Der Mohr-Sederl-Saft von Welt

Ansichtssache23. Juli 2013, 16:33
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Beim Mohr-Sederl auf der Terrasse, in Zweiersdorf am Fuß der Hohen Wand, ist gut sitzen, wenn auch nur fünfmal im Jahr für jeweils zehn Tage. Zwar ist das Mostviertel ein starkes Stück weiter nordwestlich zu finden, aber auch im niederösterreichischen Industrieviertel kann ein Mostheuriger, wie der Mohr-Sederl eben auch einer ist, ausstecken.

Ausg'steckt ist schon lange, aber erst in den vergangenen Jahren, in denen Andreas Sederl und seine Frau Doris den Familienbetrieb leiten, ist nach und nach eine Fruchtwelt daraus geworden. Seit Frühjahr 2011 mit einem neuen, vierhundert Quadratmeter großen Betriebsgebäude, das in Führungen fast ganzjährig zu besichtigen ist. Nur rund 15 Prozent der Erzeugnisse von Mohr-Sederl sind Most und Destillate. Die Schnapsbrennerei war der Ausgangspunkt, heute sind es die Fruchtsäfte, die den Sechs-Personen- Betrieb weit und breit bekanntgemacht haben.

Strenge Qualitätskriterien

14 Sorten sind im Angebot, biologisch und konventionell, fast ausschließlich aber aus regionalen Produkten hergestellt. "95 Prozent des Obstes, das wir verarbeiten, kommen aus weniger als 100 Kilometer Entfernung", sagt Andreas Sederl. Die Obstproduzenten, viele seit Jahren Vertragspartner, akzeptieren für einen überdurchschnittlichen Preis strenge Qualitätskriterien. "Wir zahlen für einwandfreies, unbeschädigtes Obst deutlich über dem Marktniveau." Verpresst werden, vorwiegend im September, Oktober und November (ja, Erntezeit!), Äpfel und Birnen ausschließlich aus Niederösterreich und der Steiermark. Dazu gibt es Mischungen mit Karotten aus Österreich sowie Himbeeren und Weichseln, die aus Ungarn kommen.


Foto: Heribert Corn/www.corn.at

Rund zehn Prozent des des Obstes sind biozertifiziert, das Wachstum in diesem Segment ist besonders hoch, "aber nicht ganz so streng genommen sind unsere anderen Erzeugnisse auch bio". Die Säfte werden pasteurisiert und in Glasflaschen (viertel, ein und zwei Liter) oder in drei und fünf Liter fassende Fruchtboxen mit Zapfhahn abgefüllt, in denen das Produkt ungekühlt bis zu drei Monate frisch bleibt. 400 Tonnen Obst verarbeitet Mohr-Sederl pro Jahr, rund 250.000 Liter Saft ("Das machen die Großbetriebe in ein paar Stunden, so gesehen sind wir ein Nischenprodukt.") werden abgefüllt – dabei, vor allem aber bei Etikettierung und Verpackung, fällt viel Handarbeit an.

Ein Drittel wird ab Hof verkauft

Die Kundenbindung ist auch durch den Mostheurigen, den vor allem die Eltern betreuen, hoch. Deshalb wird etwa ein Drittel der Produktion ab Hof verkauft. In seiner Jugend, sagt Andreas Sederl, suchte er "der Welt einen Haxen auszureißen". Er präsentierte seine Säfte zwischen Dubai und New York. Aber im Endeffekt ist Mohr-Sederl als Betrieb zu klein für Weltumspannendes. "Und so soll er auch bleiben", sagt Andreas Sederl. Er habe ohnehin rund zwei Millionen Konsumenten mit der besten Kaufkraft in Europa vor der Haustür, aber "nicht den Anspruch, unseren Saft allen acht Millionen Österreichern aufs Auge zu drücken". Dennoch ist seit vier Jahren Merkur ein wichtiger Partner, denn "ein Geheimtipp soll schließlich auch kaufbar sein".

Neben der Gastronomie werden auch die Uno und die Hofburg beliefert. Zuweilen bleibt dem zweifachen Vater noch Zeit für Experimente, wie es einst die Anlage eines eigenen Himbeerfeldes war, dessen Pflege sich aber als gar zu arbeitsintensiv herausgestellt hat. Leichter ist es mit den rund 7000 Litern Cider, dem moussierenden Wein aus Birnen- und seit neuestem auch Apfelsaft, der allerdings "wegen der aufwändigeren Methode" außer Haus hergestellt wird. Das neueste Projekt ist Gin aus Alpen-Wacholder. Der kommt dann in jedem Fall direkt aus der Fruchtwelt am Fuß der Hohen Wand. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Feinkost, 23.7.2013)

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foto: heribert corn

Andreas und Doris Sederl setzen auf qualitativ einwandfreies und hochpreisiges Obst. Den Markt für ihre Säfte und Destillate finden sie wie ihre Ausgangsprodukte vor der Haustür.

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