Die Servante des Fürsten Pálffy

24. Mai 2013, 18:56
5 Postings

Orangerie nennt sich die jüngste Sparte bei Villa Grisebach (Berlin), in der Experte Stefan Körner das Beste vom Besten züchtet. Manches davon fand sich in Wien

Im Badezimmer einer Wiener Privatwohnung auf eine Königin zu treffen? Nun, die Chance auf eine solche Episode ist eher gering. Stefan Körner, vormals Direktor der Sammlungen der Fürsten Esterházy und seit vergangenem Jahr für das Auktionshaus Villa Grisebach (Berlin) tätig, wurde diese Ehre zuteil: in Form einer Porträtbüste der Königin Luise von Preußen, die er als bislang nur über schriftliche Quellen überliefertes Frühwerk des Dresdner Bildhauers Christian Daniel Rauch aus dem Jahr 1804 identifizieren konnte.

"Orangerie - ausgewählte Objekte" nennt sich die Sparte, in der analog zur historischen Bedeutung nun "das Beste vom Besten gezüchtet wird", erläutert Körner, der mit seinem Konzept nachhaltig zu sammlerischen Grenzüberschreitungen animieren und die "Lust des Sehens" wecken will.

Aus der Zeit gefallen

Bei der Auswahl der Objekte steht nicht der Zeitgeist, sondern deren Konversationsqualität im Mittelpunkt, mit inhaltlichen, historischen, formellen oder auch philosophischen Bezügen. Im November 2012 durfte sich Körner über ein mehr als erfolgreiches Auktionsdebüt freuen: Die Verkaufsquote lag bei beachtlichen 90 Prozent, und Luise fand über die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg für 372.100 Euro in ihrer ehemaligen Sommerresidenz im Schloss Paretz eine endgültige Heimat.

Für den 30. Mai ist die nächste Auktion anberaumt, und der vorliegende Katalog scheint ob der Detailliebe aus der Zeit gefallen zu sein. Jedes der 48 offerierten Kunstwerke wird von einem ausführlichen Katalogtext begleitet. Fachliches verstanden die unterschiedlichen Autoren in kurzweilige Worte, ja Geschichten zu kleiden, und man liegt damit weit über dem Durchschnitt dessen, was in der Auktionsbranche sonst gemeinhin an der Tagesordnung ist.

Die Auswahl der Objekte spricht wiederum für sich selbst: Da wäre etwa ein winziges Bronzeboot aus dem 8./7. Jahrhundert vor Christus, das ehemals wohl Seefahrern als Talisman diente (8000-10.000 Euro), die Staffelei von Lovis Corinth (2000-3000) nicht zu vergessen oder das kleine Salonspinnrad von 1745 (2000-3000), das die Sehnsucht fürstlicher Damen nach Privatheit symbolisiert. Während Marie Antoinette mit silbernen Schaufeln im Garten hantierte und feinst herausgeputzte Schafe hütete, erklärt Stefan Körner, wurde solche gespielte häusliche Verrichtung abseits des erstickend durchgeplanten Zeremoniells zum Refugium der eigenen Intimität.

Zum Tête-à-Tête mit der Zarin

Für ihre Zeit überaus deutlich beorderte wiederum Katharina die Große ihren Vertrauten Graf Ernst von Münnich, der als Begründer der heutigen Eremitage gilt, nachts in ihr Schlafzimmer. Den detaillierten Zweck verrät der Brief der Zarin (1500-3000) nicht, dieser bleibt der Fantasie des künftigen Besitzers überlassen.

Und ja, Meisterliches österreichischer Provenienz ist aktuell ebenso vertreten: Neben einer Kugelleuchte aus dem Café Museum von Josef Zotti (10.000-12.000), die ehemals ein kühl reflektierendes Pendant zu den im Raum verteilten konkav gerundeten Sitzinseln mit rotem Lederbezug bildete, sei noch die Servante mit einem Vierzehnender (20.000-25.000) erwähnt. Das schräge Möbel war ursprünglich Inventar im Palais Pálffy am Josefsplatz, datiert um 1825, entstand in der Werkstatt eines Wiener Meisters und ist in seiner Charakteristik dem Umkreis Joseph Ulrich Danhausers zuzuordnen. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 25./26.5.2013)

  • Um 1825 entstand in einer Wiener Werkstatt diese vermutlich in fürstlichem Auftrag ausgeführte Servante, die ehemals zum Inventar des Palais Pálffy am Josefsplatz gehörte.
    foto: villa grisebach

    Um 1825 entstand in einer Wiener Werkstatt diese vermutlich in fürstlichem Auftrag ausgeführte Servante, die ehemals zum Inventar des Palais Pálffy am Josefsplatz gehörte.

Share if you care.