie in der Schwerelosigkeit des Show-Biz. Dem Live-Regisseur der Diskussion bin ich unendlich dankbar, weil er wiff genug ist, ein CloseUp von Herrn Ferchichis Gesicht zu bringen, während der Soziologe seinen Bambi zum Schmafu erklärt. Sehenswert!

Integrationissimus

In derselben Sendung stellt der Moderator später die Frage ob Herr Ferchichi integriert ist. Der Regisseur bringt wieder Ferchichis Gesicht, während der Soziologe ihn für voll integriert erklärt. Die Gründe des Soziologen: Ferchichi macht amerikanisch inspirierte Musik, vermarktet sie professionell nach allen Gesetzen des kapitalistischen Marktes und verdient damit sehr viel Geld.

Weil aber in Ferchichis Weltbild Kapitalisten offenbar irgendwie böse sind und Samurai irgendwie wie Robin Hood sind und Ferchichi irgendwie ein Samurai sein möcht´ zeigt das Closeup wieder ein des Oscar würdiges Mimikspiel mühsam unterdrückter Aggressivität. Eine andere Teilnehmerin der Diskussion, sagt sogar offen, sie habe bereits Angst vor Herrn Ferchichi ob seines aggressiven Wordings, obwohl sie in einem Studio vor laufenden Kameras ist. Beim ansehen dieser Szene meine ich, über seinem Kopf eine Gedankenblase zu sehen, in der das Gegenargument Ferchichis formuliert ist: Einige Sterne und Spiralen, eine Faust und die wegfliegende Brille des Soziologen.

Später stoße ich in Youtube auf einen Text von Herrn Ferchichi. Er lautet: "Ich fick´ euch alle drei! Du weißt doch, dass ich solche Hurensöhne wie Dich nicht zum ersten Mal sehe. Okay? Hättest Du meine Mutter gesehen oder gefilmt, ich hätte Deinen Kopf abgeschnitten! Ich bin richtig krass jetzt gerade auf Adrenalin, ich werd euch alle drei hier begraben! Bevor die Bullen kommen hast Du auf die Fresse bekommen! Ganz einfach! Mehr als 600 Euro Schmerzensgeld kriegst Du eh nicht!" Das ist kein Text aus einem Album, sondern Herr Ferchichi der zu Journalisten spricht, die ihn mal eben nicht hirnlos loben, sondern mal eben kritisch fragen.

Helden sehen anders aus!

Nein, Herr Ferchichi ist nicht integriert! Zumindest nicht in dem Sinne, wie Ich, die Migranten aus der Redaktion und die allermeisten unserer migrantischen Leser integriert sind. Weswegen wir, also die Redaktion von daStandard.at und unsere Leser den Bambi für Integration verdient haben. Wir sind gleichzeitig die Helden und das Ergebnis von Integration. Unsere Texte sind nie homophob, frauenfeindlich oder primitive Drohungen. Wir klüngeln nicht mit Verbrechern. Und wir verdienen einen Nasenrammel dabei.

Doch obwohl wir den Bambi aller Wahrscheinlichkeit nicht bekommen werden, können wir leichten Herzens wieder zu unserem migrantischen und integrierten Alltag übergehen, unsere Texte schreiben und unser Leben leben. Ferchichi muss der Bambi für Integration nicht aberkannt werden und uns zuerkannt, denn so wie Herr Ferchichi nur ein Integrations-Dummie ist, so ist der Bambi für was-auch-immer nur gesprudeltes Vakuum. Es soll uns nur niemand mehr mit Typen wie Ferchichi und Integration qua "Bambi" belästigen.

Integration findet trotz Ferchichi und Bambi tagtäglich statt. Wir schreiben sie.

Und: Ja! Jetzt geht´s m´a besser! (Bogumil Balkansky, 25.5.2013, daStandard.at)

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