Gumball 3000 in Wien: Blubbern im Jacuzzi

Ansichtssache24. Mai 2013, 15:00
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Die weltgrößte Gruppenausfahrt für Supercars und illustre Fahrzeuge machte in Österreich Station. Nach 15 Jahren ist sie vor allem eines: Posing

Wenn die Sonne der Vernunft tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten. Am Donnerstagabend stand die Sonne im Wiener Volksgarten verdammt tief: Schließlich gab es den Zwischenstopp des organisierten Supercar-Schaulaufs namens Gumball 3000 zu bewundern.

Seit 15 Jahren sucht der Tross die Kontinente heim, neben diversen Superreichen fühlen sich vor allem Sportler, Musikkünstler und allerlei Glamour-Babes von dem Programm angesprochen. Ein limitierter Zirkel - diesmal gaben sich 120 Teams die Gruppenreise - und 41.000 Euro Startgeld garantieren die gewünschte Exklusivität, untertags wird gefahren, abends in diversen Clubs die Reisekasse verheizt.

Spektakuläre Story

2013 nahm die mobilisierte Party in Kopenhagen ihren Ausgang, die Route führte über Stockholm, Helsinki, Sankt Petersburg und Warschau nach Wien, Endstation ist standesgemäß Monte Carlo. Dazwischen liegen etwa 5.000 Kilometer Straße und eine spektakuläre Story, die seit Jahren ungefähr so erzählt wird: "Ein paar durchgeknallte Millionäre mit zu viel Tagesfreizeit brettern mit überzüchteten PS-Monstern und aparten Blondies am Beifahrersitz durch die Gegend, toppen sich gegenseitig beim Übertreten diverser Verkehrsregeln und werfen dem alarmierten Streifenpolizisten gelangweilt ein Bündel Dollarscheine vor die Füße."

Doch die Story vom illegalen Straßenrennen für das Geld-Proletariat ist bestenfalls ein Marketingschmäh. Was 1998 noch mit anarchistischer Verve begann, ist heute eine Werbeveranstaltung mit angeschlossenem Autokorso. Pseudo-individueller folierter Camouflage-Look für die Autos, die Sponsoren ordentlich aufgepickt, bis in die Zehenspitzen gebriefte Teilnehmer.

Law-and-Order-Staffage

Polizeiaktionen? Ja, aber nur mit medialer Begleitung. Die Exekutive spielt als Law-and-Order-Staffage freundlich mit, gute Bilder sind schließlich gewiss. Am Ende des Gumball warten auf die Teilnehmer Preise für "Spirit" und Originalität. Zeitnahme? Nur beim Warten auf die Crevetten im Restaurant, bestenfalls. Kurzum: Der stramme Furz der Anarchie, das war einmal. Im Jahr 2013 ist das Gumball bloß ein Blubbern im Jacuzzi.

Dieses war dann auch das eine oder andere Mal am Checkpoint Volksgarten zu vernehmen, was immerhin 3.000 Schaulustige anlockte.

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foto: derstandard.at/schlögl

Ab 17 Uhr trudelten die schrillen Gäste ein. Mercedes G-Klasse war dieses Jahr besonders beliebt.

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