Bayern oder Dortmund, das ist hier die Frage

24. Mai 2013, 13:03
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David Alaba will es, Uli Hoeneß will, Bayern will es. Aber Dortmund will es auch. Gewinnen. Wer siegen dürfte und wer siegen sollte

Wieso Bayern München siegen dürfte

Ob Bundesliga, im Pokal oder

Champions League, ja, gibt es denn was Schöneres als einen Bayern-Sieg?

Hier ist Leben, hier ist Liebe, hier ist Freude und auch Leid.

Bayern München! Deutschlands Bester! Bis in alle Ewigkeit!

FC Bayern, Stern des Südens,

du wirst niemals untergehn,

weil wir in guten wie in schlechten Zeiten zueinander stehn.

FC Bayern, Deutscher Meister,

ja, so heißt mein Verein,

ja, so war es und so ist es, und so wird es immer sein!

Dass der in Willy Astors Vereinshymne beschworene "Stern des Südens" heller strahlt als je zuvor, ist nicht zuletzt seinem ehemaligen Manager Uli Hoeneß zu verdanken. Dem aktuellen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden verdanken die Bayern aber auch, dass ihr drittes Grande Finale innerhalb von drei Jahren nicht nur eine sportliche Dimension hat. Angesichts des Steuerfalls Hoeneß - Selbstanzeige, ausgesetzter Haftbefehl gegen Leistung einer Sicherheit in Millionenhöhe, anhaltende Ermittlungen - diskutiert die Nation darüber, ob es sein kann, dass ein Mann mit einer solchen Geschichte weiterhin Leitstern des größten, besten, tollsten deutschen Sportvereins sein kann. Er kann, beschloss der Aufsichtsrat, dem auch ein ehemaliger Ministerpräsident (Edmund Stoiber) und etliche Konzernvorstände (Adidas, VW, Audi, Telekom) angehören. Ihren heftig kritisierten Beschluss, den 61-Jährigen im Amt zu belassen, hätten sie "im Interesse des FC Bayern" gefällt. Und der Aufsichtsrat werde "die Angelegenheit weiterhin beobachten". Man kann aber davon ausgehen, dass Hoeneß letztlich selbst seinen Sessel räumt.

Das Finale als Uli-Hoeneß-Abschiedsspiel setzt die Mannschaft, darunter Österreichs Herzibinki David Alaba, zusätzlich unter Druck. Unter dem scheidenden Trainerdoyen Jupp Heynckes (68), der schon mit Real den Titel holte, hat sie aber gelernt, mit Druck umzugehen. Noch ein Argument? In den vergangenen fünf Saisonen hat nur der FC Barcelona oder jene Mannschaft, die zuvor die Katalanen im Halbfinale bezwang, die Champions League gewonnen. Bayern passt perfekt in die Reihe aus Manchester United, Inter Mailand und Chelsea - auch dank Uli Hoeneß.

Wieso Borussia Dortmund siegen sollte

Ich meine, wenn ich 20 wär und supertalentiert, und Real Madrid hätte schon angeklopft

und die Jungs aus Manchester.

Und ich hätt auch schon für Deutschland gespielt

und wär mental topfit,

und Uli Hoeneß würde bei mir

auf der Matte stehen.

Ich würde meine Tür nicht öffnen,

weil's für mich nicht infrage kommt, sich bei so Leuten wie den Bayern

seinen Charakter zu versauen.

Wir würden nie zum

FC Bayern München gehen!

Die Toten Hosen mit ihrem Song Bayern sind nicht wenigen durch den Kopf geschossen, nachdem sich Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, wegen eines Steuervergehens selbst angezeigt hatte. Und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus sympathisieren nun viele, denen Fußball eigentlich sonst wo vorbeigeht, mit dem Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund. Die Dortmunder selbst sehen sich sowieso als Vorreiter in Sachen Fußball wie in Sachen Ethik. Wobei sie den Bayern, denen sie vor einem Jahr selbst noch den Meister gezeigt hatten, in dieser Saison bis dato insgesamt recht wenig entgegenzusetzen hatten. Was die Ethik angeht, sieht es aber jedenfalls anders aus, wie sich offenbarte, als der Wechsel von Borussia-Jungstar Mario Götze nach München bekannt wurde - just vor dem Dortmunder Semifinalrückspiel gegen Real Madrid. "Es war wie ein Herzanfall", sagte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp.

Umso mehr wollen die Dortmunder den Bayern, die auch noch die Chance auf den deutschen Pokal (Finale gegen Stuttgart) haben, die perfekte Saison vermasseln. Die Chancen am Samstag (20.45 Uhr, Puls 4, ZDF) stehen nicht schlecht, Bayern tut sich gegen Dortmund traditionell schwer. In der Meisterschaft ist die Borussia gegen die Münchner seit sechs Partien unbesiegt (4 Siege, 2 Remis), allein im Cup-Viertelfinale gab's einen Bayern-Erfolg (1:0). Laut Statistik kann der Sieger ohnedies nur Dortmund heißen. 1997, im Jahr des letzten Champions-League-Triumphs der Westfalen, stieg Hertha BSC ebenfalls in die erste deutsche Liga auf, und Fortuna Düsseldorf stieg wie heuer aus der Eliteklasse ab, Bayern wurde Meister, und Stuttgart kam ins Pokalfinale. Alles klar? (fri, lü, sid, DER STANDARD, 24.5.2013)

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    Wer sich am Ende bei Gott im Himmel bedanken darf, das ist am Samstag die Frage.

  • Viele halten zu Dortmund, weil Uli Hoeneß Bayernchef ist.
    foto: epa/barth

    Viele halten zu Dortmund, weil Uli Hoeneß Bayernchef ist.

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